Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 51 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Bolksblatt. Z»r Belehrung und Bnteröaftuncj auf jüdisch cm ßeöide. Herausgegeben von Rabbiner De. Lvdwifl Pbilippfon in Bonn. [9io. 51. 1866.1 Be* diel er rteüfAtif» erleb eint «Sche»lli» an« Stammet. Preis de« 3abt« |ao(< l IbU. Bie«e!jäbrt| 7 Jtgr. Alle Baebhaadtaagea. PoKämlee and Zeiluaglerpedinoae» nehmen Pe-ellaa»ea an. [13. InKrg. 4. Quartal. Bekanntmachung. Mit dem 1. Januar 1867 wird das „Jüdische Bolksblatt" mit der „Allg. Zeitung des Judentlnims" vereinigt, so daß dasselbe als „Feuilleton der Allg. Zcituug des JudeuthumS" erscheint, uub diese hiernach an Umfang vergrößert wird (wöchentlich 2 bis 24 Bogen). Wir hoffen, daß die Freunde des „Jüdischen Volksblattes" ihre Theilnahme ihm auch in der neuen Form erhalten werden-- Der Preis der Allg. Zeitung des Judenthums mit dem jüdischen Volksblatte ist jährlich 4 Thlr., halbjährlich 2 Thlr., vierteljährlich 1 Thlr., und kann sie durch jedes Postamt und jede Buchhandlung bezogen werden. - — Die Redaktion. Die Verlagsbuchhandluvg. Die Schnlc nach dem Talmud. Vor Kurzem erschien (Berlin, Benzian 1866) ein recht wackeres Schriftchen unter dem Titel „Zur Schulpädagogik des Talmud" von Dr. Sam. Marcus. Es wird unsre Leser interessiren. wenn wir ihnen hier, dieser Schrift folgend, ein Bild von den hauptsächlichen Ansichten des Talmud über die Schule vorführen. Vor Allem legt der Talmud überhaupt einen außerordentlichen Werth auf die Schule. Es wird dies ausgedrückt durch das Wort des R. Jehuda Neßia: „Die Welt besteht nur durch den Hauch der kleiner Kinder in der Schule'"». Es heißt weiter: „Eine Stadt, die keine Schule und Schulkinder bat, muß zerstört oder in den Bann gethan werden" *) und „Jerusalem ging nur zu Grunde, weil die Schulen und Schulkinder daselbst aufhörten. "*» „Wenn Du liebliche Gärten am Strome 1 2 3 4 * 6) und die leuchtenden St""ne am Himmel ^) siebst, —führen daher unsere Weisen aus — so hast du ein Bild treuer Lehrer, welche die zarten Pflanzen pflegen und bewachen undmildesLicht in die noch dunkle Welt der aufwachsenden Jugend hineinstrahlen lasten." „Die schönste Zierde der Menschheit bilden — nachdem Worte der Weisen •)—di« 1) Sabb. 119 b. 2) Sabb. ibid. 3) Ibid. 4) Tana Debe Elij. 51 Baba bathra 8 a. 6) M dr. Rabb. Schir haseb. Lehrer und die sie umgebende Schuljugend, welche den kostbarsten Perlenreihen zum Schmuck der Königinnen und Fürstinnen bestimmt, gleich und den höchsten und | vornehmsten Platz in der Gesellschaft einzunehmen würdig sind." Ein richtiges Bild über die Einrichtung der Schule und den Zustand, in dem der Unterricht stattgefunden, giebt uns Maimonides *): „ Der Lehrer saß obenan und die Schüler umgaben ihn, wie eine Krone das Haupt, damit Jeder den Lehrer sehe und sein Wort höre. Der Lehrer saß nicht auf einem Stuhle und die Schüler auf der Erde, sondern alle saßen entweder auf Stühlen oder auf der Erde. Früher war es Sitte, daß der Lehrer geseffen und die Schüler gestandenchaben; kurz vor der Zerstörung Jerusalems jedoch richtete man es so ein, daß Schüler wie Lehrer saßen:" Es versteht sich von selbst, daß man bei der Wahl des Lehrergroße Vorsicht empfahl. Der ältere, an Erfahrung reichere Lehrer galt als. der tüchtigere, und hatte auch in der Wahl unbedingt den Vorzug. „Unterricht jüngerer Lehrer — heißt es im Talmud — ist wie saure Trauben und neuer Wein, Unterricht alter Lehrer hingegen wie reife Trauben und alter Wein." *; Man - I 1) Jad Hachasaka H. T. T. UL 2. ~ 2) Aboth. 4, 26. Unbedingt kann man sich mit dieser Ansicht nicht einverstanden erklären. Der ältere Lehrer verfällt gar zu leicht in Heist tädtendeu Schlendrian, während der jüngere Lehrer mit frischem Eifer und ftifcher Kraft an'« Deck geht, auch Berbesterungeu zugänglich ist. Es versteht sich, daß er nicht in'» Exprrimentiren verfallen darf. Redakt.