Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 50 (1866) · p. Seite 200

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
50 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 200 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4908862-5999396-6026838--3378-4911554
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

X — 200 — er unruhig. Er blickte die Menschen um ihn'ängstlich an, und schien von ihren Gesichtern schnell Etwas lesen zu wollen^ Herz fing an, ihm von seiner gefährlichen Krankheit und seinen Sorgen um ihn zu sprechen, um ihm ihre Verstörtheit zu erklären, auch von einigen Neuigkeiten in der Stadt, die unterdeß geschehen. Aber Elkahn merkte nicht darauf, sondern nach einiger Zeit bat er den Freund, die Leute zu entfernen, und mit ihm allein zu bleiben. „Sage, Freund, hob er an, mich ängstigt Etwas; habe ich nicht einen Brief empfangen, der mich so schrecklich traf?" Herz zögerte mit der Antwort und wußte nicht, wie er sich benehmen solle. „Bleib doch in Ruhe, stammelte er hervor, und kümmre dich jetzt nicht um Briefe. Es sind deren gmug eingelaufen. Jetzt gilt^es, daß du erst wieder zu Kräften kommest, hernach kannst du sie alle lesen." „Nein, nein, rief der Andere aus,-du willst es mir verschweigen; es muß ein Brief gekommen sein von, von . . . über meinen Sohn ... ich nzuß es. wissen, ich weiß, es ja — aber ich will es ganz wissen. . Herz machte vergeblich Vorstellungen aller Art, sagte die halbe Wahrheit, die dem Kranken nicht genügte. Er hatte gleich nach dem Schlage nach B: geschrieben, wiederholt geschrieben; es waren Nachrichten eingelaufen, aber sie lauteten nicht tröstlich. Man hatte die Spur des Verschwundenen bis nach London verfolgt. Hier war sie gänzlich verloren. Ein Criminalbeamter war dorthin geeilt, hatte aber keinen Erfolg gehabt. Der Arzt kam. glücklicher Weise hinzu, und dir erfahrene Mann hielt den Kranken nicht mit Vorspiegelungen hin, sondern sagte in einfachen, aber geschickt gestellten Worten dem Kranken Alles. Unruhe und tödtliche Angst sind gefährlicher, meinte er. als der Schmerz, der den Umfang des Verlustes klar ermißt. Der-Lopf des Unglücklichen war zurückgesunken. Er lag bleich und bewegungslos da. Aber es tobtenihn nicht. Langsam, in Monaten schritt seine Genesung vor. Er konnte selbst das Bett verlasien. Aber sein Zimmer verließ er nie wieder. Nichts sonnte ihn bewegen, sich den Menschen wieder zu zeigen. Herz und seine Frau waren die Einzigen; die er zu sich ließ. Er sprach nur das Nothwendigste auf eine Unterhaltung ging er nicht ein. Wenn sein Freund ihm etwas erzählte, hörte er still zu, aber weder Geberde noch Worte verriethen, daß er irgend einen Antheil daran nehme, daß er es überhaupt nur verstanden habe. Er verrichtete pünktlich nach gewohnter Weise seine Gebete; dann saß er still, und schien in Sinnen und Brüten verloren. Seine Gestalt war zusammengebrochen, sein Aussehen das eines hochbejahrten Greises. Herz hatte das Geschäft seines Freundes abgewickelt und aufgelöst; der Ertrag genügte, seine geringen Bedürfnisse zu decken. So lebte Elkahn noch ein Jahr. Seine Kräfte schwanden allmälig, und eines Morgens .fand man ihn entschlummert aus seinem Lager. Von seinem Sohne hörte man nie wieder Etwas. Herz meinte, eines Abends in der Dunkelheit. Jahre spater. vor dem früheren Hause seines Freundes eine Mannesgestalt verkommenen Aussehens stehen gesehen zu haben, die bei dem Strahle der Straßenlaterne eine Aehnlichkeit mit Simon Elkahn gehabt habe, und welche, als Herz stillstand, sich schleunigst entfernte. Auch bemerkte man am andern Morgen, daß der Zaun des jüdischen Friedhofes an einer Stelle durchbrochen worden, und auf der feuchten Erde glaubte man Fußtritte zu erkennen, welche nach dem. Grabe Elkahns hinführten. Dies war aber auch Alles, und nach kurzer Zeit war es vergessen. Die Blitzableiter an vcm Tempel von Jerusalem. Der berühmte französische Naturforscher Arago schrieb folgende „Notiz über das Gewitter": Der jüdische Tempel in Jerusalem existirke fast 100V Jahre; denn der Tempel Salomon's stand beinahe 400 Jahre, und der zweite Tempel ungefähr bvo Jahre. Dieser Tempel war durch seine Lagej ganz besonders den sehr häufigen und heftigen Gewittern in Palästina ausgesetzt. Trotzdem erwähnt weder!vie Bibel noch Josephus, daß er jemals vom Blitze getroffen worden. Die Ursache davon ist sehr einfach. Durch einen zufälligen Umstand war der Tempel von Jerusalem mit einem Blitzableiter versehen, der dem von Franklin erfundenen und von uns gebrauchten sehr nahe kam. ,Das Dach des Tempels, ähnlich denjenigen in Italien und bedeckt mit dick vergoldetem Cedernholze, war von dem einen Ende bis zum andern mit langen eisernen oder stählernen scharfen Spitzen versehen, die oben vngoldet waren. Die Mauern des -Gebäudes waren in de: Front gleicherweise in ihrer vollen Länge mit dick verzoll etem Holze bedeckt. Endlich waren auf dem Vorhofe des Tempels Cisternen angebracht, in welche das Wasser fio;, das von dem Dache in metallnen Röhren Herabkain. Hier finden wir eine solche Menge von Blitzableitern, daß Lichtenberg Recht hatte, weün er behauptet, dqß die Einrichtung gleicher Construktionen in unfern Tagen weit davon entfernt ^ist, einen Apparat darzustellen, der so wohl geeignet ist, den gewünschten Zweck zu erfüllen. allgemeine Zeituu Inhalt: Leitende deutsche Parlament. — L Zeituugsnachrich matzkus. der JudenthumS. No 49. 18ti6. Artikel: Die Petitionen an dar nordterarischer Wochenbericht, en: Deutschland: Berlin. BreSlau, Den der Leine. OesterreiichischerAaiserstaat: AuS Ungarn, Pest, Wien, Tarnow, Prag. Frankreich: Paris. Großbritanien: Portsmouth. Italien: Florenz. Syrien: Da- Abhandlungen v Unzulässigkeit de- Gebra fassung von Verträge» und JEST Zu beziehen durch Jährlich 3 Thaler, vierte rschiedenen Inhalt-: Ueber die tchejüdischer Schristzeichen bei Abrechtlichen Willen-erklarungev. (Schluß.) jede- Postamt und jede Buchhandlung jährlich % Thaler. Verantwortlicher Ncdacteur Dr. H. Lotze. verla> »»ir Ba»»aäriaer'e Vvchiaadtu»- ta Stivjig. — Druck vou G. SrtOfira in-erpir-,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.