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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 49 (1866) · p. Seite 196

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
49 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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196 Har iinb offen dargelegt würde. Tie werden vielleicht emm Verweis, auch eine.Geldstrafe erhalten, aberinnerlich würde man vor Ihnen als einem reichen Manne nur noch mehr Respekt haben — und dafür soll ich als ein schimpflicher Verbrecher mein Leben lang umher gehen?!" Doch der Bürgermeister gab nicht nach', und betheuerte immer von Neuem, daß er die ganze Sache unterorücken oder doch so abschwächen wolle, das Elkahn damit zufrieden sein könne. Endlich erhob sich Elkahn mir Entrüstung, und erklärte, daß ihm weder die Unterdrückung noch die Abschwächung der Anschuldigung genüge; doch wolle er abwarten, wie der Verlauf sein werde, würde aber nicht anstehen, die ganze Wahrheit zu sagen, sobald ein andrer Ausweg nicht übrig bliebe. Jndcß wurden die üblen Gerüchte in der Stadt immer mehr in Umlauf gesetzt und Elka^n konnte schon in der Zeit vor der Sitzung bemerken, wie eigenthümlich er von aller Welt angesehen und behandelt wurde. Ein bittres Gefühl drang ihm tief in die Seele,, welches dem Selbstbewußtsein feiner Unschuld nicht weichen wollte. Wie? sagte er zu sich selbst, ein reiner, makelloser Lebenswandel, mehr als dreißig Jahre vor den Augen dieser Leute geführt, kann sie nicht verhindern, einer in der Lust schwebenden Anschuldigung Glauben zu schenken, von der Niemand die Quelle kennt, für die Niemand einen Beweis geführt hat? ... Wußte denn Elkahn nicht, daß die Mehrzahl der Menschen, selbst von niedriger Gesinnung beseelt und von zahllosen Beispielen, die vor ihren Augen Vorgehen, verleitet, anderen Menschen stets unedle und selbstsüchtige Absichten zutraut, und deshalb jeder üblen Nachrede den bereitesten Glauben schenkt? Wußte er nicht, daß der großen Menge Nichts schneller entschwindet als die dankbare Anerkennung für geleistete Dienste? Bei solchen Gelegenheiten gibt es immer nur Wenige, die sich des Beschuldeten annehmen, und diese werden von den Andern als be- .theiligt, als verblendete Freunde verschrien. Diese bittre Empfindung konnte jedoch Elkahn in seiner innersten Sicherheit und Ruhe auf die Länge nicht stören, und er faßte seine Kräfte um so schärfer zusammen, um, was auch komme, einen entschiedenen Widerstand leisten zu können. Daß *man in der Stadt den Angriff in der nächsten Sitzung erwartete, zeigte sich in dem ungeheuren Zudrange von Menschen zu dem Saale, wo die Väter der Stadt ihre Berathungen hielten und die Zuhörer sonst kaum nach Dutzenden zählten. Als Elkahn iw> den Saal trat, sah er kalte und unfreundliche Gesichter vor sich, spöttische und höhnische Mienen, durch die er zu seinem Platze schreiten mußte. Die Geschäfte wurden ausgenommen und ein Punkt der Tagesordnung nach dem andern erledigt. In den Debatten hierüber nahmen einige Redner Gelegenheit, unverkennbare Anspielungen, heftige Ausfälle zu machen, welche Elkahn unzweideutig auf seine Angelegenheit beziehen mußte, und die von'den Zuhörern auch so verstanden wurden, ohne daß sich jedoch Etwas darauf edwiedern ließ. Der-Eine sprach von dem Mißtrauen, das man in allen Geldangelegenheiten gegen Jedermann haben müffe, da schändliche Täuschungen nicht ausblieben. Der Andere spielte auf die „Wölfe im Schafspelze" an und so weiter, und jede ^dieser Aeußerungen rief im Zuhörerramne Zeichen des Beifalls und Bravos hervor, ohne daß der Vorsitzende gegen diese Unterbrechung einschritt. Elkahn schwieg, so sehr auch sein zart empfindendes Herz dabei litt. Endlich war die Tagesordnung erschöpft. Elkahn glaubte, jetzt werde es kommen, jetzt würden seine Gegner aus ihrem Schlupfwinkel hervorbrechen. Aber es blieb still, und nach einer Pause rief der Vorsitzende zwei Stadtverordnete auf, das Protokoll zu unterschreiben. Da hielt Elkahn nicht länger an sich; er forderte das Wort zu einer persönlichen Bemerkung. Der Vorsitzende wollte Einwendungen erheben, der Vertreter des Magistrats — der Bürgermeister war nicht erschienen — machte Miene sich zu entfernen; aber Elkahn beharrle so bestimmt bei seinem Verlangen, daß ihm nachgegeben werden mußte. Er begann mit gedrängte», aber kräftigen Worten, auf die bösen Gerüchte hinzuweisen, die man gegen ihn ausgebracht, auch die feindliche Stimmung, die man gegen ihn hervorgerufen. „Man hat sich nicht gescheut, rief er aus, auch in dieser Versammlung Aeußerungen fassen zu laffen, die man unter den obwaltenden Umständen nur gegen mich gerichtet glauben kann. Wenn meineGegner irgend einen Begriff von Ehrlichkeit und Loyalität haben, so müssen sie hervortreten, damit ihre Beschuldigung entweder von mir widerlegt werde oder mich vernichte und auf die Anklagebank bringe. Die Ehre dieser Versammlnng verlangt dies, damit weder ein ehrloser Handlung Verdächtiger in ihr den Sitz behalte, noch ein Unschuldiger auf ränkevollem Wege mit Schimpf und Schmach überhäuft werde." (Schluß folgt.)! Druckfehler.! No. 47. S. 185. Cp. 2. Z. 13. v. o. muß „von" j wegfallen. S. 186. Sp. 1. Z. 28. v. o. muß es | heißen: „nicht aber als Unglück, daß er u. s. w."! Allgemeine Zerrung de« Ji^dentbum». No. 46. 18^6. Inhalt: Leitende Artikel: Die Petitionen. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Homburg, Nordstellen, Lippstadt, Birnbaum, Sobernheim. Oesterreichischer Kaiserstaat: Lemberg, Prag, Wien. Frankreich: Paris. Correspondenz: Der Prozeß betreffs der Judenverfolgungen in Böhmen. (Schluß.) Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Ueber die Unzulässigkeit des Gebrauches jüdischer Schristzeichen bei Abfassung von Verträgen und rechtlichen Willenserklärungen. JtSS?* Zn beziehen durch jeder Postamt und jede Buchhandlung Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich' Thaler. Verantwortlicher Redacteur Dr. H. Potze. vcrlüvon Banmgärtner'e Buchhantlang in Leipzig. — Truck von <8. jtrrysivz in Leipzig.

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