Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 49 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Belehrung und Unterhaltung aut jühi^chem Gebiete. Herausgcgeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in- Bonn. [9to, 49. 1860J He« bitter •Uitiftnh tHAriM wdAt,»NA ti»t Nummer. PrM dt« Äabr» gaug« i Ldlr. Stitneiiüdng 7 \i Ngr. »Ur tSuAbanclunjctr Posta«»» unb ütttuusterrtDitiöotn nehmen vesttllnngtn an. [13* Jahrjj. 4. Quartal. Ties getroffen. Ein EharaUrrbild. Freund ivährenddes ganzen Gesprächs mit dem Herrn Äkahn mit einem Entschluffe gekämpft zu haben. Jetzt hatte er seiner Frau einen Wink gegeben, diese war ausgestanden und hatte sich entfernt. „Also Du kömmst, Freund Herz und Herzensfreund! Es wird ein kleines, heiteres Abendmahl geben. Zwar nur unter Herren — und das wird meine liebe Freundin —" der Sprecher verbeugte ^sich hierbei vor der Dame, die auf dem Sopha saß — „deine Gattin, wohl verzeihen; aber es steht einem einsamen Wittwer nicht anders zu. Du darfst mir nicht fehlen, mein einziger Jugend- und Schulfreund, den ich noch habe, und der so viele Jahre hindurch Leid und Freud mit mir getheilt hat." „Gewiß würd' ich kommen. Schon die freudige Gewißheit, daß du Dich von dem schweren Schicksalsschlage, der Dich vor einem Jahre durch den Heimgang Deines unvergeßlichen Weibes getroffen, wieder aufgerichtet hast und im alten Sinn und Geiste dein $<b<n forlzuführen gedenkst, müßte mich bewegen, an dieser Feier Theil zu nehmen ..." „Ich danke dir im Voraus. Daß mein einziger Sohn, mein Simon, übermorgen das Glück hat, in noch so jungen Jahren als Affociv in ein ss bedeutendes und altes Geschäft einzutreten, und somit rhm eine glänzende Laufbahn eröffnet ist, daß ihm dieses vorzugsweise durch seinen Fleiß, seinen sittlichen Ernst und seine große Geschäftsbefähigung geworden ist, das muß mich wohl über alle Prüfungen der Vergangenheit hißwegheben und ich bin es ihm schuldig, mich seines Glü^es zu fteuen und es mit teilnehmenden Freunden seitlich zu begehen. Und wahrlich, das schmerzliche Andenken an meinen nie zu verwindenden Verlust darf mich nicht abhalten, denn es betrifft ja den Sohn auch meiner theuren Elise, und ihr war es stets die höchste Befriedigt ng, wenn sie mich heiter, noch mehr, wenn sie mich über ihren Sohn glücklich sah. Ob es mir schwer ward, die thränen auf ihrem Grabe zu stillen und die Trauer a»!s meinem Herzen, wenn auch nur auf Augenblicke, zu Hannen! Werde ich doch jeden Augenblick an das erinnert^ was mir für diese Lebenszeit auf immer genommen ist! Doch die Hand deS Herrn sei gesegnet. Genug. Aber wie? Du sprichst noch immer: ich würde, ich käme. . ." „Nun, so muß ich noch von etwas Anderem mit dir sprechen, so schwer es mir werde. Ich bin es so Dir schuldig." r „Setzen wir uns, Elkahn. Ich habe Dir Etwamitzutheilen, was dich schwer trcffen wird. Deine Ehre ist verpfändet. ES droht dir, wenigstens deinem ehrlichen Namen, ein harter Schlag. Seit längerer Zeit läuft durch die Stadt ein dumpfes Gerücht, man weiß nicht, woher es gekommen. Zuerst flüsterte man es sich leise in die Ohren, dann fing man laut davon zu spre-! chen an; jetzt hat es so viel Consistenz gewonnen, daß ' man eine Anklage gegen dich darauf gründen will. Uebermorgen in der Versammlung der Stadtverordnete« soll es losbrechen. Daß man es wagen will, öffentlich und persönlich damit gegen Dich aufzutteten, beweist wenigstens, daß man die Mittel in Händen hat, dich zu discreditiren. Es ist wunderbar, daß du noch gar nichts davon gehört. Dieser Umstand bezeugt, wie viele Freunde du hast, die sich scheueten. dir wehe zu thun und dir deshalb lieber Etwas verschwiegen, was dir doch nicht! verschwiegen bleiben kann und darf. Auch ich habe desj halb genug mit mir gekämpft."! „Du erschreckst mich, Herz. Ich bin mir zwar Nicht» j bewußt, was mich graviren könnte. Allein rin Scheker bilbul ist schon hart genug; das Gift der Verleumdung spritzt sehr weit. Aber nun heraus damit. Was ist es, weffen man mich beschuldigt?" j „Es ist mir nicht zweifelhaft, von welcher Seite die Sache ausgeht. Die Reaktionären in unsrer Stadt können das doppelte Leidwesen für sie nicht erttagen, daß in jüngster Zeit so mancherlei Unterschleife von Männern ihrer Partei an's Tageslicht gekommen, und daß du, der Opposition angehörig, und als Jude, ein so großes und durch viele Dienste wohl erworbenes Vertrauen in der gesammten Bürgerschaft der Stadt genießest. Sie wollen daher dich in beiden Eigenschaften treffen und ruiniren, um für sich eine Genugthuung daraus zu schöpfen." I „Dies mag Alles sein, Freund. Aber ich weiß noch immer nicht, um was eS sich handelt Sprich es ohne Umschweif aus, ich kann doch keinen Mord begangen haben sollen!" „Man beschuldigt dich, bei der Errichtung der Gasanstalt dein Amt mißbraucht und deinem Eigennutz ge-