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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 47 (1866) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
47 (1866)
Date
1866-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt. Z-r Belehrung uni) Huterfjaftung aus jüdischem ZeKiete. Hrrausgegeben von Rabbiner Or. Ludwig Philippfon in Bonn. [No. 47.1866.] Boi kickt jrilMHift trfAciit »McatIM eil« Jhiiin. Peels kl 3«t<> gang* 1 26lx. BicttetiSftrift 7lf Rge. alle Vu»baidluigci. fofUnun »id Aci»iiO«cx»«vili»icM ickar* BeftcDiagci «*. [13. jfalirg. 4. Quartal. Gespräche III. Die Nebel in der Natur. (Schluß.) Ich. Es könnte doch wohl sein, daß wir dem Vorgänge, der uns zu diesen Betrachtungen veranlaßte, rin gutes Stück menschlichen Gefühles mehr unterlegen, als ihm der Wirklichkeit nach zukäme. Wenn der Blitz diese Eiche verschont halte, und am selbigen Tage wäre der Holzhauer zu ihr getreten, hätte sie mit Säge und Axt zu Boden geworfen und in Stücke zertheilt, würde die» für den Daum von andrer Bedeutung gewesen sein? Wenn statt des Donnerkeils die Keule de- Metzgerdie Lämmer niedergeschmettert, würde es für diese von andrem Werthe gewesen sein? Er. Gewiß nicht, denn es kann Pflanzen und Thieren nicht darauf ankommen, ob ihr Tod den Menschen einen Nutzen schaffe oder nicht. Ich. Denken wir uns. der Wolf wäre in eine Heerde gebrochen oder eine Seuche hatte sie ergriffen, so kommt dies Alles auf dasselbe hinaus. Es ergiebt sich hieraus, daß wir den Tod organischer Wesen überhaupt als ein Uebel betrachten müßten, wenn wir ein solches in dem Unglücksfalle erblicken wollen, an dem wir so vielen Antheil genommen haben. Er. Doch wohl nicht ganz. Das Auffällige besiand ja darin, daß Werke der Natur, die mit so vieler Sorgfalt angelegt sind, so plötzlich untergehen, lange, bevor sie das Ziel erreichten, welches der natürliche Lauf der Dinge ihnen gesteckt hätte. Ich. Ganz recht. So müssen wir den Gedanken aufsuchen, aus welchem heraus eine solche Einrichtung getroffen sein muß. Es ist dieauch für uns der richtige Weg. So weit wir den Theil der göttlichen Schöpfung, der unsrer Wahrnehmung zugänglich ist, durchschauen, ist sie eine Einheit, in welcher Werden und Vergehen in einem unaufhörlichen Kreisläufe stattfinden. Alle Dinge sind aus Elementen zusammengesetzt. Diese Zusammensetzung geht immerfort vor sich und bildet die einzelnen Wesen. Ebenso aber findet eine immerwährende Zersetzung statt, durch welche die einzelnen Wesen vergehen und ihre Elemente anderen Wesen übergeben. Dieser Kreislauf ist dadurch hergestellt, daß eine Wefengattuna in die ändere aufgeht, von ihr ausgenommen und in sich verarbeitet wird. Dieist der große Schöpfungsgedanke, den wir in allen Erscheinungen der Natur, so weit wir sie kennen, verwirNicht sehen: ^der einheitliche Kreislauf de- Daseins. Bon diesem allgemeinen Standpunkte aus kann das Aushören der einzelnen Wesen weder als ein Uebel noch als eine Ungerechtigkeit angesehen werde«. Diesem Kreisläufe verdanken alle einzelne Wesen ihr Dasein, und sind es ihm schuldig. Eie selbst existiren! nur durch die Aufnahme anderer Wesen in sich, und haben dann dasselbe Geschick. Alle die Naturereignisse, die wir als zerstörend bezeichnen, sind in Wirklichkeit die unentbehrlichen Wohlthäter für zahlose Mafien von Wesen. Der Sturm, ja der Orkan, der Bäume knickt und Schiffe zertrümmert,' vertheilt die Lebev-luft über die Oberfläche der Erde, und wird von unzähligen Menschen, Thiere« und Pflanzen zum unentbehrlichm Erhalter. DaS Gewitter, die vulkanischen Au-brüch« und alle derartige Erscheinungen sind für die Gesammtheit von unendlichem Nutzen, gegen welchen der Schaden an Einzelwesen, den sie aurichten können, ganz unerheblich ist. Ebenso leicht sehen wir ei«, daß, wenn ein Kreislauf des Daseins stattfind'n sollte, die Wesen den mannigfaltigsten Einflüssen 1 es Werden-, Bestehens und Vergehens ausgesetzt sein mußten, und bei der Verwendung einer Art für die a ldere die Dauer de- Daseinauf die mannigfaltigste Weise verlängert und verkürzt werden mußte. Je höher das Wesen organisirt ward, desto verschiedenartiger mußten diese Einflüsse sein. Es konnte nicht darauf ankommen, daß jede- Ding gerade so lange bestehe, als es seiner innerü» Anlage nach au-dauern konnte. Es HStte dann der Gesammtheit nicht dienen können, der es sein Ddsein verdankte, und hatte auch keine Ansprüche darauf, da es selbst nur von dem Untergänge anderer Dinge bidahin existirte. Er. Dies Alleleuchtet mir ein und »ch muß zugestehen, daß vom allgemeinen Gesichtspunkte der Schöpfung aus ein dieser kein Uebel giebt und kein Unrecht geschieht. Ich kann mir denken, daß der allweise Schöpfer auch andere Welten nach anderen Schöpfungsgcdanken geschaffen hat, in welchen eben diese Idee des immerwährenden Kreislaufs des Daseinnicht vorhanden. Aber da sicherlich der Schöpfer eben alle Weisen und * Formen de- Daseinhervorbringeu wollte, erscheint mir jetzt die Welt des einheitlichen Kreislaufes, der wir angehören, als vollkommen in chrer Art. Und mehr sagt auch dir heil. Schrift nicht, denn sie betont immer, daß Alles vollkommen sei „in seiner Art."-- Versetze» wir uns aber nun auf den Standpunkt des Eiazelwesens selbst, so müssen wir doch zugeben, daß eS für dasselbe *

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