Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 44 (1866) · p. Seite 176

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
44 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 176 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4908862-5999396-6026832--3348-4911530
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

176 Herrn I Micklasiewicz, dem österreichischen Konsul in Safed mit. ' In dem bezüglichen Dokument bestätigt Herr Micklasiewicz, daß die sechzig betreffenden Familien aufrichtig wünschten, sich ihr Brod zu verdienen, indem sie sich von nun an ländlichen Beschäftigungen hivgäben. So widerlegte Herr Micklasiewicz zugleich die Anschuldigungen, die ein Betrüger in England, der sich für den österreichischen Konsul in Safed ausgab, gegen die Juden von Safed erhoben hatte. > „Um dieselbe Zeit wurden mir Bitten: um Beschäftigung' im Ackerbau von der Bevölkerung von Tiberias und Bokea übergeben; die letztere litt furchtbar während des letzten Kampfes zwischen Joseph Kerim und Daud Pascha: ihr Vieh, das Erträgniß ihrer Felder und all' ihr Eigenthum, das sie in ihren» Häusern hatten, und selbst ihre Weiber waren ihnen mit Gewalt entriffen worden. Ich unterstützte sie mit einer kleinen Summe und versprach ihr Unglück meinen Freunden bekannt zu machen. „Am Freitag, dem 4. April, ließ ich, da ich glaubte, den Armen im h. Lande einen Dienst zu erweisen, wenn ich sie mit dem notbwendigen Geld« versähe, sich von Jerusalem und seiner Umgegend wegzubegeben, einige in der allgemeinen Versammlung erwähnte Familien vor mich kommen, und bei dieser Gelegenheit erlebte ich eine Scene, welche der Erzählung nicht unwerth ist. In der bestimmten Stunde wurde -eine jung« Wittwe zu mir geführt, anscheinend zwanzig oder zweiundzwanzig Jahre alt. Ihr Gatte war kürzlich an der Cholera gestorben und hatte sie mit drei Kindern zurückgelaffen, von denen das älteste fünf oder sechs Jahre und das jüngste drei Monate alt war. Ihre Geschichte war einfach folgende: Sie selbst war Waise geworden noch im zarten Alter, und war als Pflegetochter von einem Manne, adoptirt worden, der jetzt unentgeltlich als Vorleser in einer kleinen Synagoge fungirt. Zufällig hatte er noch eine'ändere Waise im Hause, einen Knaben, und als beide zu einem reisen Alter — nach orientalischen Begriffes — herangewachsen waren, schien es ihm gut, daß eine Verbindung zwischen diesen beiden Waisen hergestellt werde; und so wurden sie unter dem Dache dieses wohlthärigen Hauses vermählt. Rach ihrer Herrath erhielten sie sich ehrenvoll und lebten glücklich zusammen, bis der Gatte unter dem verhängnißvollen Schlage der Cholera starb. Hierauf suchte der Pflegevater eine Wohnung für die veriaffene Wittwe und ihre Kinder. Dieselbe bestand aus einem kleinen Raum, den ich früher besucht, wo mich seine Reinlichkeit sowohl wie die liebenswürdige Erscheinung der Kinder entzückt hatte. So hielt ich diesen Fall für sehr geeignet, Mittel zur Auswanderung nach Jerusalem zu gewähren, 'und bot der Wittwe meine Hülfe an, sie zu unterstützen, daß sie und ihre Familie aus Jerusalem auswandere, um zu ihren Verwandten und Freunden in Deutschland zu gelangen, welche, wie man annahm, wohlhabend waren. Zu meiner Ueberraschung lehnte sie es ab, meine Unterstützung in Anspruch zu nehmen, obwohl in den dankbarsten Ausdrücken. Ich will hier so genau wie möglich ihre Worte wiedergeben als den treuen Ausdruck ihrer Gefühle und vieler der Bewohner des heiligen Bodens. Sie sprach: „Gott hat mir das hohe Vorrecht verliehen, die geheiligte Lust des Landes unserer Väter Abraham, Isaak und Jakob zu athmen. Er hat seine Gnade und Güte an mir erwiesen, indem er mich als ein Kind an diesen geweihten Ort brachte, von welchem der sttahlende Ruhm seines göttlichen Gesetzes ausgegangen ist. Er hat mir gestattet, den heiligen Boden zu betreten, ans dem unsere Propheten und Lehrer lebten, und ließ mich die Worte seiner ewigen Wahrheit erkennen. Und jetzt soll ich Zion verlaffen und meine Kinder von hier entfernen, wo, wie wir treu glauben und täglich erwarten, „Wahrheit und Frieden wiederum herrschen sollen!" Nein, lieber will ich mit meinen Kindern hungern, indem ich den Staub in der heilige» Stadt Jerusalem küffe, als in Fülle anders wo leben!" „Von verschiedenen Personen wurden mir Gesuche und die nöthigen Mittel überreicht, sie in Stand zu setzen, daß sie die h. Stadt verließen; aber bei näherer Nachforschung fand ich, daß in allen diesen Fällen die Bittsteller nur zeitweilige Zwecke im Auge hatten, ohne die Absicht, beständig fortzublerben, und deshalb hielt ich es nicht für meine Pflicht, ihnen mehr zu geben als eine Kleinigkeit, um sie aus ihrer augenblicklichen Bedrängniß zu erelten. „Donnerstag, den 5. April, wurde zur Besichtigung und Prüfung der Nachforschungen verwandt, die ich in Bezug auf Grundstücke in den Vorstädtm Jerusalem hatte anstellen laffen, die für Gebäude und zur Bebauung dienen sollten. Aber bald mußte ich ein schweres Unglück ertragen. Ich erhielt in der Nacht des 5. April die Nachricht von dem Hinscheiden meines unvergeßlichen Freundes Iw. Hodgkin. Dieses Ereigniß übermannte mich mit Kummer und warf eine Düsterkeit über mich, die ^ch vergebens zu zerstreuen bemüht war. „Am Freitag, den 6. April, besuchte ich den Nachmittagsgottesdienst in der Eephardim-Synagoge, die zu den Töuro - Armenhäusern gehört, und unterhielt mich mit den Bewohnern derselben, von denen ich viele nützliche Belehrung erhielt." (Fortsetzung folgt.) Allgemeine Zeitung de« Jndenthnw«. No. 43. 1866. Inhalt: Leitende Artikel: Die Petitionen an da» preußische Abgeordnetenhaus und da« preußische Staatsministerium. — Ueber religiSse» Dissen uud Denken. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn. Paderborn, Au« Westphalen, Köln, Au« der Bayerischen Pfalz. Oesterreichischer Kaiserstaat: Tarnopol, Prag. Ruß- , land: von der polnischen Grenze, Au« Polen. Frankreich: > Pari«. Italien-Padua. Großbritanien: London. Nordamerika: Philadelphia. Lorrespondenz: Die israelitischeGemeindeschule zu Buka. rest. Der jüdisch, ungarische Lehrerverein. US1 Zu beziehen durch jede« Postamt uud jede Buchhaudluug Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % THaler. Berarttworüicher Retactenr Dr. H. Soge. ti<rlag von «»umgärrnrr'e vuLhavdluag in «tivzig. — Druck von iS. «revsing i» Seivrts-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.