Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 41 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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164 mit Connafmnmc: „Meine zwei Thaler Hexans, Mann, 3tc verletzen mein Hausrechr, ich werte klagbar werden.. vergebens machte Krau Lppenfelder Anstrengung, ihren Mann, der vor Zorn außer sich war, zur Besonnent\it uitürftutufen. Ce hörte ntcht auf sie. Da warf der Wirth die zwei. Thaler wieder auf den Tisch und ries mit giftigen Blicken: „Gut, Sie heruntergelomm-ner Vuw.p, hier haben Sie die zwei Thaler wieder. Morgen ^cqen wir uns anders!" — armen Leuten war die Freude vergällt. Die Kmder kvmen nach Hause und liebkosten die-unglücklichen Litern, mesthst'etgend einarrder gegenüber saßen. Jetzt trtu’b sich ote Frau, zündete Feuer an und knreitete das frugale Mutagmahl, das sie so überaus köstlich dünkte. Der Hunger war größer als der Kummer, den sie im Herzen trugen, und so verzehrten sie es begierig — aber die fröhliche .Heiterkeit, die unter andern Umständen mit timen za Tische gesessen hätte, kehrte nicht zurück. Am andern Tage traf das Gefürchtete ein. Der Wirth harre die Klage anhängig gemacht und auf Emission angctragen, die auch sofort verhängt wurde. Der Exekutor kam, konnte aber nach dem Gesetze das Bett und das Ttcvhlager nicht mit Beschlag belegen. Der Wirth ivarf unter Zanken und Fluchen jene auf. die Straße, ote übrigen Meuvles trugen kaum die Kosten der Klage und der Exekution. Da saß nun die einstige Erbin des «vuldaer'schen Reichthums aus dem Belt an der Straße, veil den weinenden Kindern gestützt, vom gaffenden Pvbel umringt, und der Mann war davongeeilt, um doch irgendwo noch Hülse zu erlangen. Er blieb lange aus. Da sank d-e Frau auf das Bett nieder, und ein Blutstrom entquoll ihreni Munde. Die beiden Kinder schneen entsetzt auf. In diesem Augenblicke ging der Armrnvvrstcher-der Gemeinde vorüber. Er erkannte die halbtodte Frau, ein Blick sagte ihm, was hier vorgegaugen. Er eilte fort, kehrte mit Leuten und einem Tragkorbe zurück, und ließ die Frau und die Kinder in das jüdische Hospital bringen. Alles was ärztliche Hülfe und gute Pflege thun konnten, geschah. Lppenfelder, als er erfuhr, was geschehen, ergab sich in sein Schicksal. Sein Herz war gebrochen, sein Stolz geschwunden. Ach. er wußte, einst in seinen guten Tagen, hatte er dieser Zufluchtsstätte armer Kranker mit vollen Händen gespendet. Tag und Nacht saß er am Krankenlager seines Weibes. Aber nicht lange. In einer Nacht, draußen stürmte es und schlug der Regen an die Fenster, hielt er die Hand seiner sterbenden Frau in der, seinen. Noch einen Blick aus den gebrochenen Augen auf ihn, und ihr-leyter Seufzer war ausgehaucht. Wenige Wochen darauf hatte ein Fieber sein Töchterchen ihrer Mutter in das Grab nachgesendet. Die Gemeinde bot dem unglücklichen Manne eine Stelle als Synagogendiener an — und Lppenfelder nahm sie an, denn — er hatte noch ein Kind zu versorgen. Sicher gestellt durch den Freilich sehr kärglichen Gehalt, bezog er mit seinem Knaben ein kleines Miethsquartter. Hatte er' seinen Amtspflichten genügt, so sah man ihn täglich, den Knaben an der Linken, das Täschchen in derMechten, zugeknöpft bis zuin Halse, stattlich nach dem Rheine gehen, um zu baden und seine Wäsche zu reinigen. Kuriosum. Der Feuilletonist eines Hamburger Blattes macht sich in ziemlich satyrischer Weise über jene der Aufklärung huldigenden Juden lustig, die an den» bekannten Versöhnungsseste — einem strengen Fasttage — der gläubigen Umgebung vorsichtig aus dem Wege gehend, heimliche : Mitlagstische aufsuchen, deren Vorlheile — nach der An- * sicht des Feuilletvnisten — oft noch dadurch illusorisch werden, weil, ebensoviel« Gleichgesinnte dem „unbesuchten" . Gasthause die Ehre ihres Besuches an diesem Tage zu j Theil werden lasten. Eine Anekdote, die von dem nord-! deutschen Blatte im Anschluffe an den citirten Artikel er- \ zählt wird, dürste durch ihre drastische Pointe auch bei —; Nichtbetheiligten viel Heiterkeit erregen. Es existirte nämlich in Hamburg im Anfänge dieses Jahrhunderts, als; ein Jude kaum an einen Bruch der Fasten zu denken wagte, ein kleiner, bescheidener Speisewirth, der in einer > sehr entlegenen Gaste der Altstadt wohnte, und bei dein 1 sich hungrige „Neumodische", wie man es damals nannte, in aller Stille versammelten, um an den strengen Festtagen illegitime BeFsteaks, natürlich mit doppeltem Beri gnügen und Appetit, zu sich zu nehmen. Dieser Messias 1 der hungrigen Freigeister wurde vom allgemeinen Lose der Menschen ereilt, und ging dorthin, wo es nur Leviathan-Gerichte, aber keine Beefsteaks gibt. Tief . trauernd begegnete einer der jüdischen „Stammgäste" feinem Genoffen stiller Freuden, und seufzte: „Weißt Du - schon, unser kleiner Speisewirth in der Altstadt ist todt!"— „Ach ja," lautete die ebenso betrübte Antwort, „das ist ein so großer Verlust. Wahrhaftig, es ist für uns solch , ein Unglück, daß man einen Fasttag deßhalb anordncn I sollte." — „Ganz gewiß", meinte der Erste, „aber wo; sollen wir denn essen?" (Wir brauchen für unsere Leser nicht hinzuzufügcn, > welche ernste Seite die oben gezeichnete Erscheinung hat! j Redakt. des jüd.. Vlksbl.)! Allgemeine Zeitung des Judenthutns. No. 40- 18'16. JnhalttLeitendeArtikel: Der jüdische Separatismus. — j Die Excesie in Oesterreich. — Die Seminarsrage. — Die Stellung i der Juden in Anhalt. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Solernheim. Naugard, Aus der Rheinprovinz. Oesterreichischerätaiier« staat:TemeSvar,AuS BöhmenundMähren.Gro ßbritannien: Aus Rordengland. Frankreich: Paris. Belg ien: Brüssel. | Schwei;: St. Gallen. Notizeu. Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. | Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich yA Thaler. Beraatipörtlicher tXecactcar Dr. H. Lotze Wert», vo» Sachh«dt»»g i» Lnvziz..— Druck von 0>. Ste «fing in eeipjjg.