Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 37 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. •Beleöriinq uni) Unterhaltung auf jüdischem HeKiete.! Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippjon in Bonn. 1 [9io.*37. 1860.] So» dieier ZcittckriN ertoetnl wochenrli» ein« Rnmmi. Prei« de« Iahe» ,-ng« 1 Tblr- Winteljitrin 7 if Rzr. SO« «»ch-andlUUgr». PvstS«t«e und Aeirn»o««kv«dilwne» nehmen Be-eünngen an. ^13. AaKrg. 3. HusrLsl. rrmVbpi n:ra nssn p er nrons; os nso Vnn Wieder ist ein Jahr vergangen. Groß im Raum der Weltgeschichte; Denn die Geißel des Geschickes Uebte harte Strafgerichte: Völker wurden aufgeboten * Zu dem Kampf auf Tod und Leben Gegen ihre Stammverwandten, ’ Andern Fürsten untergeben. Und der Tod hielt reiche Erndte Unter Gatten, Vätern, Söhnen; Und der Jubelklang der Sieger, Er verhallt' in Klagetönen. Auf der Wahlstatt weint der Genius Des Jahrhunderts um die Lieben, Die der Schlachten Würgeengel Schaarenweise aufgerieben. Fluren, die des Landmanns Mühen I Hundertfältig sonst belohnen, , Liegen öde und zertreten ' Von dem Sturmschritt der Schwadronen. Alles Schaffen liegt darnieder Das Vertrauen ist geschwunden Und die Sieger und Besiegten Bluten an den Kriegeswunden. — Auch die Bürger, sonst ergeben Ihrem friedlichen Gewerbe, Tragen grollend schwere Lallen. All' des blut'gen Krieges E^be. Mit der Furie der Kanonen! Zog die Pest in deutsche Städte, Mordend Jünglinge und Männer, Die verschont hat — die Muskete.; Ueber frische Leichenhügel Wiederhallt das Grabgeläute, Und der Tod, der Nimmersatte, Giebt nicht wieder seine Beute. Doch^das Jahr ist nun zu Ende Und die Grenzen sind gezogen; Denn der Bund ist neu geschloffen: Droben glänzt der Friedensbogen! Gott erbarmt sich seiner Kinder, Er erlöst von schweren Banden Fürst und Volk zu Friedenswerken; Denn die -Prüfung ist bestanden. Trost und Hoffnung kehren wieder, Die das neue Jahr begrüßen Und entzweite Menschenbrüder Enger an einander schließen. Menschenliebe heilt die Wunden, Die die Leidenschaft geschlagen; Auch der Tod verliert die Schrecken, Hilft das Mitgefühl ihn tragen. — Neues Jahr, du Friedensbote! Bring' auch uns,-den Kampfesmüden, Freiheit^ Heimat, Bürgerrechte, Gott vchtrau'n und Seelenfrieden. - circ rsr^pe -nipiL'j Jes. 60 17. Gumbinnen. H. Schwarz. Rabbiner. Zum neuen Jahre In einer kleinen Stadt des westlichen Preußens sehen! wir zwei Männer, beide von noch jugendlichem Alter, 1 der eine jedoch schon ziemlich vorgerückter an Jahren als der andere^ neben einander durch die Straßen gehen. Die Dämmerung hat bereits ihre dunkleren Schatten ausgebreitet, und durch die Fenster der Häuser beginnen , die angezündeten Lampen und Kerzen, ihre Strahlen wie! einladend zum Eintritt zu werfen. Die beiden Männer l waren verschieden gekleidet, der eine, der jüngere, trug i die Uniform eines preußischen Infanteristen, der andere war in Civilkleidern, einem feinen blauen Tuchrocke, den jedoch eine blaue Blouse bedeckte, indeß bezeichnte eine Militairmütze. ihn doch als entlassenen Landwehrmann. An der Ecktzweier kleinen Straßen schüttelten sich die