Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 36 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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144 immerfort gewechselt. Ganz besonders üble er noch im Kopfrechnen. Dabei aber vermied er jene Pedanterie, welche in den christlichen Schulen da- Rechnen zur Qual der Schüler machte, und die ich dadurch kennen lernte, daß ich einem christlichen Nachbarkinde, dem Sohne eines Bäckers, oft die ihm aufgegebenen Exempel rechnen mußte, wofür ich von dessen Mutier große Kuchenstücke als Belohnung mit Vergnügen entgezennahm und mit nach Hause brachte. Da gab es Exempel, wie: 218,907 Einer. 3 Stein, 20 Pfund, 28 Loth 4315,/984S Quentchen kosten 96,388 Thaler 16 Groschen 8743,9<1 Pfennige, wie viel kosten 309,617 Einer 1 Stein 4 Pfund 13 Loth 2"°7/„999 Quentchen? . . . Mit solchen unützen Quälereien verschonte uns unser Lehrer! Seine Tempel lagen alle in der Praxis und ihre Losung machte uns Vergnügen und relzte den Eifer. Hierbei waren unsre öffentlichen Prüfungen stets von großem Glanze. Je mechanischer die Unterrichtsweise, desto sicherer waren die Proben des Erlernten, die auf denselben vorgeführt wurden. ES war eine große Schande, wenn man auf die gestellten Fragen nicht antworten konnte, und es geschah dies nur Wenigen. Wir Schüler wußten freilich, woran wir waren, denn die Jugend ist in solchen Dingen sehr scharfsichtig. Aber ebenso frühzeitig deckt die Eitelkeit alle Zweifel zu, und es war uns eine große Befriedigung jährlich vor einer großen Zuhörermenge unsre Lichtlein glänzen zu lassen. Dazwischen wurden Gedichte vorgetragen, und zuletzt hielt ein Primaner eine Rede. 28er zu -diesen Dingen erwählt ward, fühlte sich sehr ausgezeichnet. Mir fiel dieses Glückslvs auch einige Mal zu, und auf dem Gipfel der Ehre befand ich mich, als ich als neunjähriger Knabe Vormittags ein schönes Gedicht gut deÜamirt batte und als Nachmittags der Herzog erschien, ich vom Direktor erpreß vom Hause geholt ward, um es noch ein Wal vorzutragen. Ich war bereits mit meinen kindlichen .Spielen auf der Gasse beschäftigt und mußte noch ein Mal herausgeputzt werden. Dem Herzoge gefiel es, und er fragte nach dem Knaben und seiner Familie. Dies war eine Ehre, nach dem damaligen patriarchalischen Geiste, als ob ich in den Adelstand erhoben worden oder für meine ganze Zukunft ausgesorgt wäre — denn der Herzog hatte sich nach mir erkundigt, um —; selbstverständlich das Gehörte im nächsten Augenblicke zu vergessen. Meine Mitschüler brachten mich im Triumphe nach Hause und die Meinigen waren überselig. Es war folgerichtig, daß ich am andern Tage bei der Austheilung der Prämien bedacht wurde, wenn ich auch bis dahin darauf keinen Anspruch gehabt hätte. Noch Monate lang mußte ich, wohin ich kam, das Gedicht wiederholen, denn — das hatte ja der Herzog gehört! So war die damalige Zeit beschaffen, aber diese Naivetät ist längst verschwunden. (Schluß folgt.) Volkssprüche. Ist es nicht zu verwundern, daß ein kleines, schwaches Hühnchen das Schächten aushält? — Es hält es aber auch wirklich nicht aus!-Wollet mit diesen Schimmel, da er jetzt grau wird, schwarz färben, sagte ein Fürst zu einem geschickten Färber. — Ja, wohl, Durchlaucht, antwortete dieser, wenn der Schimmel das Sieden aushält. -Sehen Sie, sagte Jemand zu einer armen Witwe, deren Kinder herangewachsen tüchtige Menschen geworden, sehen Sie, Sie sind doch durchgekommen, der Mensch kommt mit der Zeit durch Alledurch. — Ja. antwortete die Witwe, aber wie! . . . In diesem Wie! lagen Jahre der schwersten Sorgen, der Entbehrung, des Hungerns und Darbens. Ein Raubmord. Aus Jassy wird dem „Wandrer" unterm 6. d. geschrieben: „Ein Dottuschaner Jude fuhr nach Piatra, um dort seine ihm schon seit drei Monaten angetraute Braut nach Hause zu führen. Die Hochzeit fand statt und schon nach dreitägigem Aufenthalte bei seinen nunmehrigen Schwiegereltern machte der gute Mann sich auf die Reise, um seine junge Fraunach Bottuschan zu bringen. Kaum hatten sie die Stadt verlassen und etwa */4 Meilen in den Piatra rings umgebenden Wäldern und Gebirgen zurückgelegt, so wurden sie von 4 Zigeunern angehalten. Soweit geht die Erzählung des Kutschers, der sich durch die Flucht zu retten wußte. Auf der von dem Kutscher bezeichneten Stelle wurde der Jude mit halbausgeriffenem Barte und zerschlagenem Schädel, seiner in 200 Ducaten und einigen kleinen Münzen bestehenden Barschaft beraubt, aufgefunden. Neben ihm lag seine mißhandelte und sodann, wie es scheint, durch Erdrosseln getödtete Frau entblößt, ihres Schmuckes und' ihrer Kleider beraubt. Der Wagen lag in mehrere Stücke zerbrochen herum, die Pferde sind wahrscheinlich von den Räubern mitgeführt worden. Von den Thätern hat man keine Spur aufgefunden. Allgemeine Zeitung des Judenthum«. No. 35. 1866. Inhalt: Leitende 8 rtikel: Die Dvnaufürstenthümer. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Oester« reichischer Saiserstaat: Au» dem Tokajergebirge, Wien, Krakau, Pest. Frankreich: Pari». — Großbrikanien; London. Abhandlungen verschiedenen Inhalt«: Die Mosergruppe von Rauch (Forts.). rtST Zu bestehen durch jede« Postamt und jede Buchhaudlung. ' Jährlich 3 Tbaler, vierteljährlich X Thaler. Serantttortlidet Rekactenr Dr. H. Vo?e t ertiz y>s. van«ß»rtner'< la eitrig. — Truck »ob S. 3tepfiag in eeinig. ■t