Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 35 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 4)
- Language
- German
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140 Worte/die sie sprechen, sind solche, die ich einmal von ihnen vernommen, und welche auf das Herz des Kindes unverlöschlichen Eindruck gemacht. Ich sehe sie in allen ihren Eigenthümlichkeiten, und deren hatten sie Alle.... Habe ich aber das Recht, diese hier nachzuzeichnen, so weit dies eben mit einigen Eirichen möglich ist? Und warum jnicht? Sie selbst sind nicht mehr; ja, die Schule selbst ist nicht mehr, wenigstens als solche nicht mehr, wie ich und meine Altersgenoffen sie besuchten. Ein und vierzig Jahre sind verfloff«m, seitdem ich zum letzten Male die Schwelle derselben überschritt. Auch will ich keine Kritik üben; das Lob soll nicht loben, der Tadel nicht tadeln. Ich will nur zeichnen, wie Alles war. wie es damals erschien und wirkte. Und doch ziehe ich es vor, nur wenige Namen zu nennen, damit auch nicht von weit ab irgend ein Freund oder Abkömmling der Dabingeschiedenen sich verletzt fühlen könne. Und was thuen Namen hier? es ist eine Kulturstufe, über die wir jetzt hinweggeschritten. Allerdings mag sich dieselbe in ähnlicher Weise hier und da noch vorfinden, um ebenfalls bald überschritten zu werden. Im Ganzen ist die Zeit eine andere geworden. Und fürwahr jene Männer verdienten es nicht, irgend wie gekränkt zu werden. Denn sie lagen ihrem BMte nach ihrem besten Können ob, und wie wurden sik^dasur gelohnt! Ihre Haare sind nicht grau geworden ohne die schwersten Sorgen des Lebens, drückende Nahrungssorgen. Einhundert Thaler jährlich als Lehrergehalt gehörte schon zu den nicht unbedeutenden. Privatstunden und Pensionäre oder Nebenämter mußten die großen Lücken ausfüllen, die ein solches Einkommen ließ. Und dabei erhielten sie sämmtlich eine anständige Erscheinung nach außen, uud ließen sich in ihrer Selbstständigkeit nicht zu nahe tteten. Von einem Unterordnen der Lehrer unter die Mitglieder der Gemeinde war nicht die Rede. Das war der Segen, daß die Schule von der Gemeinde nicht abhing, sondern eine landesherrlich confirmirte nnd subventionirte Anstalt war. Ich rede nämlich von der „Herzoglichen Franzschule" zu Dessau. Sie war 1799 von einem Vereine junger Männer a's Armen- und Frei-Schule gegründet, hatte aber das Glück, gleich Anfangs sowohl tüchtige Lehrer, als auch eine körnige und befähigte Schuljugend zu finden. Der Erfolg war daher in kürzester Zeit so überaus glänzend, daß die bemittelten Eltern in der Gemeinde die Ausdehnung der Schule für alle Schichten verlangten, die Landesregierung von ihr Notiz nahm, der vielgerühmte Herzog Franz ihr seinen Namen verlieh und mit einer jährlichen.Summe von einigen hundert Thalern und dem nothigen Holz aus den herzoglichen Waldungen dotirte. Co bestand sie unter einem und demselben Direktor, dem vor zwei Jahren in hohem Alter verstorbenen llr. Fränkel, bis zum Jahre 1850, wo sie ihren'jüdischen Charakter verlor, eme allgemeine Handelsschule unter einem christlichen Direktor ward, so jedoch daß noch heute auch jüdische Lehrer an ihr wirken. k^Sie wurde -von den sämmtlichen Kindern der Gemeinve^besucht, von denen nur einige, nachdem sie unsre schule durchgemacht, auf das Gymnasium übergingen. Prinzipiell war sie jedoch nicht abgeschloffen, und ich erinnere mich, daß wir eine Zeitlang zwei christliche Schüler unter uns hatten. Jetzt natürlich hat sich dieses Verhältnis, geändert und die Zahl der christlichen Schüler ist bedeutend gewachsen. Zu aller Zeit wirkten aber auch christliche Lehrer an ihr. die zugleich an den anderen Schulen der Stadt fungirten. Eine Zeitlang bestand neben ihr eine jüdische Töchterschule, die aber schon zu meiner Zeit einging. Unsre Schule besaß durch alle ihre Epochen einen bedeutenden Ruf im Auslande, und kamen daher aus allen Gegenden Europas Schüler ihr zu. Sie war fast immer von ungefähr hundert Knaben besucht. Es war also eine wohlorganisirte Schule von fünf Klaffen. Sie besaß ein eigenes geräumiges Haus, mit großem Hofraume und einem Garten. In dem Hause befanden sich nur die Klaffen, der große Examensaal und die Wohnung des Schulaufsehers, der meist in den unteren Klaffen auch mit unterrichtete. Jährlich fanden öffentliche Prüfungen statt, denen christliche Behörden, bisweilen selbst der Herzog beiwohnten, die zwei Tage dauerten und bei welchen den besten Schülern Prämien und Belobungen erlheilt wurden. So ließ die äußere Einrichtung und die Repräsentation durchaus nichts zu wünschen übrig. Die Armenkinder hatten freie Schule, erhielten sogar die wenigen Schulbücher, die gebraucht wurden, und fühlten dieses ihr Verhältnis in keinerlei Weise. Die Einnahmen der Schule bestanden lediglich in den Schulgeldern und der erwähnten herzoglichen Unterstützung, und es ist daher erstaunlich, was die Schule bei so geringen Mitteln leistete. Wenden wir uns daher nach innen. (Forts, folgt) Kuriosum. Es besteht in den Vereinigten Staaten, im Staat Maine, unter anderen tausend Sekten, welche auf diesem, so lange Zeit jungfräulichen Boden aufsteigen, eine christliche Se.te, welche glaubt, daß die Zeit der Wiederherstellung der Juden in Palästina gekommen ist und daß es die Pflicht der Christen sei, ihnen den Weg zu ebnen. Im vergangenen Jahr sind zwei Anführer dieser Sekte nach dem heiligen Lande gegangen, um es auszukundschaften, und haben ein-Grundstück bei Jaffa gekauft, um dort eine Colonie zu gründen. Bei ihrer Rückkehr haben sie den Schutz des Präsidenten der Vereinigten Staaten erbeten und erhalten, und durch die Vermittelung des amerikanischen Staatsministeriums, haben sie an den Sultan eine Petition geschickt, um ihn ihren Plänen günstig zu machen. Allgemeine Zeitung de« Jubenrhum«. Wo. 34 1866. Inhalt: teilende Artikel: Die Annexionen. — Zur Charakteristik de« Talmud«. X.(Fortsetz.)— Zerstreute Bemerkungen. Zeiiungonachrichren: Deutschland: Berlin, Äu« Rorddeutschland, Bonn, Horn, Speyer, «Wagen. Oesterrei» chischer Kaiserstaat: Dien, Bon der Elbe, Au« Böhmen, Au« Ungarn. Italien: Au« Oberilalien. Florenz. Groß, briianien: London. Schweden: Stockholm. Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich Thaler. Beraukwortlrcher Retacieuc I)r. H. Lotze. «cm SaBwftitiif r'# «ma»d»«di»Ug im ecip.tz. —- Druck vom 0. Ättofing im