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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 33 (1866) · p. Seite 132

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
33 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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132 einen Thorweg. Es scheint, daß dieses Ghetto ursprünglich nur einen zu verschließenden Ausgang hätte und daß man einen zweiten Ausgang abwechselnd -uließ und schloß. So heißt es beim Jahre 1394: „das Thor von der Judengasse ist dieses Jahr wieder gebrochen worden." Da unzweiselhast Christen nickt in der Judengaffe, die Israeliten aber hier, wie an andern Orten, dicht gedrängt wohnten, so muß es am Ende des 14. Jahrhunderts eine sehr Zahreiche Judengemeinde in Naumburg gegeben haben. Im Jahre 1402 verehrten die Juden dem Rathe eine Lamprete. Es muß aber in jener Zeit ein großer Fisch diesen Namen geführt haben, weil. es heißt „mit den guten Freunden verzehrt Woche Exaudi." Das Ereigniß blieb unermittelt, durch welches in anderthalb Dccennien eine zu Naumburg ungemeine Verminderung der Juden stattsand, und ist eine partielle Vertreibung am wahrscheinlichsten. Es wohnten nur noch wenige Juden in der Stadt. Im Jahre 1478 und 1479 batten Juden Häuser, und 1489 wurden neue Judenhäuser gebaut, andere Wohnungen der Israeliten und die Synagoge ausgebessert. Am Montage nach Vocem jucunditatis 1494 erließ Bischof Johannes Hl einen Brief, wo einleitend das fürstliche Streben hervorgehoben wird, den Untertbanen zu nützen, Schaden von ihnen abzuwenden. Rath, Näthe. Handwerker. Kasienmeister hätten mannigfache Klagen gegen die Juden erhoben. In Betracht der starken Vermehrung und des den Einwohnern zugefügten Schadens will der Bischof die Juden „vrlauben" und aus allen Gebieten und Gerichten ziehen lassen, womit sich Dechant, Senior und Domkapitel einverstanden erklärt haben. Jener verpflichtet sich und seine Nachkommen auf einige Zeiten, keine Juden aufzunehmen oder wissentlich zu dulden, welchen Handel diese trieben. Geschähe solches in benachbarten Gebieten, so soll doch kein Israelit des Handels wegen in Naumburg, in dir Vorstädte oder in die Freiheit eingelasien werden. Obgleich die Synagoge früher dem Rathe zuständig war, will sie dennoch der Bischof der Stadt zu gemeinem Nutzen überlasten. Dagegen hat sich .der Rath durch besondere Verschreibung zu verpflichten, statt der bedeutenden Einahmen, die der Bischof von den Juden gezogen, jährlich 60 rhein. Gulden in halbjährigen Terminen zu zahlen. Dieser Zins kann aber in der Stadt mit 1200 vollwichtigen rhein. Gulden abgezahlt werden. Die Synagoge wurde im Jahre 1496 abgerissen und heißt es beim Jahre 1498: „Dieß Jahr ist das Judengeld Ihrer fürstlichen Gnaden Kammer zum ersten mahl al* 6" st. gegeben worden." Die obige rückkäufliche Zinszahlung erfolgte durch vier Jahrhunderte mit jährlich 821i Thaler und hatte man die Herstammung längst vergeffen. Im Jahre 1812 verzichtete die Stiftsregierung auf die Rente, wogegen die Stadt den Leibzoll fallen ließ, den sie von den die Raumburger Mcste besuchenden Juden crbob. K. Notizen. Bekanntlich sind die Engländer gewohnt, über alle Feste und feierlichen Vorgänge am Hofe undbei der hohen Aristokratie ihres Landes, ausführlich zu berichtet! und stehen nicht an, weil ihr Publikum dies liebt, ganze Spalten der Zeitungen damit zu füllen. Es kann daher nicht auffallen, daß das Je*-. Chr. eine weitläufige Beschreibung des Diners bringt, welches der König und die Königin der Belgier, der Prinz und die Prinzessin v. Wales, der Herzog von Edinburgh und 160 Mitglieder der Ministerien (des abgetretenen und gegenwärtigen) und der hohen Aristokratie, Gesandte u. s. w. bei dem Lordmayor Sir Phillips einnahmen, und zwar um so mehr als dasselbe nicht in Guildhall, sondern in Mansion House abgehalten wurde, also weniger einen ofsiciellen als einen Privatcharakter hatte. Sir Phillips ist bekanntlich Israelit und zwar ein sehr anhänglicher. Wir heben nur folgende Notizen hervor: Der Lordmayor, die Lady Mayoreß und ihre Tochter, Mstts. Barnet empfingen die hohe Gesellschaft im draning.room. Zu Tische wurde die Königin von dem Lordmayor, die Lady Mayoreß pon dem Könige, die Prinzessin von Wales vom Herzog von Edinburgh und Mstrs. Barnet vom Prinzen eon Wales geführt. An der Tafcl hatte der Lordmayor zu seiner Rechten die Königin, den Prinzen von Wales und Mstrs. Barnet, zu seiner Linken die Lady Mayoreß den König, die Prinzessin von Wales und den Herzog von Edinburgh. Die bedeutendsten Toaste wurden vom Lordmayor und den königlichen Gästen ausgebracht. Durch einen Bericht aus Jasty erfahren wir, was uns bis jetzt unbekannt war, daß in der russischen Kirche sich als ein alter Brauch erhalten hat, zur Beschwörung großer UnglücksfÄle ein Lammopfer zu bringen ^md cs auf dem Altäre zu verbrennen. Als jüngst dieser Brauch zur Abwehr der stark grassircnden Cholera obscrvirt wurde, fielen einige Funken in das hölzerne Sparrwerk der russischen Kirche, bald stand diese in vollen Flammen und fiel selbst als ein Opfer, wenn man will, der Ebolera. Allgemeine Zeitung des Zutenkbums. No. 32. IS66. Inhalt: Leitende Artikel: Die Gleichberechtigung der Juden in Preußen. — Zur Charakteristik des Talmuds.!X. — lieber die Form zur Eingebung einer vollgiltigen Ebe eines jütischen Braglpaares in den östlichen Provinzen des preußischen Staates. - Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Preußen: Bonn, Bon der Weser. Neiße. Oesterreichischer Xaii'erstaat: Au» Böh> men, Wien Neu-Verbaß, Iamnih. Donau ürstenlbümer: Bukarest. Afrika: Capstatt. Abhandlungen verschiedenen Inhalt»: Die Mose-gruppe von Rauch. (Forti.', rtÄ“ Zu beziehen durch jede- Postamt und jede Buchhandlung. Aährlich 3 Thaler, vierteljährlich Tbaler. Verantwortlicher Redakteur I)r. H. Loye. V ria, von S-»«»Lri «er'» BvLbanNovg i» veivüa — Druck von (9. Kreolin z in reivirg. I

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