Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 31 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
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124 -sollst ein Hollenjabr gebieten lieber mich und meine Horden." Und nun werden wir zu Thamar geführt und hören, wie Kain ihr die Geschichte des. Brudermords erzählt, und wie sie, die fromme Tochter, für des Vaters Ver» brechen um des Himmels Gnade und Vergebung betet. — Da, endlich: „Stolzen Ganges, schönen Wuchses. Lieben Angesichts und Grußes" erscheint ein Fremdling. Er wird freundlichst ausgenommen und giebt sich zu erkennen als „Japhet", einen Sobn dessen, den Thamar's Vater erschlagen. — Die holde Jungfrau gewinnt den Jüngling lieb und immer lieber; denn er nur ist's, in dem sie alles Gute und Schöne findet, — er ist's, in dem sie einen Engel Gottes siebt, „wie er den Ureltern im Paradiese erschienen." — Aber auch der „Verführer" bleibt nicht aus. Er zeigt sichrer Jungfrau „mit rabenschwarzen, fledersiesich ihm ergäbe — er ihrer Schönheit„ew'gerJugend gleiches Lächeln" verleihen würde. — Doch Alles prallt ab, Alles ist vergebens; denn Thamar ist wohlgepanzert,— ihr Hämisch ist die engelreine Tugend.— Der Verführer macht einen letzten Versuch; er zeigt sich in Japhets Gestalt. An seinem Blicke jedoch ward er von Thamar erkannt und mit stolzer Verachtung zurückgewiesen. Endlich schließt die Dichtung damit, daß Kam's Tochter aus allen Versuchungen und Verlockungm, siegend hervorgeht, und daß die „Liebe Thamars zu Japhet" und das „glückliche Bündniß" beider die erste Mordschuld versöhnt. — Ob dieser versöhnende Schluß aber auch hinreichend ist, mit der Dichtung selber uns zu „versöhnen", laffen wir dahingestellt. mausgerippten Flügeln" und giebt ihr Proben seiner! Änekdstten „höllischen Dialektik," die — stellenweise wenigstens — an Goeche's „Mephisto" erinnem. Mit reichem Aufwande . Ein jüdischer Geschäftsmann der sich nicht gerade von Pathos dm „Genuß der irdischen Freuden" predi- I durch Witz und Unterhaltungsgabe auszeichnete, feierte gcnd. verhöhnt er die Unsterblichkeit als ein „ab- \ seine goldene Hochzeit. Am andern Tage erzählte er geschmackles, langweiliges Ding", die Unsterblichkeit, 1 einem Bekannten: „Wie bin ich gestern überrascht worden! welche Thamar, mit allm ihr zu Gebote stehenden Mit- ■ Meine ganze Familie war zusammen. Alles war bekränzt, teln gegen den Feind ankämpfend, für sich und Japhet) \ und auf einem Transparente stand LANGE WEILE UNTER in Anspruch nimmt. — „Jezer Hora" hält einen langen uns!" poetischen Sermon, in welchem er zu deduciren sich bemüht. daß Gott, der Herr, nur „weil die Einsamkeit — ihn ekelte," nur „weil die Langeweile er tödtm j wollte " die Welt geschaffen — und in-ihr die Menschen. , „Du mußt mir jetzt die acht Thaler bezablen, die cm buntes Sp.elwerk nur semer Unterbaltung." Er Du mir schuldig bist. In jetzigen schweren Zeiten hat babe thnen, dm Mmschen namlrck, fünf Srnne gegehaar Geld den doppelten Werth'." sagte Einer zu seinem ben. aber. Nachbar. „Nun gut, antwortete der Gemahnte, hier : „Nickt dm sechsten, der des Werdens ' hast Du vier Thaler; hat das Geld jetzt doppeltm Und Bestehens Urgesetze Werth, bin ich Dir nichts mehr schuldig." Offenbart im Weltgeheimniß." I Diese Kmntniß sei ein Räthsel, zu welchem der „Schlüssel" nur erlangt werden, könne, wenn dem „Jezer Hora" man ganz sich ergebe „mit Liebe und mit Vertrauen." Doch Thamar ist „bibelfest", und heldmmüthig widersteht sie allm Argummtationen, in denen der „gefallene Engel" sich erschöpft, trotzt sie all dm Verlockungen, mit welchen dieser auf sie eindringt. — Aber er läßt nicht nach. Sein Wort, fein Schwur muß ja gelöst werden. Er führt sie zur Schwester Thirza, die ein holdes Knäblein koset, führt sie in eine Hohle, überreich an Schätzen, die er ihr verheißet, und führt sie mdlich zu seiner Mutter Lilith, der reizmden Königin des unterirdischm Zauberreiches. Hier läßt der Dichter eine schwungvolle Schilderung folgm vom Fem,-Palaste der Lilith und ihren eigenen wundervollen Reizen. „Jezer Hora" redet zu Thamar wieder mit vielem Feuer leidmschaftlicher Begeisterung und schließt mdlich damit, daß wenn Vor Kurzem, erzählt man, waren die Herren von Rothschild und Pereira zusammen. Der Letztere klagte gewaltig und sagte: „Es sind schlimme Zeiten, Herr Baron; am Ende müssen wir Beide auch noch schnorren gehen!" Rothschild antwortete: „So —und bei wem?" Allgemeine Zeitung des Judentbums. No. 30. 1866 Inhalt: Leitende Artikel: Zur Lbarakteristil dcS Talmud. VH. — Die protestantischen BekehrungSgekellschafren H. Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Preußen: Berlin Bonn. Donaufürstentbümek: Bukarest. Holland: Haag. Großb ri'ka ni en: London. SS* Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich yA Thaler. Verantwortlicher Redacteur Dr. H. «Jptjt. ocr B»R»zSrtNer'» BuSbRRdlci!, in Bdcii« — Sn:4 vor <9. areysiuz in eeivrig.