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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 31 (1866) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
31 (1866)
Date
1866-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches BolkSblatt. Zur Belehrung und Anterhaltung aut jüdischem ^eüiele. Herausgearben von Rabbiner Dr. Ludwig Phili-Pson in Bonin. . ... . r\ n i> Wph MHer .Hritf*rift erfAdnr irtActttltA ein» Rum»er. Pr«» de« rSlf f| .{1 1 Nhn I Rang« i Zbti. -iHicmli&bng 7 Wg*. «ve K»chda»dl»«gr». Po I L*'1*'» Ul. auwu*j une 3eitiing««irebilip»fa »eb»e» tJeftfUnm**». Habr imtt * [13. Jahr$. 3. Quartal. Gespräche. In einem lieblich umwachsenen Pavillon, auf einer Höhe von anmuthigen Gartenanlagen umgeben, dicht am Ufer eines breit hinströmenden Flusses saß eine kleine Gesellschaft von Freunden mit ihren Damen zusammen. Rach längerem Regenwetter war ein glänzender Julitag über 'Ne^Lrde gegangen. Die erfrischte Natur bot ihre üppigsten Reize bar. Die Pflanzenwelt hatte sich in neuer Kraft und Fülle aufgerichtet, und wenn sie auch nicht mehr das leuchtende Grün des Frühlings zeigte, so war doch an desien Stelle das tiefe, schattige Grün kräftigen Sommerlebens getreten; statt der Blüthen schimmerten die reifenden Früchte aus der Laube, eine nahe Erfüllung statt einer lächelnden Hoffnung der Zukunft. Es war ein gesegnetes Jahr. Die Saaten standen bereits in vollen Garben abgemäht auf den Feldern oder winkten mit schweren Halmen in dichtester Menge der Sense des Schnitters zu; die Zweige der Obstbäume mußten gestützt werden, so reich waren sie beladen; an den Weinstöcken hingen mehr Trauben als Blätter. Jetzt hatte ein lauwarmer Abend dm Platz der Tageshitze eingenommm; ein frischer Luftzug flüsterte durch die Wipfel der Bäume; ein wolkenloser Nachthimmel wölbte sich über die Erde; sanft glänzend stieg der Mond in Südost herauf und erhellte Himmel und Erde mit wohlthuendem Lichte; hier und da traten die Sterne funkelnd hervor. Non den Freunden warm die großen, bedeutmdm Tagesereigniffe bereits durchsprochen, und all das Bangen und Zweifeln, das Mitleid und die Erregung ließen sie übereinkommm, die Politik fallen zu laffm, und sich anderen Gegenständm zuzuwenden. So sehr auch der moderne Mmsch durch das erwachte politische Bewußtsein, durch den gesteigerten Bürger- und Gemeinfinn, durch die mge Verbindung aller Verhältniffe mit dem Gang des politischm Lebens dahin neigt, sich vorzugsweise mit dem letzteren zu beschästigm: so giebt es doch Situationen , wo man sich auf Stunden, welche der Erholung und ruhiger Beschaulichkeit gewidmet sein sollen, willig von ihm abkehrt. Die Leidmschastlichkeit, die sich daran knüpft, genirt zuletzt; die Fruchtlosigkeit aller Combinationen gegm dm ehemen Gang! des Krieges und die verschlungenm Wege der Diplomatie, die Ucberzeugung, daß doch nur ein geringer Theil gehegter und nach unserm Dafürhaltm gerechter Hoffnungm und Erwartungm erfüllt würde und das, was Nachkommen wird, wmig dm unermeßlichen Opfern entsprechm möge, die gefordert und gebracht Worbes, mdlich der Widerspruch, der hier oft zwischen den liebsten und sonst übereinstimmendsten Freunden sich kundtbut, führm dahin, diesen Gegenstand der Unterhaltung lieber fallen zu laffm. Also hatte sich Ernst vemehmm laffm und allseitig« Zustimmung gefunden. „Du hast Recht, hob Eduard an, und wir Alle fühlm wohl das Bedürfnis an einem so herrlichen Abend, in so schöner Umge mng und liebem Kreise an ändere Dinge zu dmkm, a s an die blutigm Schlachtfelder und die diplomatischm «iabinett» Mit ihren unumgänglichm Anhängseln, den j ammerersWm Lazarethm und dm wortkampferfülltm; lammern. Aber ernste Zeitm laffm auch nur ernste Ge ramm in der^Seele aufkommm, und vergebms sucht mau nach Scherz und leichter Rede, wo Herz und Geist voll und schwer find. Da■ sind eS ge-- wiffe Fragen, die sich dem fühlendem, und denkenden \ Menschen immer von Nmem aufdrängm.. Wie Himmel und Erde vom Standpunkte der letzterm aus concmttische Kreise sind, so erheben sich im -Gefolge schwerer Geschicke und folgenreicher Ereignisse auf der Erde die höheren Fragen vor dem Geiste, nicht blos nach der tieferm Bedeutung und dem Zwecke dessen, was eben geschehen und geschieht, sondern Inach dem Jrchalt des ganzm Weltgangs, nach den Motivm und Zweckm, nach dm bewegmdm und leitenden Hräftm und Gedankm der allgemeinm Menschengeschrchte, und es werdm wohl emstere Menschen jetzt kaum zusammen kommen, daß sie nicht hierauf zu sprechen kämm." I .,Bei aller Klarheit Ihrer Worte, lieber Oheim, wandte eine junge, liebenswürdige Dame ein, möchte ich Sie doch bittm, einig Geschlechte zu hak Nachsicht mit uns vom schwächerm m, mit mir wenigsten-, und uns zu sagm, was für hö |ctc Fragen Sie hiermit meinm." „DaS will ich Wohl, erwiderte lächelnd Eduard, obgleich ich fast vermuthe, daß Du, lieb« Nichte, damit von feme her versuchen willst, mir einige Schwächm in meiner Auseinandersetzung abzugewmnm. Doch ich erkläre im BorauS, haß sich dergleichen genügmd vorsindm werdm. Wmn ich religiöse Gegmstände in Bettacht ziehe, so macht es mich immer höchst unruhig, so vielm Widerspruch und Zwiespalt -wischen der Lehre und dem Leben zu finden. Mit inniger Gläubigkeit erfasse ich diese und jme Grundanschauung der Religion, und sehe ich mich dann in der WirNichknt um, so bringt mir die Erfahrung, die einfache Beobachtung eine Mmge Bei-

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