Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 30 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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120 “3? Wie alles Volk unwillig sprach: Vas will der falsche Seher? Er weckt ja nur zu unsrer Schmach' Den Spott der Jdumäer. Von unserm nahen Untergang Hört man ihn singend klagen, Wie darf er nur so frechen Sang Vor unfern Ohren wagen! , Die Lilie, der die Rose nichl > deü Preis entzieht, Jerusalems ''Die 'Nachtigall, die flötend spricht ' den Liebensgruß, Jerusalem! '■ Die Palme, die dem Pilger nicht den Schutz verwehrt, Jerusalem Die Hinde, die so fromm und schlicht den Menschen liebt, Jerusalem! Das Eiland, dem ein Ouell entbricht den Dürstenden, Jerusalem! Und kommt er nicht im Bettlerkleid So stolz einhergegangen,' Als ob mit ihm die Welt, die Zeit Zuerst hätt' angefangen. So sprachen sie, Jeremias; . Dü mußtest es ertragen, Daß sie statt Liebe tranken Haß Aus deinen tiefen Klagen. Jeremias, ich Wie du verhöhnt, verlasien Zeinen Klagen zogst allein TurcvTalems stolze Gaffen. Der Regenbogen, der verspricht den Jriedensbund, Jerusalem! Die Taube, die den Oelzweig bricht * den Hoffenden, Jerusalem! O hag. den Kamp» um dich, wer ficht den, thu ich's nicht, Jerusalem! L sag, den Sang an dich, wer dicht'! den, thu ich's nicht, Jerusalem! Nach dir wird mich die Nachwelt richten, nach dir, o mein Jerusalem! Mein Name wird sich nicht verfluchten, ->-- er haftet an Jerusalem! Wenn sie dem Enkel treu berichten, was ich dir sang, Jerusalem! schlingt^- den Kranz, den lorbeerdichten um's Haupt mir. mein Jerusalem! * Jerusalem. Der Brunnen, draus ich schöpf'»inein Dichten, bleibst du mir stets, Jerusalem! Ich laß mich gern dazu verpflichten zu fingen dich, Jerusalem! Das Echo-rufet aus dem dichten ' * Gestein mir zu. Jerusalem! Die Welle strahlt mir in dem lichten Azur dein Bild. Jerusalem! Der Rabbi lehrt im Buch der Pflichten: „Im Osten liegt Jerusalem! Richt> willst' du dein Gebet verrichten, mein Sohn, dich gen Jerusalem! Schwing frei von irdischen Gewichten. o Geist, dich nach Jerusalem! Entseßle dich des Stoffs, des dichten, und fliege nach Jerusalem! Wie könnt' ich Alles treu bericht?»^ was du mir singst, Jerusalem! Nicht in Geschichten, noch Gedichten erschöpf'^ich dich, Jerusalem! Tu gleichst dem Stern der Nacht, dem lichten,' am Horizont, Jerusalem! . Stets muß sich die Buffole richten des Geistes, nach Jerusalem! Mein Sinnen. Denken, Trachten, Dichten bist du allein, Jerusalem! Du bist die Rose, die im lichten - Morgen erglänzt, Jerusalem! " Kuriosum. Der „Hnimvasser" erzählt, daß jüngst ein russischer Soldat jüdischen Glaubens in einem polnischen Dorse verweilte, der. wer weiß wieso? einen sehr hübschen Ring am Finger trug. Die junge Tochter eines nach dortigen Verhältnissen reichen Juden bezeugte ihr Wohlgefallen an dem Ring im Gespräche mit dem Soldaten, und dieser fragte sie, ob sie den Ring von ihm annehmen wolle. Das Mädchen sagte ja, und sofort steckte der Soldat in Gegenwart Anderer den Ring dem Mädchen an den Finger und sprach dabei n-s-ipa n« Nun große Noth. Der Soldat beansprucht das Mädchen als seine Frau und will sich auf eine Scheidung nicht einlaffen. wenn ihm nicht 4.000 Rubel als Reugeld bezahlt werden. Tie Sache schwebt noch, wird aber wohl zu Gunsten des Soldaten entschieden werden müssen. Allgemeine Zeitung bt» JudenlhumS. No. 29. 18 6, 3nball: keilende Artikel: Der plaronifche und der moiaiscbe Staat. — Jean Botin Schluß). — Literarischer Wochen, berichr. Zeitungsnachrichten: Deutschland: München, Lon der Donau. Preußen: BreSlau, Rheda. Goch. Oester rei chi sch er Kaiserfta a t: Aus Böhmen. Schweiz: Endingen. Do n ausürsten lbüm e r: Jaffv, Bukarest. Rußland: Kien-. Palästina: Jerusalem. ISST Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung Jäbrlilb l» Tbaler. vierleljäbrlich ‘i Tbaler. Verantwortlicher Redacieur I)r. H. VoQe- «erlag uon Baumgärtuer's Buchhandlung ia eeiong — Druck G. ckreoNag ,tt ^cior»g.