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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 30 (1866) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
30 (1866)
Date
1866-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Zur -ßeleQrunq uni) 21 nter(jaft 11 nq auf jüöischemXllebiele. HerauSgegeben von Rabbiner Or. Ludwig PbiliP-soo in Bonn. .... r«vv dieicr ZntiLrikr eriteiol wochenili» A», R»m«er. Prei« dr« J«dr. r. ,v t . . , )0 loOli.s S>«rs« 1 Tvtr. *<ierteliäbriiLjV Ngr. «nt «uSba-dl,»gtn. Po«iä«,tr I Z. Zillukü. »I OllürttU L •*' * J u»6 ^ntnag*t;peFmpne« »ebnen SefteDnageB ab. L * S * “ V Ei» anglikanischn Iiidenuiissioniir. X^ In dem Buche des Freiherrn Maltzan „Drei Jahre im Rordwesten von Afrika" (186^. Bd. 111. S. 274 ff.) > wird folgendes ergötzliches Geschichtchen zur Charakterisirung der Judenmissionäre mitgetheilt, das wir hier wörtlich wiedergeben, wenn der Bers. auch hinlänglich in seiner ' Darstellungsweise seine junkerartige Gesinnung gegen die Juden erweist. „Die Gesellschaft an Bord (seil, auf einer Fahrt von; Cran nach Tanger) bestand handgreisliäerweise ohngefähr aus denselben Elementen, wie die Einwohnerschaft von Oran, nur, daß hier womöglich die Juden, dieses handelnde und vielreisende Volk, noch etwas mehr vorherrschten. Freund Schmuhl hatte den zweiten Platz und das äußerste Vorderdeck, welches euphemistisch „dritter Platz" betitelt war, fast ausschließlich inne. Mein Kojennachbar war ein sechzigjähriger jüdischer Millionär aus Oran, den drei klug berechnete Bankerotte in den Besitz eines sehr großen Vermögens gebracht hatten. Dieser Biedermann war ein so strenger und frommer Befolger des mosaischen Gesetzes, daß er für die beinahe dreitägige Reise alle Röthigen Lebensmitel in einer großen hölzernen Lade mit sich führte, um ja nichts von dem unheiligen Restaurateur Zubereitetes effen zu müssen. Alles, was er zu sich nahm, war koscher, vom Wein bis zum Brode, ja er trank nicht einmal aus der Küche des Wirthes Kaffee, sondern bereitete ihn in einer kleinen mitgebrachten Maschineselbst. Als eine bittere Pille für die Söhne Israels, hatte sich auf dem Dampfschiff ein englischer Geistliches eingefunden, der zwar anfangs seht harmlos aussah, aber sich bald in seiner wahren Eigenschaft entpuppte, nämlich als ein höchst eifriger, bekehrungssüchtigcr Judenmissionar. Er war von der Londoner „doeielv kor ibe propsgstion of Hie Gospel smongsl ide öervr" ausgesandt worden^ und ließ keine Gelegenheit unbenutzt, um seinem Mandat, Juden zu bekehren, nachzukommen: mit welchem Erfolge, davon möge eine an Bord fiattgehabte Scene ein Beispiel liefern. Kaum war der Missionar auf dem Schiffe angekommen, als er ein Gespräch mit einigen der jüdischen Honoratioren des zweiten Platzes anknüpfte, welches anfangs auf freundlichem Fuße sich zu entwickeln schien. Eine Zeit lang verlief es eben, wie ein lieblich rauschendes Bächlein über glatte Wiesen dahinfließt. Einen baldigen Wendepunkt bereitete jedoch der Umstand vor, daß der Missionär im Laufe des Gesprächs eine etwas verdächtige Vertrautheit mit dem Judenthun^e Freund Schmuhl mi gen wurde, ob eri meiner Ueberraschunj, bejahte der „Reverend" diese an den Tag legte und dafür von der unvermeidlichen Frage angegannicht etwa selbst ein Jude sei., Zu Freilich wurde bald „Jude" einen ander, Sinn unterlegte, als die Kinder Israels. Hr sagte z. ein wahrer Israelit nen Glauben theilt hams Kennen; die klar, daß der Engländer dem B. mit biblischer Salbung: „Ich bin und Ihr seid falsche. Nur wer meidarf sich einen wahren Sohn Abrahn aber lücht theilen, sind nicht seine echten Kinder, ,sogp^rn nur Bastarde u. s. w." Letzteres Wort mißfiel j dieses arabischen Juden sehr, welche gedeffen figürliche, rein ^geistige Bedeutung, sondern lediglich seii o alltägliche, in Mrscher es im , Orient als gemeines Schin pfwort verpönt ist, ms Auge zu faffen. Aber trotzdem i ahmen sie sich noch zusammen i und verschluckten «e Bele )igung. Als jedoch nun der Missionar anfing, aus dem alten Testament Stelle auf Stelle. Weissagung auf Weissagung auszukramen und ^ll' seine Beweise und Gründe in geordneten Schlachtrethen zum Angriff auf das eingefleischte' Judenthum-auffühne und Freund Schmuhl, nlcht auf so ernste Feindseligkeiten vorbereitet, oft mit schlagenden Gegenbeweisen zurückmieb, da fing der Zorn Israels an zu steifen und einige Worte fielen, die dem Missionar keineswegs angenehm ins Ohr geklungen babtti mögen. So' wurde das in Disputation ausgeartete Gespräch allmälig zu einem fahren Streit, der vielleicht mit diesen hitzköpfigen orientalischen Juden, die weit entfernt sind, jede Beleidigung zeduldig hinzunehmen, am Ende noch mit Prügeln für den unwillkommenen Bekehrer hätte, wäre Letzterer nicht glücklicherweise durch die Anzeige j des Kellners, daß Iber von ihm bestellte Thee^reit stünde, abgerufen wordem So endete die erste Phase dieses unfruchtbaren Relmionsgczanks, um bei nächster Gelegenheit eine zweite zur Folge zu haben. Ich benutzte diese Zeit^ um ans Land zu steigen. Wer dasselbe that, das wmr unser Judenmisfionar, der am Morgen unsres ^weitep Reisetages seit Oran mit den unbelehrbaren Kindern /Israels einen neuen Streit begonnen hatte, welcher sich am Lande weiter entwickeln sollte. Jetzt war nämlich die Disputation so weit gediehen, daß alles Recht oder Unrecht an dem Buchstaben eines Bibeltextes zu hängin schien, und da keiner der streitenden Tbeile eine vollstc ndige hebräische Aufgabe «des alten Testamentes mit siij führte, so eilte der gRze zankende Schwarm in Dsck ema Rbasuat ans Land und zwar ins '/

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