Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 29 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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116 Da wandte sich der Führer zu. dem Jüngling. ' Dieses blickte staunend auf die Veränderung, die mit dem Manne vorgegangen. Sein Antlitz leuchtete, sein Gesicht war - von Glanz umgeben, und die Verklärung der Milde und derWeisbeit schwebte um seinen Mund. Er sprach: „Du hast Recht, Jüngling,wenn sich Dein Herz gegen Dqs auslehnte. was Du gesehen. Aber höher ist die Weisheit, nicht vorschnell zu urtheilen, und da zu schweigen, wo man die Gründe und Ursachen der Ereignisse nicht zu fassen vermag. Da Du in das Leben hinauszuziehen gedachtest, bin ich ausgegangen. Dich zu leiten und Dir die große Lehre der allwaltenden Vorsehung Gottes einzuprägen. Wisse, der goldene Lecher, den Du mich nehmen sähest, war von den Feinden des Schloßherrn vergiftet. Längst bar er jetzt den Verlust des Kleinods verschmerzt, und das Leben genießt er noch und wendet es zum Segen seiner Mitmenschen an. Wisse, der/Knabe, den Du im Strome ertrinken fährst, wäre ein böser, frevelhafter Jüngling geworden, d^-r von Leidenschaft getrieben, Schande und 'Roth auf das Haupt des redlichen Bürgers, seines Vaters gebracht, und zuletzt die Hand an diesen selbst gelegt hätte. Jetzt beklagt dieser den von den Wellen verschlungenen Sohn; aber um wie viel größer und bitterir wären sein Schmerz und seine Trauer gewesen, um wie (ci tiefer sein Herz ' zerrissen worden, wenn er all' die Schande und das Verderben seines Sohnes erlebt . hätte. Wisse, unter dem Hause des Bauern ist ein Schatz verborgen, den ein Vorfahr dieses redlichen Menschen in der Zeit des Krieges vergraben hat. Wie groß auch jetzt sein Kummer: bald wird er Hand anlegen, die Trümmer hinwegzuschassen, und dann wird er auf den verborgenen Reichthum stoßen, der ihm ein stattliches Haus und reich bestandene Fluren verschaffen wird. Dies sind die Wege' der göttlichen Vorsehung. Du verstehst -nicht, was vor Deinen Augen vorgcht -rso harre aus, bis das Ziel ersichtlich worden. Dies lerne und begreife, und erhalte den Geist des Wahren und Guten in Dir, damit Du gesegnet seiest!" Unter dieser Rede barte die Gestalt des Mannes sich in immer mehr Licht gewandelt, und als er geendet, war er verschwunden, und leichte Wölkchen stiegen langsam zum Himmel hinan. Der Jüngling wußte jetzt, wer sein Führer gewesen, ein Engel aus den Höhen des Lichtes. Raphael. Er sank nieder auf die>Kniee und bei dem hellen Glanze des Morgenrorhes betete er Gott an, .dessen Werke, verstanden vom Menschen oder nicht, die Schöpfungen der Liebe und der Weisheit sind. em stand der von der Judenversammlung stets nur auf Jahr gewählte Judenbischof (Rabbi), der in seinm Amtsgeschäften von einem Capitel, auch Magistrat "Beth Din) genannt, unterstützt wurde. Für christliche Ausfertigungen war ein eigener Judenschreiber angestellt. Als Amtswohnung wurde dem Judenbischof am Ende des 12. Jahrhunderts das Spielhaus, das auch wohl zum Gemeindehause diente, zugewiesen. Der Bischof hatte außer der Leitung der gottesdienstlichen Handlungen die Entscheidung der vor ihn gehörigen Rechtsfragen. Es waren dies die Streitigkeiten der Juden untereinander," sowie alle Ansprüche, welche Christen gegen Juden „von Schaden, von Schuld, von Kost und von Speise" erhoben. Der Bischof mußte sich hierbei an den Ausspruch der Majorität des Capitels binden und dieser „Uriheilsweisung" gemäß erfolgte der Rechtsspruch nach Judenrecht, „wie es von Alters hergebracht." Diebstahl, Falsum. körperliche Verletzung, Ehebruch, Aufruhr und ähnliche Dinge durften nicht in der Judenschule, sondern mußten von dem Grafen oder bischöflichen Sssicial abgeurtheilt werden. Weder die ganze Judengemeinde noch ein einzelnes Mitglied durfte für die Vergehen oder Verbrechen eines andern Juden verantwortlich gemacht werden. Mit dem Ausspruch desJudenbischofs konnte man seit Anfang des 14. Jahrhunderts an den engen Rath appelliren. Der Jude, welcher sich der Entscheidung dieser Behörde nicht unterwerfen wollte, galt als „rebellisch", verlor die Mitgliedschaft der Gemeinde, und es wurde ihm hierdurch der Friede der Stadt und des Erzbischofs entzogen. Gleicherweise wurde derjenigelder Stadt verwiesen, welcher sich weigerte, für die einem seiner Mitjuden angethane Beleidigung die gebührende Genugthuung zu leisten; solche Weigerung zog ihm den großen Bann der Juden zu. Unter Strafe von hundert Mark für die Stadtkasse mußte solche Genugthuung im Verlauf von acht Tagen geleistet werden. Wurde sie nicht geleistet, so mußte der Bischof mit dem Capitel dem Rebellen den Frieden kündigen, und mit Weib, Kind und fahrender Habe mußte dieser die Stadt verlassen. 'Den größten Zuwachs erhielt die Cölner Gemeinde im 14. Jahrhundert. Um die Mitte deszwölften Jahrhunderts bestand did^ganze Gemeinde aus achtzehn bis zwanzig Familien. Der Reichste unter ihnen war ein gewisftr Salomon. Er kaufte das vom Juden Isaak erbaute Haus bei der jetzigen Rathskapelle; später erwarb er das daneben liegende gegenüber der äomua, in qua cives conveniuQt (Rathhaus, ein drittes Haus erstand ervonKonrad dem Kämmerer. Außerdem kamen noch drei andere Judenhäuser in leinen Besitz. Innere Bcrhältniffe der Juden in Köln im Mittelalter. - 'Nach Eimen. Geschichte von Lola. An der Spitze dieser im Mittelalter ziemlich bedeutenden; Gemeinde, welche ein eigenes Gemeindefiegel, einen gemeinschaftlichen Brunnen, ein Hosspital und ein Spiel- oder Tanzhaus. eine Synagoge, ein Fraueßbad und einenFriedhof hatte, Allgemeine Zeitung de« Zudenkbums. No. 28. 18<jö Inhalt: Lei cende Artikel: Die protestantischen Belebrungsgeiellschaften Schluß).— Jean Bodin. — Zerstreute Bemerkungen. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Ludwig-Hafen. Preußen: Berlin, Wongrowiec. OesterreichisLerKaiserstaa t: Wim, Prag. Schwei;: Endingen. F ran kr ei ch:PariS. Italien: Aus Italien.Rußland: Warschau- Tunis :Tunis. Palästina: Jerusalem. Nordamerika: Rew-Aork. Lorrespo ade uz: Amerikanische Briefe. Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchbanklung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich y Shaker- Verantwortlicher Redaeteür Dr. H. Lotze Verlag »er Ba»«-artaer'S Lachb«itlurg in Leippg — Truck von 9. AteQfing Ir 9ei9)if.