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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 28 (1866) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
28 (1866)
Date
1866-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur -föeleQrunq unD lliUeröaftung afuf jüdischem Heüieke? Herausgegeben von Rabbiner Or. Ludwig Philipps» in Bonn. [9to , «->/./■ .. «ob dieier Aeiilcbri«, crMniit wecbentliL eint «ummet. Preis £>e*..3abf r . .. .. . , , . löOU* «ans« i Tdlr. JtUemijäbrifl 7 -4 «gr. «ve vnchdnn Iun,«u. Poslä»ier I I JiLNrü .» VUAftttt « »«x. . „HB ttniutiaUrrerbitirn/n n.hm.n WHt.fluUien «n. ' L1 w* ** * <^«mnw». uni Heiluagservebilicnea nehmen vekeilrül S Eine merkwürdige Berhandlnng im Talmud. Es ist bekannt, daß unter dem Könige Herodes zwei ausgezeichnet« Lehrer unsrer Religion in Jerusalem neben einander lebten und wirkten, Hillel (geb. um 75 vor d. gew. Zeitr,) und S chamm>al. ^Beide gründeten große Lehrhäuser, die nach ihnen die Schule (eigentlich das Haus) Hillel's und di« Schule Schammai'S genannt wurden und auch nach ihrem Tobe fortdestanden. Schon zwischen den beiden Gründern fand eine außerordentlich« Verschieden' heit statt, die sich in der ganzen Richtung und dann auch in unzähligen einzelnen Entscheidungen ausprägte, wie z. 83. die Mischna im Abschn. öeraclioti, Kap. 8 aufführt. Hillel war seinem Charakter nach sanflmüthig, bescheiden, duldsam, und suchte daher bei strengster Gewissenhaftigkeit die Gesetzespraxis möglichst zu erleichtern. Schammai hin« gegen war von strenger düsterer Gemülhsart, hochstptinlick in der Auslegung des Gesetzes und verschärfte daher dieses ln steigender Weise. Kür Hillel war der Mittelpunkt der ganzen Lehr« die Menschenliebe, für Schammai das Studium d«S Gesetzes selbst, dem er im Leben jedes Israeliten die hervorragende Stelle gegeben haben wollte. Wir wissen wenig von den Lebensverhältnissen Schammai'S, und er, wähnen daher zur Charakterisirung zweier im Talmud unS mitgetheilten Anekdoten von ihm. Er wollt« durchaus, daß sein noch unmündiges (noch nicht 13 Jahre altes) Söhnchen den ganzen Versöhnungstag durchfaste, und gab nur den eindringlichsten Vorstellungen feiner Freunde über die Schwächlichkeit jenes nach. Als seine Schwiegertochter eben ihm einen Enkel geschenkt, hob er die Decke des Zimmers ab, in weichem bi« Wöchnerin lag, da gerade das Laudhüttenfest einfiel, damit sein neugeborener Enkel das Gebot drS Festes erfülle. Zwischen den Schulen beider großen Lehrer fanden denn auch die vielfachsten Sreitigkeit»n statt, die jedoch, zum Theil durch die Nachgiebigkeit dec Hklleliten, keine Spaltung oder thatsächliche Reiduugen zur Folge harren, was gewiß dem Jubenthume zur Ehre wie zum Heil« gereichte. Wir sehen hier das mertwücdtge Schauspiel, daß theoretisch beide AuSlegungsartea und Entscheidungen für berechtigt «tklärt, in der Praxis aber biS auf wenige die der Schule Hillelvorgezvgr» wurden^ Wer die Vorgänge in andern Religionen und Kirche« auf Grund solcher Gegensätze kennt, wird dies in hohem Grade bewundern. ES lag darin die freie Bewegung de« Geistes auf dem theoretischen und di« feste Geltung des einmal Angenommenen auf dem praktischen Gebiete. Hierüber haben wir nun eine höchst beachten-werthe und eigen tümliche. Stelle im Talmud Grubia 13, 2. Es wird das ldst berichtet: drei Jahre stritten die Schul« Schammc i's und Hillel's über die Geltung ihrer Ges,tzeSausiegung, bis «ine Stimme von Oben entschied: diese und jene sind Worte des lebendigen Gottes, aber die Oe setzeSauslegung nach der Schule von Hillel soll gelten, und als Moli» wird die sittliche Haltung der Hillelitrn angegeben, weil: „Jeden, der sich erniedrigt, Gott erhöht, und wer sich erhöht, Gott erniedrigt; wer nach Größe jagt, den flieht sie,,wer sie flieht, den sucht sie auf; wer noch Glül eifert, dem entgeht es, und wer sich^m entzieht, bei dem 'verharrt es." ES wird hiermit der erhabene Gedanke msgesprochen, baß auch die begründetste Ledre nur dann würdig ist,.unter den Menschen verbreitet zu werden, w hui ihr Mittelpunkt wahre Sittlichkeit und Demuth und diese das Motiv sind, aus welchem sie in dem Begründer »ervorgingen. Wenigstens wird dies also al« Grundsatz des Judenthums hingestellt und findet in dem Gottesmaan Mose« sein Vorbild. Nun beißt es an der angeführten Stell, d^ Talmuds weiter: »Zweieinhalb Jahre stritten sich die Schulen Schammai'S und Hillel's, die einen Aachen: Ks «8re besser für den Menschen gewesen, daß tt^nichr ersibaffen als baß t erschaffen worden; und die andern sprachen: Es ist de ser für den Menschen, daß er «schaffen worden, als > daß er nicht erschaffen worden wäre. 'Zuletzt wurden ^>e Stimmen gezählt und die Mehrheit entschied sici, daß es besser für den Menschen gewesen, daß er ni ht erschaffen worden, als daß er erschaffen^worden; jetzt aber da er geschaffen, sei er überaus sorgfältig in seinen Hc ndlungen."^) Alles an dieser Mittbeilung ist auffällig. Daß sich die beiden Schulen über eine solch« Frage stritten, daß sie so lange Zeit hindurch sich darüber stritten, daß sie dirielbe bunt Stimmenabgabe und SrimmeoZählung entschieden und am meisten, wie sie dieselbe entschieden. Jnb.ä werben u >s einige Punkte verständlich,. wenn man das Borhergeh nde vergleicht. Oie ganze Mitthrilung soll uns offenbar i ihren, daß die Streitfragen zwischen den beiden Schulen fch nicht blos auf die HaUacha beschränkten, sondern daß sie sich metaphysische Fragen in das Bereich ihrer Diskussionen zogen, und wenn wir über die letzteren Gegenständ« und Ergebnisse keine weitere Nachricht haben, p|o*&a rtb "nofin rws»»a wvtvv', vorsichtig, daß er nicht fündige» aber, wenn er zeit lersuche er seine Handlungen und bestärk« sich in der mek.) *) 1 d. h. er sündigt, u Buße. (A

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