Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 27 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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108 für glaubwürdig dielt. Man sieht daraus, daß sich die biedern Deggendorf« die freie Verfügung über ihren Stoff immer Vorbehalten haben. 3Ö nun aber dadurch der Rest der Sage verlässiger geworden? Könnte nicht ein schöner Morgen andrechen, wo sich unsre dortigen Mitbürger auch un§«< fangen über den Rest hinwegletzten? Wenn dieser Rest sich dis jetzt in Ehren erhalten, so ist die< wohl aveoiger einem supernaturalistischen Einfluß, als vielmehr den Deggendorfer Garkochen und Wirthen zujuschrerdeo, welche die fünfzig, lausend. Wallfahrer, die jede- Jahr bei Dünnbier und .Gurkensalat ihr« Andacht pflegen, nicht gern entbehren möchten. Ader, kann man sagen, was in Deggendorf zweifelhaft blieb, ist ja doch an'vielen Orten erwiesen worden! Allerdings, aber nur durch gemarterte Juden. * Berbienen diese Aussagen mehr Klauben, alö die Geständnisse jenzr gefolr terren Hexen, welche ebenfalls bekannten daß sie^auf dem Besenstiel zum Blocksberg geritten seien, dort in den Lüften getanzt und mit dem Teufel Concudium getrieben haben - In jenen unmenschlichen Zeiten war die Folter ja immer die verlässig« Wünschelrurhe, welche jeden Ausbund des Unsinn-, das Entsetzlichste >nb Scheußlichste, woran kein Menschenderz je gedacht, ans Tageslicht zu bringen wußte. Wenn man aber behaupten wollte, daß wir in Er» mangluno eines bessern jedes beliebige wandelbare Wallfahrk»märch«n glauben sollen, dlos darum weil es viele * andere auch schon geglaubt, so, würbe dieser Satz f-lgerechterweise' auch wieder zu dem Glauben an die ebendemelveten Hexen zurückführen. der noch vor 200 Jahren allen gebildeten Völkern gemein war, über welchen zwar auch in Görre's Christlicher Mvstik noch viel schönes und empfehlendes zu lesen, der aber doch, Golk sei Dank, *nd» lich dahin ist. Mit Gegenständen, die zur Änderung aus» gestellt werden. darf man nicht so leichtsinnig und frivol sein, nicht, wie mir vorgeworsen wurde, eigene „Phantasien und Einbildungen als Thatsachen hinstellen!" . - (Forts, folgä) I Kuriosum.; Ein recht verbissener Judenfeind schreibt im Feuilleton der Diener „Presse" aus Frankfurt am Main: > „Inmitten der kriegerischen Bewegungen hat manncklürlich wenig Zeit zu anderen Beobachtungen. Die rderkwürdigste Veränderung, welche ich in Frankfurt gefunden habe, ist in der Jüdengasse vor sich gegangen. Man bat das morsche Millelaltrr in dersewen theilwrise zufammengeriffrn und beabsichtigt, die schwermäthig überhängenden Giebel geravt zu stellen. Die Bewohner der Jüdengasse sind gleichgestellt, auch' ihre Häuser werden emancipirt. Wie klein- und schmal ist der Fleck, auf welchem sich eine große Leidensgeschichte abgespielt hat! Schwarze Hausfluren mir offenen Abzugscanälen, enge Treppen, niedere Zimmer, riefe Hofbauten, Allevon Holz und schlechtem Mauerwerk, überkangende, verbogene Giebel, und unten in der Hausflur und auf den Tbürschwellen jene Gestalten, denen bis i auf die neueste Zeit die Heimath verschlossen und die Fremde j niemals gastlich war. Spiabler'S schöner Roman, „Der ' Jude", an dcm sich manch Anderer ein Exrmpel nehmen! könnt,. ist ein ergreifender Führer in der Frankfurter Ju« benqasse. Heutzutage har man ihn freilich kaum mehr nöthig; die Jüdengasse in Frankfurt ist überall; ein ver» bissen« ßemd der Emanciparlon sagte mir noch gestern: Wir werden nächstens hier eine Christengasse anlegen; müssen." — | Jedes Wort zeigt, wie weh es dem Schreiber in der ' Tief, thut, die Judengasse nickt mehr zu finden wie ehe. ' mal-. Eines nur har er übersehen, daß io der „Jude„, I gasse" in Frankfurt durchaus nicht mehr dlos Juden ,vohn,„! sondern auch Christen. Man hat eben gegenseitig ti^' Bedürfniß getauscht. I Anekdoten.! Ein König, der seinen Vorgänger verdrängt hatte und! nicht sehr beliebt war, befand sich im AuSlanbe in einem! Bade. Man Hane ikm viel von einem witzigen polnischen; Juden erzählt, der sich ebenfalls im Babe befand. Aler ihm! eines Tageauf der Promenade begegnete, ließ er ihn zu > sich herancufen, und sagte: „Ich habe so viel von Eurem I Witz gehört, machet mir auch einmal einen Witz!" —Ich, ' Majestät? —„Za, aber nur dreist." — Nua, Sire, was ist i Ihnen lieber, das Leben oder die Krone- — „Wafür eine ' Frag,." antwortete der Monarch, „ohne Zweifel bas Leben, denn was soll mir die Krone ohne bas Leben-" —„Nun, 1 Sire, Sie haben sich die Krone genommen, warum nehj men Sie sich nicht auch bas Leben-"-Der König I schwieg und hatte genug. Aus Genua schreibt man der A. A. Z.: Hier hat. bas Elend bankerotter Zustände schon mehrmals Unruhen ner, ursackl, und die vielangefeinbeten Wechsler haben seit vor-; gestern ihre Comptoirgänzlich geschlossen. In Betreff dieser Zustände cursirt eine bezeichnende Anekdote über ein Wort des Herrn v. Rothschild. Uls einer unserer Agenten in den Baron drang, eznen Vorschuß zu erlangen, blieb j dieser unerschütterlich. „Aber Si« haben undoch immer : geholfen?" — „Ja."—„Sie haben uns doch vereinigen Tagen Geld geliehen?" — „Das ist wahr." — „Warum! verweigern Sie euns jetzt — „Weil dajüdische G..- . setz verbietet, dem im TodeSkampfe Liegenden Geld zu leih.-n." Allgemeine Zeitung des JudenrhumS. No. 2ülä'iti. 3nbjlt: Leitende Artikel: Rechnung--Abschluß des Inst, zur Fordd. isr. Lit. rc. — Zur Cbarakteristik dcS Talmud. >1. (Fortsetzung.; — Zerstreute BEerkunaen. — Litera, «scher SLochenbcricht — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Ilnlersranken, HllteSbeim, Crivitz, Würzburg. Preußen: Berlin, Aus Wcftphalen. OeHerreichischer «aiserstaar: Pest, Lemberg; Prag. Frankreich: Paris, Bonn, Paris. Schweiz.-Zürich Donaufürstenthümer: Bukarest. Jaffv. Amerika: New« Aork. Correfpo nde n;: Briefe eines Chinesen. Ity Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchbandluug, Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich- Thaler. y Beraniworlllcher Redacteur Dr. H. »on #4umjdTtbct'« «Nchbanvtnng tn rcivüg. — Sruit »c-n <Ä. »rroking in t