Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 25 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. lZur Belehrung und Unterhaltung auf jüdischem Gebiete. Herausgegeben von Rabbiner Di*. Ludwig Philipps» in Bonn. n* i Bo» dieter >Z«N<dri,t erscheiol wöchentlich eine «um»et. Prei» drS Iabr?1ltt ä!) 1 XhU.I »«mg« l rhlr. »ienrljShng 7tf Ngr. »ll« SaÄ&ait laaze», v** * v* “ ' *J jin& Seiiuns«<(9cbitüBen nehmen SeßtOnn jcn an. Prei» drS Iabr« r i •» , .» ,A . , l«»ea. fefttam [J J, ÄUNkg. L HuSrtSl. Der Judenmord zu Deggendorf. L o n Lai d w i g S t e u b. (Auszüglich aus der A. A. Z.)/ (Fortsetzung.) Spanien aber, die damals noch so schöne waldschattige hesperische Halbinsel, sollte dem Volke Göltenunmehr ein zweites Kanaan werde«. Wie zu RegenSburg prahlten auch die Juden zu Toledo, daß sie schon zu Nebukadnezars Zeiten in dieses neue Vaterland eingewandert seien. Einige angesehene Familien, von dem gvthischen Ahnenstolz der Spanier mitgezogen, berühmten sich sogar aus dem königlichen Stamm Davids entsprossen zu seyn. Ja, so hoch fuhren ihre Gedanken, daß sie selbst die Behauptung wagten : die einwandernden Israeliten hätten eine gute Zahl der spanischen Städte gegründet .und ihnen die Namen gegeben , so haß diese nur auS dem Hebräischen zu erklären seyen. Allerdings — solange die westgothischen Könige regierten, halten die Juden wechselnd bald Zuneigung, bald Widerwillen der Herrscher zu erfahren, aber alS die Araber die Säulen des Hercules gefunden, die Schlacht bei LerrS geschlagen (711) und daS Gotdenreich zertrümmert hauen, begegneten sich die Kinder Israels und die Söhne Jsmaels wieder auf den spanischen Hochebenen, erinnerten sich an die alte Wüstenbekanntschaft und schlossen einen neuen Bund, jedoch nicht mehr zu Hülf' und Beistand in blutigen SrammeSfehden, sondern zur Veredlung des Geistes und zur Pflege aller freien Künste. Am meisten und höchsten geachtet aber war bei den Israeliten zu allen Zeiten die Auslegung deS Gesetzes, und es lag daher ganz in. ihrer Art, daß sie zuerst die feinere GotteSgelahrtheit nach der iberischen Halbinsel zu verpflanzen suchten. Als die alten und berühmten Hochschulen zu Sura und Pumbeditha in Babylonien, damals das Oxford und Cambridge der Juden, untergegangen waren, sammelten sich die Weisen in den spanischen Hauptstädten, vor allen in dem prächtigen Cürdova, der größten Stadt des OccidentS, deren Ruhm selbst bis in das sächsische Kloster Gandersheim drang, so baß die gelehrte Aebtissin HroSwilha sie in schwungvollen Deesen besang. Dort errichteten die Juden ihre Schulen, und nahmen die alten heiligen Stu, dien wieder auf. Israel war nämlich von jeher ein buchstabenfreudiges und gelehrtes Volk, zwar nicht arm an originellen Einfällen und Erzeugnissen, aber doch noch viel mehr das Volk der Commentare. Schon der Talmud, der in Jerusalem und Babylon entstand, wollte in seinen beiden 8" als Theilen, AuSlegun i selbst so auf Aeonr auch alSi jedoch eb«> vielmehr die tiefsin zu jenen gestn, zu noch Int Gegenstand der eine Schriften Erläuteru^l. Ein jede, zu schreibe würdig und die mehr St kamen Beispiele gen That Juden a Jene, Judensch, f Spitzfindig heit, aber beständige tigung m der Eifer Volk schlagfertig zutag an Rednern Aber den der Tüchtigke r in den i gingen d was das nämlich Schriftge mit alle» Rifchna und Gemara, eigentlich ein« ergänzende der Heiligen Schrift seyn, aber er zeigte sich i oller Rathsrl, als ob leine Erklärung die Nation / n bin beschäftigen sollte. Demgemäß ließ sich/ ald daS Bedürfnis einer Glosse fühlen, welche falls weit entfernt war alle Zweifel zu verscheuchen, lur die Dunkelheit vermehrte. Und so schrieben ttgen Echriflgelrhrten im Laufe der Jahrhunderte Glossen Commentare, zu den Commentaren Exeden Exegesen Erläuterungen, und endlich au» rpretationen zu diesen Erläuterungen Od der dadurch klarer geworden, blieb aber immer wie- Streitfrage, über welche abermals contradicterifche und zu diesen Glossen. Commentare, Exegesen, gen und Interpretationen verfaßt werden konnten, dieser: Aufheller bemühte sich möglichst dunt.l n, um der Ehre eines CommentarS nicht unrrschetnen. ES versteht sich, daß die- Gelehrten HLeifen sich auch nicht immer gut vertrugen, viel eit und literarische Polemik ebenso häufig vor unter den christlichen Denkern. Auch einige von erbitterter VerfolgungSsuchk, welche zu bluki, n führte, weist eben die Geschichte der spanischen *) S noch einen banel. scholastische Schutt ist wohl der gegenwärtigen t ebenso fremd geworden als die christlichen keiten M Mittelalters der jetztlebenden Christen. man da*f immerhin annehmen, daß gerade die und bi, in unsere Zeit hereinreichende Beschäl, t schwirr gen Fragen und Rälhsel» deS Gesetzes, sie zu lösen und wieder neue aufzustellen, dem relS in erblicher Weise jene feine Dialektik, jenen en Witz verliehen habe, welchen wir eben hevtäeinen Recht-gelehrten, Advocaren und öffentlichen zu schätzen wissen. ' nicht allein im Talmudsludium suchten die Juiberischen Halbinsel zu glänzen, sondern auch durch in allen StaatSgrschäften. Die Ministerkrisen Slamitischen Reichen an den Säulen de- Herkules umalS leicht und schmerzlos vorüber, namentlich Portefeuille der Finanzen betrifft.*) Kaum war eine Lücke entstanden, so war auch schon ein ehrte« audem Volk Abrahamzur Hand, der, Spielarten der damaligen Geld- und Cabinets» e bst^Fndinand der Katholische Hane trotz der Inquisition jüdischen Finanzminister, den berühmten Juda Lbra-