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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 24 (1866) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
24 (1866)
Date
1866-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur Belehrung und 11 nterfjnftung aut jüdischem Hekiete. Herausgegeben von Rabbiner Or. Ludwig Phittppjon in Bonn. nt, i »ob bitter jritiArtft crMeiat wMratiiA <tn*'!Ru«B«T. |ml til }<lif ra«k , rt . f 1^10. 24 loOfl.l ‘ IW*. JHienclj*W* r '< «>r. Nllt «,chva»dlv,«e». Poftämrcr I 1^ KLnsst. $)U3n3l. L",|W* J ob» Zr,Nl»,«rrv«dtt»ovrn »ebnen »efttaunftn an. L1 “ * * Julius Rubo- (Aus der Kvn. priv. Berliner Zeitung.) Am Morgen de- 13. März wurde unsrer Stadl (Berlin) j einer ihrer geachtetsten Mitdürger durch den Tod entrissen, der Recht-gelehrte vr. Juliv- Rudo, d«ssen Name ehrenvoll i mit der Gesetzgebung, mit der Verwaltung einegroßen j Gemeinde-Derdandeverschiedener Stiftungen und Anstalten | verbunden bleibt. Ausgestattet mit seltenen Gaben de- ■ Geiste-, mit gründlicher Wissenschaft, stetfrischem Arbeit-- i muthe und sittlichem Drange, thatig .und nützlich für da- I Wohl der Mitmenschen zu sein, halte der Flug, welchen > er al- Docent an der Universität Halle genommen. ihn I wahrscheinlich zu einem gehobenen Standpunkte auf dem ' Boden der Wissenschaft und im Staak-dienste geführt, > wären die Schwingen nicht von Oben gewaltsam in Ruhestand; versetzt worden. Der aufstrebende Gelehrte stieg vom aka- > demischen Katheder und machte nun die Fortbildung de-! jüdischen Cvmmunalledenzum Mittelpunkte seiner Tbä- . ti'gkeit, und hier ward er der juristische und administrative, Vermittler zwischen der fortgeschrittensten Gemeinde und den Staat-dehörden. Fast ein halbe- Jahrhundert won» j derte er geräuschloseinen mit Hindernisien mancher Art j beschwerten Geschäft-gang, welcher oft vor dem grünen Tische der höchsten Stellen vorbeiführte; und auf diesem langen Laufe segen-reichen Fleißes lassen sich kräftige Züge nicht blos zu einem verehrung-würdigen Lebensbilde, son» ' dern auch bedeutsame Zeichen der von ihm durchzogenen I Zeit sammeln. Am Eingänge der praktischen Laufbahn j Rudo'- stebt ein Denkmal der Reaktion dechristlich'gerj manischen Staates. am Ausgange derselben ein Denkmals der Reaktion de< fingirten jüdisch-palästinensischen Staates, und zwischen beiden Grenzen liegt in dem Verkehr R's. mit der Gesellschaft ein Reichthum von Berührungspunkten, auwelchem manche geschichtlichen Vorgänge Erklärung \ finden. | Rubo wurde am 8. Juni 178-1 in einer achtbaren j Familie zu Haldetstadt geboren. Die Juden in Halber» . stabt waren immer und im Allgemeinen noch heute streng \ altgläubig, und damals schickten sie ihre Kinder ausfchließ, , lieb auf jüdische Schulen. Rudo's Vater wurde aufae- > klärt, und er, der erste, wagte, auf Gefahr, verketzert zu I werben, seinen 12jährigen Sohn in's Gymnasium zu. schicken. Der kühne Schritt war ein Ereigniß in der ortho-! boxen Gemeinde, aber er zog wohltbätige Folgen nach, denn es ermuthigte Andere zur Nachahmung und so fügte das G,schick, daß der, welcher al- Mann so eifrig für die Bildung der Glaubensgenossen strebte, schon al- Knabe mittelbar und unbewußt in diese Richtung rintrat. Mit einem glänzenden Zeugnisse der Reife ging er 1812 vom Stephaneum ap-zur Universität Göttingen, um dork,. wie spater in Berlin, die Rechte zu studiren. Bei der Erhebung Deutschlandwegen körpersicher Beschaffenheit vom Fesb» dienste ausgeschlossen, arbeitete er alt Freiwilliger im Kriegs» Commlssariat. Seine Promotion zum vr. beiher Rechze im Jahre 1817, und sein Ruf al- Jurist müssen schon weithin geachtet gewesen sein, Venn al- Th. Gaup in einer Schrift den Vorschlag gemacht hatte, nur christlichen Juristen die Doctorwürbe zu verleihen, wurde er in Kamvtz Jahrbüchern >(15. Band, S. 486.) gefragt, ob er denn verlangen könne, daß-man die Glaubensgenossen Rudovon einer Würde au-fchlösse, welche dieser kürzlich „mit dem größten Rechte und Ruhme" erworben habe. Im Jahre 1820 findet sich sein Name zuerst al- Dotent im Inüe^ lectionum der Universität Halle. Unter f»iner zahlreichen Zuhörerschaft waren Jünglinge, die jetzt in den höchsten Würben leben. Er wohnte im Hause Gesenks' und der berühmt« Orientalist suchte manchmal bet seiriem jüdischen College» Aufschluß, wenn sich seiner Forschung da- Derständniß einer Stelle in rabdinischer Schrift au- Mangel an Kunde der Volk-Überlieferung nicht ergeben wollte. Oie große Begabung Rudo'S und seine gesellige Offenheit bedingten einen freundlichen Umgang., auch mit anderen Lehrern der Hochschule. Diesem schönen. Verhältnisse wurde aber sehr bald der Boden entzogen: dafreifinnige Edikt vom 11. Juli 1812, welches, den Juden die Zulassung zum Lehrstuhl der Universität verbürgt, hatte , diele Väter bestimmt, mit großen Opfern ihre Sohne sich, für diese ehrenvolle Zukunft vorbereiten zu lassen, und hun» derte von Jünglingen sind dadurch der Wissenschaft zugeföhrt worden, um mit deren erworbenen Kenntnissen sich später dem Staate zur Verfügung stellen zu können. - Diese edle Proselyteamacherei de- Fürsten Hardenberg sollt« aber nach kaum einem Jahrzehnt unter Altenstein gegen eine andere Proselytenmacherei vertauscht werden. Eine Kadi» netsordr« vom 1-. August 1822 hob"-vdne irgend einen bestimmten Grund (,/« ha^.n sich Mißverhältnisse sorgt-' fundrn" heißt edort) die Wirkung des Ediktvon 1812 auf, und schleuderte dadurch viele,. Iheils schon anerkannte Männer auper Bahn zu einer achtbaren Zukunft, um sie entweder dem Glauben der Väter wie dem Glauben an gesrtze-kräftig verbürgte Edikte entsagen zu lasse», oder sich zu „ihren Beruf verfehlt habenden Literaten zu machen." R. verließ den akademischen Lehrstuhl mit einer von

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