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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 23 (1866) · p. Seite 91

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
23 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 91 (sequence 3)
Language
German
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91 srineS langen, rühmlichen Wirkens, besitzt daerste Anrecht, den greisen Eanloc;u feiern, der al» Künstler weit über den Tempeldienst hinausgereicht und alS Priester durch die Läuterung seines Golke-biensteS für die Idee einer weihe» vollen und menschlich schonen Andacht überhaupt gewirkt har. ' Zwei taliuudischc Vorschriften über Gebet. Im neunten Abschnitt der Mischna Berachoth werden die beiden Segenssprüche mitgetheilt, von denen der eine beim Empfang guter Nachrichten, nemlich: „Gepriesen seiest Du, Ewiger, der allgütig und Wohltharer ist" (nitsn 2'can*)', der andere beim Empfang schlimmer Nachrich, ten, nemlich: „Gepriesen seiest Du, Ewiger, der wahr, hastige Richter" (ra«n •jn) gesprochen werden soll. Hierauf fahrt die Mischna mit zwei eigenthümlichen Dorr schrifkn» fort. Zuerst: „Manspreche den Segensspruch über Unglückliches ohne Rücksicht auf dessen gute Folgen, und über Glückliches ohne Rücksicht auf schlimme Folgen." Im ersten Augenblicke wird man hierüber stützend Wiek .. Ist eS nicht räthlich und wahrhaft tröstlich, wenn n>an bei unglücklichen Erlebnissen sich recht klar macht, wie aus ’ denselben dennoch günstige Folgen sich entwickeln könnten?; und ist eS nicht vorsichtig und bewahrt vor Uebermulh, | wenn wir uns mitten in einem glücklichen Ereigyiß zum Bewußtsein bringen, wie leicht auS demselben für unS üble Folgen zu entspringen vermöchten l I weist unS nichts die Religion recht eigentlich auf ein solches Verfahren in \ beiden Fallen hin? ... Ader gerade hierin liegt die Er- : klarung. Die M.isihna spricht hier den Gedanken auS,; daß das Gebet der unmittelbare Ausdruck unserer Gefühle, 1 unverfälscht durch Klügeleien und Schlußfolgerungen des Verstandes sein soll; und daß wir in unsrem Herzen so! sehr an das Beten gewöhnt sein, in jedem Momente^ uns zu ihm gedrungen fühlen sollen, daß der Segen--j spruch in dem Augenblicke auf unsre Lippen kommen ' möge, wo wir die Nachricht empfangen, wo sich daS de» trrffend, Ereigniß vor unsre Seele stellt. ' Da sich in dem 1 Gebete unsre innerste Beziehung zu Gott äußert, so setzt «S «den, wenn eS so unmittelbar auS jeder Seelenbewe» gung hervorquillt, ein wahres Erfülltsein vom Gotte-ge- , danken in uns voraus. Später mag dann die kühlere! Erwägung eintreten, und «ine genauer, Einsicht in die > Lage und Folge der Dinge herbeiführrn.! Die Mischna fährt zweitens fort: „Wer über Etwas«! >raS bereits geschehen, zu Gott fleht, der brtet eln eitle- \ Gebet. 3. B.: Wenn Jemand, dessen Frau in gesegneten! Umständen ist, betet: eS möge Gott gefallen, baß mein Weib einen Knaben gebäre! Dies ist ein eitles Gebet. Ober! es kommt Jemand de- WegrS und hört ein großes Wehe»! gefchrei in der Stadt, und betet: eS möge Gott gefallen,! daß hienicht die Leute meine- Hauseseien! Dieist j ein eitle- Gebet." Auch diese Vorschrift ober Verwarnung fällt unS zunächst auf. Ist eS doch gerade die erste Bewegung unsre- Herzenin seiner Angst, eine solche Bitte zum Herrn hinauf zu schicken, oder im ersteren Falle den innersten Wunsch de- Vatervor Gott auszusprechen. A x — Die Mischna unterscheidet aber hier zwischen dem ersten Ausdruck de- Wunscheober der Angst und einem eigent» lichen förmlichen^ Gebete um Etwa-. WaS einmal geschehen, dakann Gott nicht ändern, ohne die von ihm selbst rrflossenen' Gesetze und di« von ihm selbst nach seinem Rathschluffr eingeleitelen Geschicke zu verändern. Ihn also um die Veränderung! von etwabereit- Geschehenem anzuflehen, ist ein ganz eitle- Beginnen. Die Mischna will unS also hinsichtlich de- Gebetevor jeder Unvorsichtigkeit, vor jrpem Mißbrauche verwarncn^-im Sinne jene- Ausspruches Kohelet'S 5, 1.: „Uebereile nicht deinen Mund und Dein Herz fei nicht vorschnell ein Wort auS» zusprechen vor Gottl" Nicht den Ängstruf-unsrer Seele-. nicht den heißen Wunsch unsre- Herzenbrauchen wir zu unterdrücken, Nur sollen wir nicht mit klarem Bewußtsein ein Gebet um Unmöglichkeiten an Gott richten. Eine jüdische Trauung iur Zwischendeck. Der zu Hamburg erscheioenbe „Freischütz" thrilt Folz gendemit: ■ „Eine sehr verwickelte Rechtsfrage, die Giltigkeit einer nach jüdischem RikuS geschlossenen Ehe betreffend, beschäftigt augenblicklich hie Gerichte von Newyork. Dort macht nämlich eine Einwandrerin auS Hamburg (Israelitin), weiche sich alS dir Witwe «ineauS Baiern stammenden Kaufmannes dezrichnrt, Anspruch auf dessen Nachlaß, der sich auf ungefähr 20,000 Dollarbeläuft. Wie auS den Aussagen der Rrclama^*» hervoHeht, machte dieselbe seinerzeit die Ueberfah'.i nach Amerika im Zwischendeck eine- Hamburger Segelschiff,- und wurde bei dieser Gelegenheit von. einem Eajütsn -Passagier, der eben» fallder jüdischen Religion angekör'le, zum Gegenstand« feiner Huldigungen auSersehen. Du sie diese jedoch zu» rückwieS und namenrlich eine Einladung zur Uebersiebelu-tg in die Cajüte entschieden ablehnte, so erklärte sich der-M» ermüdliche Anbeter bereit, sich mit der Dame siineS Her» zenS ohne weiterenach altjüdrschem RiruS trauen zu lassen. Zu einem derartigen Act« bedarf eS nämlich nach den ursprünglichen Bestimmungen demosaischen Gesetzes nur einer vor Glaubensgenossen in vorgefchriebrner Form ad» zugedenden Erklärung, bei welcher die Verlobte sich einen Ring von ihrem künftigen Gatten auf den Zeigefinger der rechten Hand stecken läßt. Da unter den Passagieren mehrere Israeliten waren, so wurden dies« zur Zeugen» schaft hrrangezogen, die einfache Crremonie ging vor \ sich — und der Kaufmann uob die Hgmdurgeri» waren Eheleute. In Newyork angekommen, fiel eS der jungen Frau sehr auf, baß ihr Mann sein eheliche- VerhLlmlß sehr ge» heim hielt. Anfangwurde sie von diesem durch die ^r» . klärung beruhigt, daß verwandtschaftliche Verhältnisse ihn ,. ' für eine kurze Zeit zu dieser Vorsicht zwängen;N bä ihr jedoch diese Verheimlichung auf die Dauer unerträglich wurde und sie sich in dirfem Sinne au-sprach, so erklärte ihr «ine- Tageder saubere Gemahl, daß er durch den ruf

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