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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 21 (1866) · p. Seite 84

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
21 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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84 Tie Londoner Juden. Lus fcmt Etlgliich«, de» William Hilbert von H. Zirndorf. V (Fortsetzung.) Die Größe dieser beiden Lehranstalt.n wird manchen Leser in Erstaunen setzen. Die Schule in Oomwereiaj-Jtreet hak für 700 Schüler Raum. 'Da« Hau», lediglich von milden" Beiträgen erbaut, ist da» größte und passendste für seinen Zweck, da» wir je gcsihen. Die Bentilaricn und di« übrigen Einrichtungen sind musterhaft; die Zimmer sind hoch und geräumig, und die Spielplätze, sowohl die sehr gurca Eindruck machte auch da» Vertrauen, womit die Schüler sich an die Vorsteherin anschließen. Weit entfernt Furcht oder Zurückhaltung gegen dieselbe zu äußern, betrachten sie dirse-Dame al» ihre Freundin und nähern sich ihr mit sichtbarer Freude. Die Eltern zahlen, wenn möglich, für jede» Kind «inen Penny (= 10 Pf.) per Woche; allein die äußerste Armuth Vieler dringt auch in diesen geringen Beitrag große Unregelmäßigkeit. Nichtsdestoweniger erhalten die Kinder im Winttr zweimal per WoHe gesunde und reichliche Mittagrkost. — Sobald bi, Kinder da» genügende Alter haben, werden sie in die berühmt, Frei» bedeckten al» die unter freiem Himmel angelegten, von . schule in Bell-Lan« versetzt. Mit Ausnahme eine» kleinen einer Große, welche angesichts de» hohen Werkbe» von StaatSdeirrag» von jährlichen £. 167 und etwa 200 Grund und Boden in jenem Sradttheile überraschen muß. per Jahr au» den Pennv- Beiträgen der Kinder,'ist auch Ja allen Einzelheiten de» Gebäudes und der Einrichtung »erbi.» ern? WodilhangteicSanstalk. rath sich die glänzende Freigebigkeit der Gründer und Erhalter. ( Letztere Schule liegt in einem sehr dicht bevölkerten Diese Schule verdankt ihr Dasein unmiruldar den Sradrrheil und ward 1817 von einigen reichen Juden ge, Anregungen und dem Beispiel einer hochgesinnten Dame, gründet. Man wählte die Methode de» gegenseitigen und so tst sie ein Beweis m,kr, wie wichtig zur Förderung . Unterrichts und bediente sich der Hilfe der Schüler, Auf, der Dolkswohlfahrt oft der Beistand einer liebenswürdigen, seher (Monitor»)*), wobei 267 Knaben von einem Lehrer tbarigen und. gebilöcken Frau ist. in der hebräischen und englischen Sprache, im Lesen, Schrei- Bor einigen Jahren unternahm e» Miß Miriam Harden uns Rechnen unterrichtet wurden. ri». au» einer höchst achtbarin aber keineswegs reichen jüdischen Familie, etwa sich» Kinder unter acht Jahren zu unterrichten; bsi-geschah in einem kleinen Zimmer, in einem -der ärmsten Stadttheile London». Allmählich wuch» die Zahl der Schüler, und zwei bi» drei andere Damen unter, j stützten ft« in dem guten Werke. Bald war die Anzahl . der Kinder in solchem Steigen begriffen, daß die Geldmittel der Miß H. und ihrer Freundinnen nicht mehr.Züreichlrn, und sie wandten sich an ihren wetteren Bekanntenkreis um Unterstützung. Die reicheren Juden pflegen eineis solchen! Aufruf günstig;u beantworten, haben sie sich nur erst von ’ der Tüchtigkeit de» Unternehmen» durch Prüfung überzeugt; Miß Harri» sah sich bald in den Stand gesetzt, ihren Wirkungskreis mehr unW mehr zu erweitern, bi» bersilde in der großen Schule von Commercial - Street seioen Gipfel erreichte. Miß H. ist jetzt noch «berste Vorsteherin der in lodenswerther Weise geleiteten Anstalt. Ihre Gehilfinnen sind Damen voll Thatkraft und Fähigkeit, und die ganze Maschinerie wirkt in trefflicher Harmonie fort. Al» wir da« Hau» besuchren, wap die Frequenz, wegen der strengen Kalte, nur gering; doch mögen über -00 Kindvr anwesend ' gewesen sein. Sammrliche Zöglinge erschienen äußerst rein, : edschon die meisten in Behausungen leben, wo die Be, j obachlung der Reinlichkeit keine leichte Sache ist; und ihre ' Kleidung, brr Dielen ärmlich genug, war im ganzen ordentlich gehalten und au»ged»Zerr; Reinlichkeit und Nettigkeit der Erscheinung ist aber auch eine der ersten Regeln bc» Hausi». Die Kinder schienen in allen /Lehrgegensiänden sehr gut bewandert, der Gesang aber schien ihr LiedlingSfach zu sein. Derschirdene kleine Hymnen und Lieder wurden sehr gut von ihnen vorgetragen, so die Nationalhymne: „Gvtk erhalte die Königin!" Miß H. sagte un», baß da» Eomikä ganz besondere Sorgfalt trage, in den jungen Grmülhern schon frühzeitig da» .nationale Selbstgefühl, einen geryffea Stolz auf ihre englische Geburt zu wecken. Einen Alsbald bewarben sich lo viele um Zukaffung, daß da» Gebäude als viel zu klein erschien und daß auch bi« Grün, düng einer Mädchenschule nothwendig ward. Man erweiterte also die Räumlichkeiten zur Aufnahme von 600 Knaben und fügte einen besonbern Flügel hinzu, worin noch ZOO Mädchen neben den allgemeinen Kennrniffen auch in Handarbeiten unterwiesen wurden^). * So beißen die Xaaben, he;. Mädchen, welche sowohl leh. rend al» lernend der Schule angrhöre» und den Lehrer beim Unterrichte unterstützen. Diese Einrichtung der Bell'Lancaster'ichen Methode findet sich säst in allen englischen Trivial- und Armenschulen. Sie hat da» Gute, daß große, vielbesuchte Schulen mir Abstufungen und «lasieneinibeilung in ärmeren Gemeinden und Bevölkerungen dadurch uberbaupl möglich werden, indem der Lehrer einen leicbt zu ergänzenden Stab von Gehilfen an seiner Teile wirken läßt. Allein die Rachlheile sind weit übenviegendev Um nur einen der größten anzuführcn, so sieht mau da Kinder au» der niedrigsten BolkS'chichte grbitten, noch ehe sie geborchen gelernt baben, und naturgemäß die Tvrannen ihrer Mitschüler werden. Die Szenen, welche der Meist ergriffe! Cbarlotte Bronti?» in „Jane Eyre" beschrieben hat, wiederholen sich hier in der Wirklichkeit. Ter Monitor ist gewöhnlich der schlechteste und unbändigste Schüler der Anstalt, oder er wird es, sobald er zu dieser Stelle gelangt. *•) Für bie'e Mädchenschule bat die treffliche Frau Baronin von Ro tbsch ild.jene Reden gehalten, die 1&8 zu London erschienen, und die.unser unvergeßlicher Jost 1d60 zu Frankfurt a M. in.bculicher Sprache deranegegeden bar. S. meine Rezension in Stein» Freitagabend 1860, S. 91 ff. Allgemeine Zeitung de» Judenthums. No. 20. 18ö6. Inhalt: Leitende Artikel: Die Sturmwolfeo. Zur Charakteristik des Talmud» IH. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Mannheim, Au» Bayern. Preußen: Au» Westphalen. Oesterreichischer Laiserstaal: Lemberg. Wien. Ruß land: Petersburg, Petersburg, Odessa. Belgien: Brüffel. Großbritannien: London. Nordamerika: New-Iork. Notizen. TFTT Zn beziehen durch jede» Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Tbaler, vierteljährlich }i Tbalef. Lerantwo^icher Reducieur Dr. H. Lotze. vertag reu B»»«gärt«er'r Brtohaudlapz in Leipzig. — Xral von S. .^tepfins iu Leipzig. r/

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