Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 21 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Boklölilatt. 3ut! I Belehrung uni) Unlerhaltung ünl jüdischem Herau-gegeben' von I Rabbiner Dr. Ludwig PhÜiPPio« io. Bpnn. gebiete. rr»« n ä «n/W» Beri tirift BritldirifI «tlitinl »Wcmlift dn« 9him4i«T. Pr«t« dr» 2abr» vlV. U 1. lof)U«J gangl l Ldtr. Bimeliabri« 7 % «gr. R&< BDAbontlnngar, PoftL»,er »ne Bciturtfl#tr»ebiiicntn nrhmea Vrftellimge» «a; [13. Jahrg. 2. Quartal Handelsstrsten vom Hause Israel.*) ii. Der große Mann der folgenden Arra, der Zeit Georg'- III., war Aaron Goldsmid. Er war nichl so reich wie Sam» son Gideon, aber er war der bessere Mensch und der strengere Jude. Goldsmid war um die Mitte des Jahr« hundertvon Hamburg gekommen und hakte sich in Lonvon al- „merchani“, d. h. Großhändler, «radlirt. Den höchsten Flor erreichte sein Haus erst nach seinem Tode unter seinen vier Söhnen, und jenen Eoup, den jede- Haueinmal machen muß, wenn eS sich mit Einem Schlage über da- Niveau der anderen' erheben will, machte diese Firma zur Zeit der französischen Revolution. An die Spitze de- Geschäftetraten immer vorwiegender die beiden Brüder Abraham und Benjamin, Männer von der anerkanntesten Ehrenhaftigkeit und wohldefreundet mir Newland, dem damaligen Casstrer der Bank von England. Auch dieser war ein selbstgemachter Mann, welcher au» einem Bäckerladen emporgesiiegen war zu seiner enorm einflußreichen Stellung, und von so großem Verdienst um die Verwaltung derselben, baß sein Bildniß gegenwärtig dasogenannte „Bank . parlour", da- Sitzung-zimmer der Bankdirekloren, schmückt. Durch Newland «urr den die Gebrüder Goldsmid iff Verbindung mit dem Gouvernement gebracht, welcheseit dem Jahre 1783 in Folge de- Continental »Kriegezu fortwährenden Anlehen gezwungen war. Aber nicht nur da-, wasie durch eine bedeutende Betheiligung an diesen Operationen gewannen, steigerte den Reichthum der Brüder, sondern^ensosehr da-, waö sie nicht verloren, zu einer Zeit, wo ^urch Krieg und Revolutionen an allen Ecken und Enden Europa-große Häuser von einem Tage zum Andern massenhaft zusammendracheu.- Eine der merkwürdigsten Eigenschaften Benjamin'» war feine wahrhaft erstaunliche Firmenkenntniß, welch? sich Glicht auf England beschränkte fondrrn den ganzen europäischen und außereuropäischen Geldmarkt umfaßte; er raxirte mit einer an da» Unglaubliche grenzenden Sicherheit jeden Na» men, der sich auf der Rückseite eine- Wechselfinden mochte. Diesem Umstande hatte die Firma^zu danken, daß in dem gefährlichen Jahr« 1784, wo bii dem allge, meinen Umsichgreifen de- Revolution-rKriegedie Grundmauern sozusagen der ganzen Geschäft-weit zitterten und ringum sie her in der That auch die großen Firmen *). Auder „91. fr. Pr". wie die Kartenhäuserfielen, der Gesammtverlust der Brüder Goldsmid sich auf nicht mehr al- 50 Pfb^ St. belief! Egab | ju Anfang unsere- Jahrhundert» in Londonerin g^pßere-t glänzendere- und allgemein beliebtere» Hau», al« diese-, h)ie Großartigkeit ihrer Unternehmungen war nicht weviger! berühmt, als die Solidität derselben. Ihre Wobl» thäligkrlr, namentlich gegen bi« Glaubensgenossen, kannte keine Schranken. Ihre Gastfreundschaft, mir offener Hand geboten, ward gern und freudig angenommen. Sie hatten prachtvolle Häuser in der Stadt und reiche Besitzung» auf dem Lande, wo fie.nicht selten die Berühmtheiten r nd Spitzen der damalige» Gesellschaft um sich versammelt m. -Alle n rin sehr traurige» Ende war diesem Hause de» stjeymr, welche» in jeder Beziehung so groß und geachtet bastand. Eine» Morgen», im April 1809, fand man den jüngere, der beiden Brüder, Benjamin, tobt in seinem Schlaf; mmer. Er hatte sich in einem Anfälle von Metancl olie, der er.in letzterer Zeit immer häufiger au-gesetzt gewesen, am Pfosten seine» Lette» selbst erdenkt. Sei, älterer Brüder, Adsaham, sollte ihn. nicht lange überlebe,. Immerfort trauernd um den Verlust seine» Bruden , mit'dem er während seine» ganzen Leben« innig vereint jewesen, schien e«, al« ob mit demselben der Ster» von der» Haust Goldsmid gewichen sei. Kein Unternehmen wolltest »ehr kn der alten Weise reussiren, und zuletzt, imJabr« 1810, etzle Abraham sein ganze« Vermögen auf ein neue« Regier» agS»Anirhen von >4 Millionen Pfund Sterling, welches er in Gemeinschaft mir dem Haust Baring übernahm. Da« Unternehmen mißlang; da« Hau« Baring, gleichfall-^von .deutschem Ursprünge und noch heut« von europäischem Rufe, üderledte den Sturz. Aber sein damaliger. C >ef, Sir Franc,« Baring, starb und Abraham Gold» smid -- erschoß sich. In die Lücke, welche zwei so gewaltige Männer der City vin London gelassen, trat «in neuer Name: Roth» schtld ein. Da« Hau« Rothschild — oder wie der Englän>er r» beharrlich nennen wird: „Roßrscheild" — eradlirt seine Weltmacht auf den Trümmern de» Hausr» Goldfmiid. Wenn wir den Namen Rothschild nmuen, so weiß Jeder, wada» bedeutet. Größer al« Gideon, größer al« Goldsmid, beherrscht d >» Hau« Rothschild nicht nur den Geldmarkt der City, s ndern der ganzen Welt. E« war unserem Jahrhundert Vorbehalten, die Anhäufung von Reichtyümern zu deodtchten, gegen welche diejenigen de« Cröfusich etwa vert alten mögen, wie die hängenden