Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 20 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/4908862-5999396-6026802--3225-4911431- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
I Jüdisches BoÜsblatt. Zur Belehrung und Anterhattung aul jüdischem Gebiete. HerauSgegebttt von Rabbiner vr. Ludwig Phili--sl!u in Bonn. rn. «r>r>0'i 8o« Mrfet 3ritf*rtft erMrfnt »tottttfi* «ht* Stamme. Prei« de« Sab,- .fc n [91o. 20. 1866.] -**& sä,2A“ AM.;?:*“/ [| 3. Iah 3. 2. Quartal. Handelsfürsten vom Hanse Israel.*) i. Man sagt, daß Boructheile die Welt regieren. Das mag wahr fein für die Welt, aber es ist nicht wahr für England, welches nach den Worten seines Dichters eine Welt für sich selber ist. („Britain ’s world for itsell", — Shaksfteare.) Zwar weiß ich aus Erfahrung, baß das Wort: „A foreigoer! Ein Ausländer!" im Munde eines Londoner Straßenjungen nicht gerade als Schmeichelei ge» meint ist, und ich weiß auch, daß das Wort: „A Jew! Ein Jude!" dort krinen besonders angenehmen Klang hat. Allein die Tharsache ist, erstens: daß in diesem Augenblick der Enkel eines Leipziger Buchhändlers einer von den Ministern Ihrer Majestät ist; sowie zweitens, daß der Enkel eines portugiesische» Juden, vielleicht auch in die» fem Augenblick, ein« Rede vorbereitet, welche sehr möglich bas ganze Ministerium Ihrer Majestät, jenen Leipjiger Buchhändler- Enkel eingeschlossen, stürzen wird. Diese beiden echt nationalen Namen, Göschen und Disraeli — so national, daß ein Brite ste niemals correck Auss^rechen wird — werfen ein helleres Licht auf die englische Bgr» fassung, als die berühmten Commentar« von Nkäckstoyt. Sie constatireu dke'Dorurthette, ste lassen dieselben bestehen, ja, st« raumen mlk^einer tiefen Reverenz ein, daß das Un» glück, kein Engländer zu sein, vielleicht Lbertroffen werde von dem Unglück, eia Jude zu sein; aber sii erinnern zu» gleich, mit einem leisen Anflug von Spottj, an die Ge» schichte jenes polnischen Juden, welcher in kostbarem Pelz und «ohlgepolsterter Kutsche gen Leipzig zur Wintermrffe fuhr, verfolgt von dem „Hep! Hepl" der ChaussLe»Arbel» ter, welche frierend, ln schlechten Lumpen, am Wege saßen und Steine klopften. „Schreit ihr nur!" rief der pol» nifche Kaufmann, indem er fich aus dem Fenster neigte; „wenn da wird Messtas kommen, so werdet ihr in Kut» schen fahren und wir «erden Steine klopfen und Hepl Hep! rufen." Die Geschichte der Juden in England erzählt fich ln zwei Worten. Ihre goldene Zeit, die Zeit ihrer Rebekka'», welche Walter Geort unsterblich gemacht, und ihrer hohe» Zinsen, welche flch auf 2—3 Pence von einem Pfund die Woche d. h. 30=60 Perceat, beliefen, endete mit Richard Löwenherz. Sek» Nachfolger ließ ste gräulich massacriren r in jener Bttmd, und Mordnacht von Port begrub flch «ine ganA^Seweknde, mir ihrem Rabbiner an der Spitze, •) Aus der „SR. fr. Pr." rauchenden Trümmern der Nynagoge — tintr» Heroismus, wÄrdig de- Geist < der Makkadcher4 auf, im Jahre 1200, wurden sie gänzlich vo» n Britanniens vertrieben, um vierhundert Jahre ihren Leidens» und Glauber »genossen auf dem die traurige Rolle von des i »eiligen Römische» Reiches brivilegirten Brunnenvergiftern zu spielen. Jde erster En ancipaior hieß: OliverEromr eil. Diese» gsstze -r das Bildniß Karl'» I. km s tea Börsengetzäud« vn umstürzte und mit goldene« Lettern ans das unter den Thar vol Bald da dem Bob lang mir Eonrineni Mann, d von Land Postament schrieb: „Exil Tyrannus, ul jnos R«gum' dieser eh« ne Rächer der Freiheit, der in 'f-tner Eeschetnung so viel hutte von dem Helden des alter Testaments, daß der derüi mr» Rabbi Jakob Ben Azade thatflchüch nach England zeschickt warb, um zu unter uchen, ob er vo» .jüdischer ildkuaft und, wenn dies der Fall, ob er-nicht der Messtas sei — dieser Mann, der $ rottetot, was auch eia Freu id Rabbi Manassrh's Ben ‘ srael van Amsterdam und rief die Juden aus der Derb nnung nach Eng» la»d zurilck.' Ader dieser Traum eines Gottrsrelches, wel» 'ches feinen Richter >md Führer ln Ero iwell, dem Protec» tor, seine» heiligen Sänger in Milton dem Dichter des verlorene,, und wledergewyanenen Parad ese», hatte, dauerte nur zäh» Jahre, und ihm folgen, wi kn der Bibel, dir Könige: Vie katholischen Stuarts, tie protestantischen Haanove aner, unter welchen es ^den armen Juden in England snicht besser ging, al» ihren! Zrüdera anderswo. Noch unter Georg II. führte der Versus , ihnen wenigste«» einen Schein von Hrimathsberechtigung zu geben, in dem Lande, ja welchem fl« nun volle hu tbert Jahre gelebt hatten, beinahe zum Aufstand. Große Bokkshaufen trn bur^ ^östdons Straßen mit den Geschrei: „Keine Juden! Keine Hölzschuhe!" und der « tzigr Horace Mal» pole schrieb an setarn Freund, Sir H. Mann, beirische« Gesandtes in Florenz: ..Sie Hechtete». baß die Erfilllmog der Weissagungen, welch« den Juden lagkück und ewige Zerstreuu ag. verkünde», durch ttne Paria ue«tt»Utto vsrhtu» dett werken köuu», und es fehlte ihren Hifer nichts, als die Eingabe einer Bittscheißt an bekd Häuser,, um dir ErfkUlur g dieser Wriffaguugeu zu tzosthi Die Dorf» pfarrer »redigten gegen die Bischöfe, chell flr der Sache des Eva igeliums, ungetreu geworden, tränke» fich in 'Srustschafrssstttz» zu wie ße s weUanV «n König? Jacobs Ls rar ungefähr u« lÜech Zeit/, der gefä iriichsten Art der Köpfe bemät reich za werben^ chh TliderMe« fcft JesuEhrtsti, gecha» tzatM^' sich etue M Mch hatte, die Mabt^r