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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 15 (1866) · p. Seite 60

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
15 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
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60 - feine ,ugendlicb büdlcke Gattin nebst zwei ganz kleinen Kindern in England zurück, um sein Glück in Amerika zu versuchen. Sie kämpfte mir der bittersten Norh und er» warrere stündlich mir der größten Sehnsucht^ seinen Brief. Dieser traf endlich ein und brachte di« erwünscht« Kunde, daß e< ihm ziemlich geglückt sei; auch warb ei»f Summe Gelbeangemeldet, hinreichend ihre Ueberfahrt aus einem Schraubendampfer, zu bezahlen: sie solle also England so» fort verlassen. Ader ach, di, Rechnung war ohne den Wirrk gemacht: nicht nur. hatte er eunterlassen, das Nötbige zur.Deckung idrer kleinen Schulden zu senden — Schulden, die sie übrigenerst bann gemacht, nachdem sie fast alle ihre und ihrer Kinder Kleidungsstücke veräußert barte — sondern der Untersthied im Curse zwischen England und Amerika verminvirle di« erhaltene Summe fast auf die Hälfte desskn, waö zur Reife nöthig war, und sie wäre also genölbigt gewesen, die Fahrt auf einem überfüllten Segelschiff, zu bewerkstelligen. Um ihr Mißgeschick voll zu machen, sab si, voraus,^baß sie wieder Mutter werben würbe, bevor das Schiff seine Bestimmung erreichen konnte. Man rieth ihr, in England;» bleiben und an ihren Gatten um yiehr Geld zu schreiben; aber nein, sie hatte. den Befehl empfangen und war entschlossen, zu gehorchen. Ohne die geringsten Mittel zur Pflege in ihrem zu erwartenden Zustande, mit gerade soviel Kleibern als sie und ihre Kinder am Leibe trugen, wgr sie also im Begriff sich einzuschiffen, als einig« mildtätige Juden von dem Fall hörten und sofort eine Gildsammlung veranstalteten, die es ihr und ihren Kindern möglich machten, die Reise mitetwas mehrBequemlichkeitzurückzulegen. Es ist nicht schwer vorauszusagen, was wohl ihr Geschick gewesen wäre, batte sie die Fährt in der erwähnten hilflosen Weist anget:c:rn. — (Forts, folgt.) Ter diesjährige Purimlmll in New-Uork. Einer unserer Freunde sendet uns die „New-Iorker Handels-Zerrung" von 3. Marz, in welcher sich folgende Beschreibung sinder. Der dsesjakrig, Purim-Ball, welcher vorgestern' Abend in der Aca<lemy of Music stattfand, üb rtpif nicht nur die vorhergehenden Bälle der t'urim issocialion, sondern auch die Erwartung des zahlreichen ui d glanzen den Auditoriums, welche« schon zu einer verhi ltnißmaßig frühen Stunde die elegant Okarinen Säle de Acadrmie durchwogle. Die Dekorationen de- Saales , »aren neu und überraschend. Di« hohen persischen Säulen, di, zahlreichen Trophäen, die orientalischen, dem Palast: in Perse pelis nachgedildetrn Friese, die an den Eingänge i duftenden erotischen Blumen, bi, Guirlanden» 'die in wahr>afl oiientaljschem Farbenr.ichkhum prangenden Teppiche, vereinten ihre Effect, um den Zuschauer in «ine der Szenen aus „Tausend, und Eine Nacht" zu versetzen. Wie bereits oben bemerkt» füllt« sich der Saal zu einer für einen amerikanischen Ball ungewöhnlich frühen Stunde. Indessen zeigten sich unter dem höchst Publicum premals und nirgendirgend welche Spuren der Unordnung. Da- Floor-Comite,. im gesch mackvsllen Eostüm persischer Heerführer der Zeit Eskbers, jotte keine von den unangenehmen Pflichten zu erfüllen, we che manchmal Comit-'s dieser Art zufallen. Diele N tadilitäten Beranrw?«crlaz vcz öatjmgärtHer’* 4 zahlreichen der Künste und Wissenschaften, -hervorragende Mitglieder aller Staube und zahlreiche „kair vvmen auch lrrsee men", eine wahr; Elite der NewUorker Gesellschaft, erstellten bi, geräumigen Säle. Man ranzre zu vortrefflicher Musik, man promenirte,.während-ein andere- Musikcorps ein schöne« Programm herrlicher Melodien gut vortrug, und an den freudigen Gesichtern, die sich überall zeigreu, als die Stunde de- Demaskirens kam, fahman, daß sich alle vortrefflich amüsirren. , 5 - Dir Charaktermasken waren zahlreich und geschmackvoll. Zahlreiche wirkliche 'Harlequms sprangen umher. Laternenpfahle plauderten mir hübschen Bäuerinnen, ein „Patent Medicin" Docror scherzte mir einem schönen Pagen. Auch die anderen Costüme waren elegant und bezeugten Geschmack und oft soliden Reichthum. Die Krone der Unterhaltungen des Abends bildeten die MaSkeo- Processionen, deren Entwurf und vortreffliche Ausführung bas Publicum dem unermüdlichen Festmnrschall, Herrn Leopold RieeS, zu verdanken harre. Zwei schöne Züge überraschten bas Auditorium. Der erste stellte den „Sieg' des Zeitgeistes über das Dorvrthekl" dar. In chronologischer Ordnung zogen die finsteren Jahrhunderte der Intoleranz und Religionsverfolgung vorüber, begleitet von den Juden, welche wahrend dieser dunklen Zeit zur Hebung ihrer Nation beitrugen. Dann folgten directere - Anspielungen auf die Zeiten der viri odscun, das Ghetto, ein Jud«, der zum Feuerlode geführt wird und aus neuester Zeit der Knabe Mortaca;' der Zug schloß schön mit -der FreiheilSgöllin als Bannrrträgenn de- 19. Jahrhunderts, und ein Walhalla-Wagen von guten Gchn'cn umgeben, auf welchem der Zeitgeist bildlich da- Äonstrum des DorurtheilS zertritt und der die gekrönten NaAien der in neuester Zeit aus dem Judeuchum» hervorgegangenen großen Namen,auf^unen SäulenHdug. Die zweite ProceMyn bestand aus mehren Adkheilungen. Die erste stellt^ den "Triumphzug der schönen Königin Esther würdevoll dar und schloß mit mebren komischen^Figrmn. Nachdem diese wirklich elegante Pro- , cei'sion mehrmals den Saal durchzogen chatte, zertheilre sich eine der Dekorationen am Ende der Bühne und zeigte den Prinzen Carneval, von seinem Hofstaate umgeben. Dieser huldigte dann der schönen Königin Persiens und darauf folgte eine Harlequin-Quadrille, welche mit einem schönen Tableau, die Berbrüderung dejüdischen Purim mit dem christlichen Earneval darstellend, schloß. Wir brauchen nur noch hinzuzufügen, daß die Arrangements für das Souper, sowie auch daletztere selber nichtzu wünschen übrig ließen. Der ganze Abend verfloß in der schönsten Harmonie und selten mag wokl New-Port einen schöneren Ball gesehen haben, als den diesjährigen Purim-Ball. Allgemeine Zeitung des Jud entb ums/No. 14. 1860. Jnbalk: Lei leude A rtikel': Collectaneen.— Literarischer Wochenbericht. — Zeilungsuachrichren-Deutschlanr -Eera. Preußen - Breslau, Berlin. Bielefeld. Oester reicht sch er Saiserstaat: DiiSkolz, Pest. Debrecin, Unghvrir, Aus Oberungarn, Ans Ungarn, Aus Böhmen, Wen. «chweiz: Aus dem Aargau, Endiugen. Italien- Aus Oberüalien. Rußla nd) Petersburg- Rordmerika: Baltimore, Chicago. Nachtrag. 3* beziehen durch jedes Postamt und jede Buchbandlung. Jährlich 3 Tbalcr, vier:eljäbrlich h Tbaler. ■rtlidirt Redakteur Dr. H. Poye. u»r«rrhrna in Leimig. — Tra<r v-o iS. Krcviino io. Leipzig

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