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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 9 (1866) · p. Seite 36

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
9 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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36 — Mendels so hn in feinet L-moll-Sympbonie das Muster, welches er vor Augen hak, Beethoven's ^-tIur>Spmpdonie, zu verbergen und die Absichtlichkeit, mit der er in seiner Travestie, obwohl vergeblich, etwas Neues hervorzudringen sucht, und man wird über die Armurh eines solchen Produzenten erschrecken. Daß derselbe Komponist mit seinen Psalmodien den Beifall der christlichen Gesellschaft gewonnen hat, können wir nur aus der Gutmürdigkeit derselben und ihrer TheilnaKme für den Stoff erklären. Ader '^as Entzücken derselben Gesellschaft .über bas leere und fade Elfengeschwirr im „Sommernachlstraum" desselben Componisten bewies am peinlichsten, wie schnell sie ein so nabe liegendes Original, wie das Weder'sche, welches doch wenigstens noch Ton und- Haltung hatte, vergessen konnte." — Im dreizehnten Bande aber heiß! cs unter dem Artikel „Felix Mendelssohn- B^ldold y": „Mendelssohn ist gewiß eine merkwürdige Emtmmma unter den neuen Tonkünstlern und.jedenfalls cm bedeutender Musiker.Im Jahre 1827 erschien seine erste Composition und schon war man überzeugt. ^n ihm einen zweiten Mozart zu besitzen...... In diei^Zeir (1834) componirte er auch das Oratorium „Paulus", welches am 23. Mai 1836 das erste Mal in Düsseldorf mir allgemeinem Beifall aufgeführt wurde. Dieser Wert belebte gleichsam die' bisher vernachlässigte Gattung des Oratoriums aufs Neue..In dem kunstsinnigen Leipzig genoß Mendelssohn allgemeine Verehrung und sein Ruhm stieg so hoch, daß der für alles Hohe immer begeisterte König Friedrich 'Wilhelm IV. von Preußen bedauert«, den Künstler nicht in feitfee Residenz zu besitzen...... Don den Composilionen dieses Meisterwollen wi? hier nur kurz die wichtigsten angeden...... von feinen übrigen 18 geistlichen Musiken, die er besonders wahrend feines Aufenthaltes in Rom componirte, besitzen wir noch mehrere Psalmen, Motetten und Hymnen, Zeugnisse seines kirchlichen Sinnes. Schließlich ist zu bemerken, daß das lebhafte Interesse, welche- Mendelssohn bei allen Gelegenheiten an kirchlicher Musik an den Tag legte, davon zeugt, daß er nicht dloS äußerlich" (er war schon als Kind, wie alle seine Geschwister, durch die Taufe zum Christen geweiht), sondern durchdrungen von christlichem Sinne war." . Dieses zweierlei Maß, diese lächerlich entgegengesetzten Unheile haben also ihre Quelle nur, ob man an den Juden', oder an den Cemponisten denkt! Eibe schöne Redaktion! In einer rheinischen Zeitung wurde dieser Tage eine Statistik des Regierungsbezirks .Köln gegeben. Unter der Rubrrt „Kirchliche Verhältnisse" wurden die gottesdienstlichen Gebäude, bi« sich im Regierungsbezirke Köln befinden, der Zahl nach angegeben. Nachdem die katholischen .„Kirchen" aufgeführt werden, beißt es wörtlich weiter:. „Die Zahl der jüdischen V erfa m mlung S o r l.e ist 42." Wenn nicht der Verfasser dieser statistischen Nachrichten ein mit dem Hebräischen sehr vertrauter Mann ist, der mit 'feinem „Versammlungsorte" eine wörtlich« Uedersetzung von riv:2N rp3 geben wollte: so konnte er bei der Wahl dieses Wortes wohl nur beabsichtigen, unseren Gotteshäusern den gottesdienstlichen Charakter abzu» sprechen. Jndeß, was rhue dies, man merkt die Absicht, und wird — nicht einmal verstimmt. — Zu den vielen liebenswürdigen Gesetzen und Gebrauchen, unter welchen unsere Glaubensgenossen in der sehr religiösen Stadt Rom zu leiben haben, gehört auch Folgendes: Aus Rom, 10. d. M. wird geschrieben: Noch zwei Tage und der CarnevalSraufch ist zu Ende. Vorgestern ereignete sich beim Wettrennen der seltene Fall, daß zwei Bardeci (Renner) von der Piazza bei Popolo, wo der Obelisk des Menephras steht, bis zur Ripresa, wo sie aufgefangen werdet^ den^ langen Corsa hinunter ganz gleich liefen und dade^^a^h zu derselben Zeit beim Ziele der Rennbahn, d. i. des Corse, ankamen. Der Preis von 100 Scudi, sowie das Pallium, ein großes Stück feinen Tuchs oder schweren Seidenstoffs mir Goldstickereien, .das während des Fasching« die Juden für jedes Wettrennen als besonderen Tribut liefern, wurde de-halb, wie eS bas geistliche Gesetz vorschreidt, dem heiligen Antonius als Schutzpatron der Thiere nach seiner Kirche auf dem Esquilin als Geschenk übersendet. Ä Ein sonderbarer Tod. Markus Levin, ein Verwandter der Rahel Varn- Hagen von Ense, liebte sein ganzes Leben den Scherz und starb, wie er geleb^jig,Scherz. Dieser durchtriebene Gesell, erzählt ZekM an Goethe (Briefwechsel V, 179), läßt sich am Tage seines Todes vom Diener Waschwasser bringen und schilt,"SAß es kalt ist wie Eis; Darauf dringt der Diener kochendheißes Wasser. „Du Ochs! bin ich denn ein Schwein, das Du brühen willst!" Darauf kommt der Dienen wieder und spricht: „Es ist im ganzen Hause kein Tropfen laues-Wasser zu bekommen." Levin lachte laut auf und verschied. Allgemeine Zerrung de« JudenchumS. No. 8. 1866. ' Inhalt: Leitende Artikel: AuS den Sturmzeiten iu der Bibel. — Noch einmal Shylok. — Zerstreute Bemerkungen. — Zeitungsnachrichten: Preußen: Stadtberge, Köln. Oesterreichischer Kaiserstaar: Wien, Lemberg, Lemberg, Pest, Wien, Lemberg. Frankreich: Paris. Eorrespondenz: Fredcricia. ICaT Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich */* Thaler. Verantwortlicher Retacleur Dr. H. «otze. iPcrta* vs-.v>t»«g2rrirer'>» Öud&MfcUns in Leipzig. — Dnr2 »ou s. Sreosiag in Lei»zig.

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