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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 1 (1866) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
1 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Einige geschichtliche Misljellen. (AuS dem IX. Bande von Gratz' Gesthicht« der Juden, den das Institut zur Ford. d. Israels Lit. in diesem Jahre liefert.) I 2 Ein vortreffliches Ehepaar. J Durchschnittlich erhielten die ekngemahberten Juden, Spanier oder Deutsche, in Italien da- Uehergewichr über die Einheimischen, sei ein rabbinischev Gelehrsamkeit oder in gemeindlichen und anderen DerhL kniffen, immer waren jene die Tonangeber. Eine, bedeuten de Rolle spielten die Abradanel in Italien. Da- Famil enhaupt zwar, Isaak Abradanel, war durch Leiden und Alter zu sehr gebrochen, als daß er nach irgend einer € fite hin hakte eingreifend wirken können. Er starb, noch che die schwankenden Verhältnisse Festigkeit annahmen (S mmer 1809). Auch sein ältester Sohn Leon Medigo übte wenig Einwirkung aul einen Kreis. Er war daz» zu sehr philosophischer Träumer und Idealist, «ine Di« jternatur, die sich nicht gerne mit den Dingen dieser Wel befaßte. Eist dader gar nichts von ihm bekannt, seitd m er die Stelle als Leibarzt des großen Kapital»- in Neapel verloren hatte. Einflußreich auf seine Zeit war nur der jüngste der drei Brüder, Samuel Abradanel (geb. 1473, starb 1880). Ec galt zu seiner Zeit als der angesehenste * ude in Italien und wurde von seinen Etammgenossen wie in Fürst verehrt. Er allein unter seinen Brüdern erbte von feinem Vater die Finanzwissenschaft und scheint na< > seiner Rückkehr. aus dem talmudischen Lehrhause v »n Salonichi sich darauf verlegt zu haben, und b/i dem Djcetönig von Neapel Don Pedro de Toledo im Finanzfache verwendet worden zst fein. Er erwc rd in Neapel ein sehr bedeutendes Vermögen, daman auf mehr als 200,000 Zechinen schätzte. Den Reicht! um Samuel Abradanelverwendete er, um dem in seiner \ Familie erblich gewordenen Zuge, gewissermaßen Bedürfnisses, edelmüthigr Wohltbaten zu üben, seinerseits zu genügen. Der jüdische Dichter Samuel Usqu« entwirft eine schwärmerische Schilderung von dessen Charakter und Herzen. „Samuel Abradanel verdient Trismegkstos (Dreimal Großgenannt zu werden; er ist groß und weife im Gesetze, groß im Adel und groß im Reichthumc. Mil seinen GlückSgütern ist er ÜetS großherzig, eine Hilfe für die Trübsal« seine- Volkes. Er verheirathet' Waisen in Unzahl, unterstützt Bedürftige, bemüht sich. Gefangene auszulöfen, so daß er alle die großen Eigenschaften vereinigt, welche zur Prophetie befähigen." Zur Erhöhung seines Glücks hatte ihm der Himmel «ine Lebensgefährtin zugeführt, die eine Ergänzung seiner hohen Tugenden war und deren Namen Benvenida Adrabanela von den Zeitgenossen nur mit andächtiger Verehrung ausgesprochen wurde. Zartfühlend, riefreligiös, zugleich klug und muthig, war sie auch ein Muster des gebildeten Tones und deS feinen Umgang-, worauf in Italien mehr Gewicht als in den übrigen europäischen Ländern gelegt wurde. Der mächtige spanische Dicekönig von Neapel Don Pedro ließ feine zweite Tochter Leonora mit Benvenida vertraulich verkehren, um sich an ihr zu bilden. Als dies« Tochter späte/ Gemahlin CvsimoS II. von Medici und Herzogin von Toskana geworden war, hielt sie sich immer noch zu der jüdischen Donna und gab ihr den Ehrennamen Mutter. Dieseedle Paar, Samuel Abradanel und Benvenida, in dem sich Zarksinn und Weltklugheit, warme Anhänglichkeit ans Judcntbum mit geselligem Anschluß an nichtjüdische Kreise vereinigte, war zugleich der Stolz und Nothanker der italienischen Joden und aller Derer, welche in deren wohlthuende Nähe kamen. Samuel Abradanel war, wenn auch nicht so talmudisch gelehrt, wie ihn sein dichterischer Verehrer schildert, doch ein Freund und Förderer der jüdischen Wissenschaft. Er berief mit seiner jungen muthigen Frau den aus Portugal geflüchteten David Jbn-Jachja als Rabbiner nach-Neapel (1818), da die Gemeinde zu klein war, um einen solchen auf eigene Kosten zu besolden. In Samuel Adrabanels Hause hielt der gebildete Jachja Dortrage über Talmud und wahrscheinlich auch über hebräische Grammatik. So bildet« er einen kleinen Mittel, punkt für di« jüdische Wissenschaft kn Süditalien. Ader vauchLtc verderblichen Kabbala räumte Samuel Abradanel «n^Statle ein, ein Beweis, daß er den Lichtblick seines Vaters nicht besaß. In feinem Hause hielt ein Kabbalist Laruch von Benevenl, wahrscheinlich «in spanischer Flüchtling, Vorträge über Kabbala und Sohar und hat dazu beigetragen, sie christlichen Gelehrten zugänglich zu machen. Auch christliche Männer der Wissenschaft verkehrten in Abradanel« Kreise. Ein Jünger ReuchlinS, Jobann Albert Widmannstabt, ein Mann von umfassender Gelehrsamkeit und freiem Blicke, der zuerst in Europa aus den Nutzen der syrischen Sprache aufmerksam gemacht hat, vervollkommnet« in diesem Kreise sein« Kenntnisse der hebräischen Literatur. Talmudische Weisheit.- „Sei lieber der Gefluchte als der Fluchende" (Sanhedr. 49). Dieser Grundsatz, lieber zu den Verfolgten als zu den Verfolgern zu gehören, lieber Leiben zu tragen als zu verursachen, wird im Talmud öfter ausgebrückt, z. B. Sabb. 88, 2. An andern Stellen wird dies symbolisch so -gedeutet: „Unter den Vögeln werden am meisten die Tauben verfolgt, und dennoch hat sie das Gesetz für tauglich zum Opfer erklärt;" „der Ochs wird vom Löwen, das Lamm vom Wolf, die Ziege vom Tiger verfolgt, Stztt aber sprach: bringet mir kein Opfer von den Verfolgern, sondern von den Verfolgten." Allgemeine Zerlnng des Judenthum«. Ro. 52. 1865. Inhalt- Leitende Artikel: Die ungarische Presie uud die Emanzipation der Juden. Zeitungsnachrichten: Deutsch l a nd: Alzey. Oesterrcichischer Kaiserstaat: AuS Oberungarn, Lemberg, Wien. Frankreich: Pari«. Schweden: Stockholm. Großbritannien: Au« Nordenglattd. Rußland: Warschau. Palästina: Jerusalem. - Eorrespondenz: Ru'fische Briefe. (Schluß von HI.) OST Zn beziehen durch jeder Postamt und jede Buchhandlung. Jahrli» 3 Thaler, vierteljährlich y4 Thaler. Verantwortlicher Redaeteur: Dr. H. Lotze. »«Ui »OK »*K«aaujiet’| ST«hanrduig ia Letp^g. — Druck von s. »re,itug ib «tinu.

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