Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 49 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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196 schreibe dir jeden Tag auf. was du an deinem Kind« d«odacht«st, damit du es Knau kennen lernst und dein« Erziehung danach einrichtest. Der Fünft« dedueirt: der Schöpfer hat das Kind an die Liebe der. Elt,« gewiesen, und nur die Lieb« ist die Luft, in der es frisch athmet und die fein« Seele gedeihen macht. Der Sechste »erwirft dies: die Ettern muffen ninnals ans den Augen sehen, daß das Kind voll Ehrfurcht auf die Eltern dlrcke; ihm die ganz« Liede zeigen, heißt es verweichlichen, heißt es dse Eltern mißachten und auf ihre Nachsicht und M,lde rechnen lehren. Und so lauten die wivnsprechenden Vorschriften mehr. Ich nehme meine Zuflucht zu Ihnen und frage Sie, was ist da» Richtiqek Meine liebe Dame! In der Verlegenheit, in welcher Sie Sich befinden, stehen alle Ellern und nicht einmal. Soll ich nun die schönen Grundsätze, die man Ihnen oorqelegt, noch um einige vermehren? Das Schlimme ist, baß Grundsätze zur Ausführung zu bringen und in der Praxis zu verwirklichen, eben die schwierige Aufgabe ist, und daß jedes Kind, ich möchte sagest fast auch jeder Tag an ihm, einen desondern und verschiedenen Fall barbieret. Darum, um recht und wirksam gu ralhen, muß man da» Kind, die Mutter, den Date«, die Umgebungen, die Verhältnisse' kennen. Und die» ist leider dri mir Ihnen gegenüber nicht der Fall. Aber bemerken Sie, gerade daß Ihnen so entgegengesetztei Lehren i und Vor, schrifren aufzesttUt werden, muß Ihnen beweisen, baß keine derselbe» die ganze Wahrheit enthält, daß jede nach einseitiger Richtung hin führt, daß die Wahrheit in der Min« liegt, s» daß eine jede nur in gegebenen Fallen «in« richtige Anwendung findet. Nich^ völlige Freiheit - und nicht pedantischer Zwang, nicht MtauthörliLe Beodachtung und nicht völlige Sorglosigkeit, nicht Liede allein und nicht Emst uni» Strenge allein, sondern von allen ein richtiges Maß zur rechten Zeit. Oie» ist die Mahnung. die ich Ihnen so im Allgemeinen gebe« kann. Ihr Takt, Ihr Gefühl und Ihr, Einsicht müssen das Beste tdun. Es ist in der Erziehung wie in der Medizin. Wer Ihnen ein Recept dringt, welches rin Universalmitcel. das alleinige und überall wirksame Heilmittel srin soll, dem mißtrauen Sie, brr ist ein Lharlaran, der wird wenig nützen aber viel schaden. —' Ist es Ihnen übrigens daran geleaen, meine Ansichten über Erziehung ausführlich kennen zu lernen, so erlabde ich'mir. Sie auf da» groß« Kapitel zu verweisen, das ich im dritten Bande meiner ..Israelitischen Religionslehr»" (Leipzig. Baumaärtner IH65 von S. 3H dis S. 667) diesem hochwichtigen Geaenstand, gewidmet habe. Misccllen. Der I «ue Lord-Maror von London, Herr Philipps, ist ein Jude. Gestern, bericht,r man ber „N. fr. Pr." am «s:en Rov., i'* der neue Lordmayor nach erfolgter erremoniöser Jnstallirung für den auf feine Gesundheit ausgedrachten Tn'nksproch bankte, rief er aus: „Ich bin vor Allem ein Bürger, unv stolz bin ich, daß mein, Mitbürger mich dieser ehrenvollen und ausgezeichneten ' Stellung für würdig hielten. Ich betrachte diese Muni-! ripslität als einen der großen Marksteine ln der Geschichte | unseres Landes, and ich vertraue datauf, daß der Tag nicht so bald ßommen wird, wo krgrnd Jemand eS wagen wollte, diesen Markstein zu entfernen!" Das war brav gesprochen. Auch die folgenden Worte, worin der neue Lordmayor das Versprechen leistete, nach Kräften und mit allem Eifer seines Amtes walten' zu «ollen, machten einm guten Eindruck. Here Philipp» ist Israelit feines Glaubens. Die gesellschaftlichen Vorurtheile, die in England sonst noch gegenüber Israeliten herrschen, find natürlich in ber City am wenigsten verbreitet, denn dort drängt sich ja ein Gewimmel von Menschen aller Narionalitäterr und Sprachen zusammen, i Bei der gestrigen Einschwörung ins Amt hatte der | Lordmayor den herkömmlichen Eid zu leisten, daß er „n i ch t s ' thun wolle, was die protestantische Kirche I des Landes schädigen könne". Beim Nachsprechen diesis Schwures zitterte die Stimme de- Mayors vor Bewegung, al» er an da» Wort „protestantisch, Kirche" kam. Es ist keine Gefahr vorhanden, daß er dieselbe . schädigt. Seine innere Bewegung erklärt sich aus dem Gefühl, daihn überkommen mochte-, baß er, da» Mitglied einer ehemals vielverfolgten Rare, in eine Stellung , erhoben worben, die ihm einen solckrn Eid auterleat! \ - (Hohes Alter.) In Böhmisch - Leipa'starb am 30. Oktober eine israelitische TralteurS, Witwe im Alter von 103 Jahren. Am 12. Juli war daselbst ein 104 Jahre alter israelitischer Fleischhauer gestorben. Curiosuui. sEin Autor von Gewicht.) In Paris starb am 6. d. ein Tagesschriftsteller, Namens Eli Levy (aus Hamburg), der ein Gewicht von 4tz0 Pfund hatte. Er war so dick, daß er zuletzt gar nicht mehr durch gewöhnliche Thüren kommen konnte. : Allgemeine Zeitung de» Iudeutbum». No. 4«. I8W. Inhalt: Leitende Artikel: Die Lbergespäne und Wahl- ■ kandidaten. Literarischer Wochenbericht- — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Wcrm«. Preu- ' ßeo: Berlin, Berlin. Oesterreichischer Saiierstaat: Lemberg, Lemberg. Aus Mahren. Italien: Padua. Schweiz: Bern. Frankreich: Pari». Rußland: Berditschew. DLncmatl: Kopenhagen. Neueste». Berlin, Berlin. Lew- ' berg. Lorrespondenz: Abfertigung. H3S* Zu beziehen durch jede» Postamt und jede Buchbandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % T Haler. Verantwortlicher Redaeirur: Dt. H. Lotze. vo» i, — 3>r*d vo» a». »reoli,« is