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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 48 (1865) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
48 (1865)
Date
1865-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt Zur Belehrung und Unterhaltung auf jüdischem Herausgegebcn Don Rabbiner Di*. Ludwig Phili-Psou in Bonn. rni ä r» « i von fcid« Zeitschrift erscheist «SchnlUtch ei«» Nummer. Preis de« Jahr» r n . I Mrn. 4-0 1 Shi)J gang« l Thtr. »ienrljöhrig 7 bi Ngr. «Le Vuchhavdlvugeii, Poftämler I ) > LVgv. TV. luvw.j * uo» Aeinmggerveditioit«» »«b»e» »e»eü««ge» a«. L1 « Gebiete. ahrg. 4. Hlmrtsl.j Die Stiftung. Erzählung aus der jüngst«» Zeit. (Fortsetzung.) Als der Knabe Levy zum Bewußtsein erwachte, er» kannte er, daß er der Sohn einer armen Wittwe und zwar der jüngere sei, denn er hatte noch einen ältern Bruder, und zwar einen um zehn Jahr ältern. Sein Darer war so bald nach seiner Geburt gestorben, daß er sich seiner durchaus nicht erinnerte. Keine Spur von dessen Bilde war in ihm zurückgeblieben. Nach Jahren harter Entbehrungen ward eS etwas besser im Hause der Mutter. Ihr ältester Söh'n har mit Geschick und Glück ein kleines Geschäft begonnen, bei welchem die Mutter auch rhsltig war. Ader Levy hatte die bessere Kleidung und di« reichlichere Nahrung bitter zu bezahlen, und er hätte gern den früher» Mangel und Hunger zurückgerufea. Denn sein Bruder war jetzt Herr im Hause, und da er immer der Liebling der Mutter gewesen, so folgte diese seinem 3BUi«n in alleti Stücken. Nun ließ, es sich auch nicht lejugnen, daß Levy ein wilder und leichtsinniger Knabe war, der sich gutmürhig von seinen Kameraden mißbrauchen und verführen ließ, in der Schule geringe F-rtschritie machte, aber desto mehr lockere Streiche ausführte. Dafür wurde er von Prüder und Mutter miß» handelt, j zurückgesetzt und gekränkt. Erhob sich der Knabe gegen Leidenschaft und Ungerechtigkeit, so wurde es nur noch schlimmer. Dadurch verbitterte sich das Her; de- Knaben mit jedem Tage mehr', und er suchte mehr außer dem Haufe als in ihm die Stätte seine- Verweilen-. Worte der Liede kannte er längst nicht mehr, desto njehr Blicke des Unmuths und der Verachtung, die er reichlich zurückzahlte. Als Levy das 14. Jahr zurückgelegt hatte, riefen seine Mutter und sein Bruder ihn in ihr Geschäftszimmer, zeigten ihm ein kleines Paket Waaren, und sprachen zu ihm: D"S ist Dein Eigenlbum; damit erwirb dir deinen Unterhalt, für welchen Du wöchentlich einen Thaler zu zahlen hast. Bilde Dir aber nicht ein, daß wenn Du diese Waaren Vergeuder hättest, wir Dir irgend «i.uen Ersatz geben würden: Du müßtest unerbittlich aus dem Hause und dürftest unnicht wieder zunahe komnien. Der Angeredet« wußte zu gut, daß dies völliger Ernst sei. Levy war ein gewandter Knabe, der den Leuten ihren Ge» schmack, ihre Wunsche und Bedürfnisse vom Gesichte zu! lesen bald lernt«, dabei gutmüthig, sich. Er gewann daher bald eine dienstgefällig und redgute Kundschaft auf dem Lande und fand überall leicht Au nahm«. Sein Gewinn anfangs hielt er mit »bstoßrnde Behandlung war größer als sein Bedarf und jenem ordentlich Hau-. Aber die zu Hause, wo ihn der Bruder älS einen-unmündigen Knaben mit Stolz und Herrschfuck t traktirte und er in den Winkel gestoßen wurde, unl WirthshauSledenS auf seinen Hau irwegen brachten ihn mir der Zeit zu einem lockern 1 ebenswanbel, den die bitter» Vorwürfe der Seinigen n cht unverdient träfen, obschon sie selbst die nächsten U chrber waren. Seine freien Stunden pflegte er bereits n Kneipen und Tanzlokalen zu verbringen. In dem Hause, wo seine Mutter wohnte, befand sich ein anderes Kind, um einig« Jahre jünger, aber unter ähnlichen Verhältnissen. E« war ein Waisenkinds da» von einem Oheim zu sich g uommen worden, zum großen Aergerniß von dessen. Frau, die «S dem kleinen Mädchen entgelten ließ, baß es vo a den Brosamen ihres Tisches kümmerlich ernährt ward. Was Wunder, daß die Beiden sich frühzeitig fanden u ld ihre, Noch in Spiel und Tändeleien mit einander vergaßen.' Das weibliche Geschlecht besitzt eine größere Port schlimme Lage etwa» zu verbessern die seinen Arm drücken, etwa- Weichezu bringen, baden Druck vermindert. So getan; eder kleinen Hän» nele Mathi-, der bösen Tante ma manchen Apfel audem Speisesch theilte e» redlich» mit Levy. Als dais Mädchen heranwuchs, wurde sie zu schwerer Arbeit ang> halten; sie machte sich aber dadurch allmälich so unent ehrlich,, dckß, als die Tante kränklich wurde, sie sich einq im Haufe verschaffte. Jetzt war on List, um sich seine und unter Pi« Fesseln, tches Stück Brod und ank zu holen, und sie yiml/s vup , Ul? IMT ziemlich freie Stellung rie Rejhe an.Levy, der Hännele für ihre früheren Gaben x on seinem überflüssigen »änderten allerlei Putz» Händen Levys in die Nicht lange, so folgt, und mochten deshalb über sie Hereindrechen, daß sie von den Alten Erwerbe zu vergelten, und bald sachea und Näschereien auden des frischen und drallen Mädchen», sie ihm auch auf die Tanzböden zu Hause noch so viele Unwetter dir jungen Leute trotzten darauf, Nichts verlangten, und man ihrjen deshalb freie Hand lassen Müsse. Die schlimmen Folgen solches- Leben» blieben nicht aus. Man weiß, welche strenge S ittlichkeir in den meisten Ländern auch unter den unters en Klassen der Juden herrscht, und welche Schmach ür die ganze Familie

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