Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 47 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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188 dem offenen 2?d>*.ui?e auf euren Stuhl unO ferne Kräfte schienen »oilig erschöpft. „Es muß sein." murmelte er vor'sich yin, ..die Stunde ist gekommen. 3$ habe keine 3eu mehr <u verlieren, denn noch ein Mal, fühle ich, mache ich diesen Weg nicht mehr." Ein krampfhafter Husten ergriff oen schwachen Mann, daß er-sich mit beiden Händen an der Schrankldüre fest, ' hatten mußte, um nicht vom Stuhle heradzusinken. ES { währt, lang, di» der Husten sich wieder gelegt und der | Kranke einer Bewegung fähig wurde. Dann abe<'schien ein entschlossener Mutb sich seiner zu bemächtigen. Mit hohler Stimme rief er aus: „Dir ihr mich verlassen . während meine» Leben», ihr sollt von mir verlassen bleiben;! die aber ich verlassen und übersehen, sie sollen von; mit bedacht sein!" In dem Schranke befand, sich auch ein Schreibzeug. Levy ergriff eine Feber. rauch« sie rin und schrieb mit zirrrrnben aber lesbaren Buchsttzden auf das große Paket die Worte: ,.Für wohtthälige S ifkungen nach den Bestiminungcn, die ich dem Rabbiner st'. Man, de! anvertraut;" und auf da» zweite schrieb er: .Für die : christlichen Armen der Stadl nach den Beschlüsen Ce» Magistrat»;" und auf da» kleine Paket: .«Für yannele Matttii«." .Er fügte jeder dieser Aufschriften seine i» vollen - Namen bin;». ,.E» ist geschehen," sprach ec zu s ch fell-st, ,.und -nun Adieu, Lebest — ich bin fertig." Noch eine Anstrengung, und der Schrank wawieder geschaffen. und Levy tappte -noch ein Mat ay ftn Wand di» zur Tbüre, schloß diese wieder auf und waikte bi« zu seinem Lager. Hier aber verließen ihn die Krisle und er sank ohnmächtig vor demselben zu Bobin. Eine kurze Weile darauf trat Hännele wieder in das Zimmer »nb sab den Kranken tm Schlakrock a lf dem Boden vor dem Bette liegen. Einen Schrei de l Entsetzen» ausstoßend. stellte sie schnell die Flasche ms den Tisch, riß sich den Mantel von den Schultern und stürzte auf den wie leblos Liegenden hin Sie hob mi> großer Krakran'trengung den Körper 'auf und legte ihn ^uf bas Bert. Dabei schrie sie: ..Levv. Levy, wa» hast macktf Wie kommst Du au» dem Bette und Schlarrock^ Wa» ballst Du vor, rhörichter, Manns" Ader Levy konnte ihr nicht antwortenJ denn er vernahm diese Worte nicht. Sie schrie jo enlfetzli'ch, daß ein Nachbar, dessen Wohnung auf derselben Fl«r ber.- deikam, und sie sandte ihn nach dem Arzte. Sie öffnete die Weinflasche und flößte dem Leblosen einen Söffe i^S Znbatts bei. Sie rieb ibm die Stirn und die Herzgegen.' immerfort seinen Namen ausrufend. Endlich ließ sie von ihren Bemühungen ad. schlug die Naydr zusammen und sprach: „Er ist tovr, er ist rodt!^ . » . Ab.r.in diesem Augenblicke schliß. Levy die Augen wieder au' und rin schwerer Seufzer »nwand sich seiner Brust. Sie reichte.ibm ein Gla» Wassed>'er log einige Tdopfcn?avon ern. rmd lein Athem belebte sich wieder.; Nun wandte sich ibr Mitleid wieder in Grimm um u»d sie überschüttete den noch bald Bewußtlosen mit Schelte» und Zankworten. Der Kranke antwortete nicht ein Mallburch Zeichen, und der Flutk ihrer Reden machte endlich der du qein den kranker .Iiurelenbe Arzt i n Ende-. Dieser gebot Ruhe, untersuchte den Kranken, gab ihm eine belebende Arznei, und und verließ ibn erst, als er in einen ruhigen Schlummer ver'unken war. 2. Der Tod erinnert an die Geburt, bas eine Ende an da» andere. E» sind nicht bio» die aufeinander folgen, den Tage, Monde, Jahre, die den zusammenhängenden Faden zwifchen beiden bilden, sonbem innerlich besteht rin starke» Band, das beide an einander knüpft, da« aus beiden, was auch in diele» Band eingewirkt fei. ein feste« Ganze» macht, so daß dieser Tod nur diese Geburt haben konnte und diese Geburt nur zu einem solchen Tode führen mußte. Da wir am Sterdrdttte Levy'» stehen, werfen wir einen Blick auf brsscn Geburt und da» Band, dessen Enden Beide sind. (Fortsetzung folgt.) Talmudische Weisheit- ,.Zn feinem Hause ist auch der Weber ein Fürst." (Megil. 12, 2.) E» ist dies eine große Wahrheit, die namentlich für unsere Väter in den Zeiten der Bedräng: niß zu großer Tröstung und Entschädigung gereichte. Alle Mißachtung draußen war vergessen im Hause, wo die Liede und die Verehrung der Seinigen auch den Mißhan» deltsten umringte und ibm Ersatz gewährte. — Sonst kann der Spruch auch anbeuten, daß selbst der Geringste einen Kreis hat, in welchem er herrscht, ja in welchem er selbst Tyrann ist. E» ist eine leidige, aber richtige Erfahrung, daß der, welcher eine drückende Behandlung erfährt oder erfahren hat, eher geneigt ist Andere zu drücken, als mitleidig und schonend zu sein. „Drei liebt Gott: wer sich nicht erzürnt, sich nicht berauscht und nicht starrsinnig auf seiner angeborenen Weife beharrt." (Pessach NA, 2.) Don allen Dreien wird die Selbstüberwindung geübt, und dasjenige überwältigt, wozu die Natur ihn treibt. Es ist also damit ausgesaqt, daß die Tugend der Selbstüberwindung eine hohe, Gott wohlgefällige ist. Allgemeine Zeitung des Iudenlbums. No. 46 18;;'«. Inhalt: Leitende Artikel: Race oder Eesckichre? und da» „Morgenblatt." Zeitungsnachrichten: Deutschland: Tauberbischofs, heim. Preuhen: Berlin, Berlin. Oesterrei cbijche r Kaiserstaat: Fünfkirchen, Lemberg», Prag. Frankreich: Pari». Donaufürfienthümer: Bukare'i. Australien: Neu-Seeland. Evrrespondenz: Zum 1. Ockoder. rCS" Zu beziehen durch jede» Postanit und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich W THaler. BeranlwottlicheU.AstacieUr: vr. H. Sotz«. vrri,, V-), Parti Vath-arräag I, r'e:»r'§ '«ni« VS, « *rca-ia| 11 kr,?;:.