Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 47 (1865) · p. Seite 187

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
47 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 187 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4908862-5999392-6026772--3099-4911330
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

187 Die Stiftung. Erzählung audrr jüngsten Zeit. 1. „Hanne!,, weißt Du wag?" rief eine matte Stimme von dem Letke her, dain einer Ecke des Zimmerstand, einer ältlichen Krau zu, die auf einem Stuhle am Fenster faß und strickte. „Was soll ich wissen, Levyl" lautet« di« Antwort, die in einem etwas mürrischen Tone gegeben ward. „Ich Hab, mir gedacht, daß ich der Vorschrift des Arztedoch folgen will; Du sollst mir eine Flasche To« j kayer auder Weinhandlung holen, wenn sie freilich da- > ungeheure Geld, zwei Thaler fünf Groschen, kosten soll, | damit ich dann und wann einen Löffel voll davon nehme, j Ich fühle, daß eschnell mir mir zu Ende gehr, und > wahilft emir da, wenn ich emir vom Munde! «eg spare." „Emuß wirklich nabe vor seinem Ende sein, wenn er sich so Etwaerlaubt," murmelte da- Weib in sich hinein. ,Lch habe nichtdagegen," antwortete sie laut, „und wen» Du willst, will ich gleich geben." ,,Tbu da-, siede Hänaele," «rwiederte der Kranke, . faßte unter sein Kopfkissen, holte da ein lederne- Beutel, chen .hervor, nestelte eauf und holte dabezeichnet« Geld heraus. ES machte ihm dieviel Mühe, und seine Hände zitterten fortwährend dabei. Ob hieran seine Schwäche allein, oder auch der heimliche Unwille, so viel Geld au-gebe» zu sollen, Theil hatte, wollen , wir nicht; entscheiden. Er hielt da- Geld noch in der Hand, und steckte da- Beutelchen wieder weg, aler die Wörtern» ' zufügle: „Und weißt Du wa-, Hännel«, Du kommst da bei dem vr. Mandel, unserm Rabbiner, vorbei: so geh I doch mit heran, und sage ihm, er möchte N^ichmittaA' einmal zu mir kommen; aber ja nicht später!" Die Frau war aufgestanden, hatte ihren Strickstrumpf in eine Kommode geschoben und trat nun an da- Bett.; „Wawillst Du denn nur, Levy, mit Deinem neumodischen Rabbiner? Er war nun zwei Mal schon hier, ' und ich muß jede- Mal da- Zimmer verlassen, audem ich sonst nun seit zwei Monaten nicht Tag nicht Nacht habe weichen dürfen. Wie? treibt er Erdschleicherei? Willst ' Du ihm Dein Vermögen hinterlaffen? und mich arme Kreatur willst Du zu Noth und Elend verdammen,; nachdem ich Dir mein Lebenlang bin treu geblieben, und Dir zehn Zadre lang um dabi-chen karge Brod ge-! dient habe?", Diese Worte wurden sehr Herde gesprochen,! und auden grünen Augen der ältlichen Frau schossen. Blitze des Zorne- und de- Hasseauf den schwachen > Kranken nieder. So code-bleich fein Gesicht auch war, nicht ein i Schatten von Röthe konnte sich noch auf dasselbe legen, , wenn auch die gerunzelte Stirn und die Lichter auden 5 malten Augen und dakrampfhafte Zittern seiner Hände | bezeugten, wie sehr er sich von dieser Anrede aufgeregt , fühlte. Der Tod hatte bereitseine Hand sichtbar auf diesej Haupt und diesen Leib gelegt, und die hohlen grauen | Wangen und die bleichen Lippen und die verlängerte weiße Nase und dairre Flimmern der Augen verriethen , die Nähe de- Augenblicke-, wo Seele und Körper einander! ihren Adschred-gruß in schweren Kcmpfen ^sich zuzurufen haben. „Don der Chedrah, fügte ke hinzu, willst Du nichtwissen, so Noth eauch thäir, und >d«n Rabbiner kannst Du nicht oft genug bekomme«." „Vermögen? hinterlaffen?" stiej endlich der Kranke hervor, „waweißt Du von Denn »gen? Wer har .Vermögen? . . . Doch zur, ich will e« Dir sagen. Ich hinterkaffe Dir so viel, baß Du ruh g und sorgenlos und viel besser als dijetzt davon dian Dem Ende leben kannst. Ob und warum Du mir reu.gebsieden. ob und warum Du mir gedient, darüber wvle« wir jetzr schweigen. Ädrr in meiner Sterbestunde, in l er ich mich befinde, wirst Du mir glauben, daß ich fr r Dich^ gesorgt habe. Ader dasage ich Dir, ich habe au h dafür gesorgt, daß, wenn Du mir im Geringsten noch §t«azuwider thust, Dir Alleverloren gehr. Du hast mir zehn Jahre gedient, mich ader auch zehn Jahre n allraitstr. Jetzt will ich ruhig strrdm. Geh zum Rabb ner, wie, ich Dir geheißen.".! Da« Weib murmelte noch lange in sich hinein, unhemögen häßlich« Worte genug d irunter^ gewesen sein; aber wir vermochten sie nicht zu verstehen, und auch der Kranke nicht, der fein Antlitz zur Wand gewendet hatte. Die Frau ging in ein Nel engemach, und^kam bald in Mantel und Mütze wiede hereisi. Sie warf keinen Blick auf den Kranken, spraä kein Wort de- Ad? schiede-, und verließ da- Zimmer. , ' Sehen wir uuin diesem Etwaum. E« war Allein ihm äußerst reinlich, damuß man gestehen; auch konnte man nicht gerade die' Spur n der' Armuth entdecken, denn «S war Alleda, wal ma»! haben muß««. Ader doch nur in sehr engem Maß«,— und nichtzeugte von Comfort oder Wohlhabenheit. Die Geräthe waren atr und von gewöhnlichem Eichenhol , die Vorhänge von ordinairem Stoffe und geflickt;, Spiegel und sonstige Zierrathen hatten überflüssig gefchiene-, und nuc ein großer eichener Geldschrank, von alrmobische n, aber festem Bau, in der dem Bett« gegenüber liegen en E^ke konnte die Aufmerksamkeit einen Augenblick fef eln. Dabin wandte denn auch der Kranke sein Gesicht mb seiine Augen, sobald die Frau di« Thüre hinter sich geschloffen. E4..lag in seinem Blicke, alob er sich durch das Anschauen de- Schrankes wieder' beruhigen, u rd Kraffk und Stärkung daraus ziehen welle. Nachde«, er «ine kurze Zeit ruhig fo gelegen^ begann er einige Anstrengungen zu machen-, um sich >aus dem Bette zr erhellen. E« ging nur sehr langsam, und oftmaligestöhnest entrang sich seiner Brust, wie über die geringe Herrschaft, die er noch über seine Glieder behalten. Endliö gelang eihm, die abgemagerten Gliedmaßen auf den D den zu bringen, vön einem Stuhle zu Häupten de- Beltenahm er einen alten Schlafrock, den er mit noch ««ehr Mühe über sich warf und endlich stand er aufrecht. Den Kopf auf die Brust gesenkt schlürft« er, sich an d u Gegenständen und an der Wand festhaltenb, bizur J hür«, schloß diese zu, und bewegte sich zu dem Geldschra »k. Ein «genthümlicher Schlüssel und der Druck auf einen Knopf machte diesen sich öffnen. - Ein Kasten wur >« aufgeschoben, und nun erblickte man in demselben dr<i Pakete, von denen daeine von außerordentlichem, darnderr von mäßigem, dadritte von geringerem Umfangt war. Le.vy sank vor

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.