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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 43 (1865) · p. Seite 171

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
43 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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171 Blos mit dem Wortsinn zu begnügen sich. Führt nur zu Uebertretung und Vergehen; Wir wären, ohn' die Welfen, Blinden gleich. Die oha« treue Führer hilflos stehen. — Der Karait«: O Most» Work ist klar, wie fein Gebot Verständlich dem Verständ'gen und bekannt; Und wer sie dunkel nennt, der giebt sich Preis, Der zeigt nur feine- Kopfe- Unverstand. Wabraucht eda der Weifen Deutung erst? Der Lehre Sinn giebt sich dem Herzen kund; Drum ist der Deutler Grübeln ohne Werth, Ihr Mühen nur vergeblich, ohne Grund. Der Ra dda nire: Mein Sohn, ist Deine Stütz» da- Gesetz, Und kann Dein Herz Dir fein« Deutung sagen: Nimm einen Der- und stell Dich gegen mich, —- Laß mit einander einen Kampf unwagen!! Sprich, wie er anzuwenden, zu vollzieh'», ] Und welcher Weg hitria fei einzuschlagen. — Wenn Du da- Allezu enthüllen weißt, Ohn' Mrschna erst und Talmud') zu befragen, — Dana will ich meinen Irctkum eingesteh'n, ' Bekennen, Dir gebühr' die Krön' zu tragen. — Der Karaite: So lang ich leb', halt' fest ich an der Schrift, Schreib' meinen Erben vor, daran zu halten. Wageht die Ueberlieferung mich an? — Mich kümmert nicht der Commentar der Alten. Ich thu', wie meine Väter einst gethan, Alsie auf Zion'- heil'gem Erdreich wallte«, — Da wußte man von Talmudisten nicht», Da gab'- noch keine Geonim* *)*@«flalt«fl. Sie aber lebten Gott getreu, und Er Ließ über sie sein Wohlgefallen walten. — Der Rabdanite: Wenn Deine Väter einst im heil'gen Land Sammr ihrem Hau» gelebt nach Gottes Wort, Geschah'-, weil — wenn auch keine Geonim.— Doch Priester und Leviten waren dort, ' Und die Propheten, deren Amt es war. Da- Volk zu unterweisen fort und fort. Da sie geschwunden, hat an ihren Platz Die Geonim gesetzt der ew'ge Hort. — Der Karait«: Wenn Eure Lehrer nur da- Schriftwort schonten, — Ich könnt' für ihre Satzung mich entscheiden; Allein sie schalten frei mit Gotte- Lehre, Darum muß ihre Pfade ich vermeiden. Da- Schrif.'wort: „nicht am Sabbath Feu'r zu machen,"— Dasuchen sie spitzfindig zu verkleiden >) Hier steht im Urtext, de» Metrumwegen, Talmud für Gemara. *) Geonim ist die Mehrheitsform von Gaon: „Herrlichkeit;" diesen Titel führen die jüdischen Schul - Oberhäupter in Babylonien vom fiebenten bis ins elfte Jahrhundert. Und zünden an die SabbathrLamp*) und zeigen, Daß sie, trotz ihre- Licht-, an Dunkel leiden. Drum glaub' ich kein« Sünde zu begehe«. Auf ihrer Glaudea-Haide nicht zu weide». , Der Rabdanite: Wem leuchtet M Verstandes Licht, dem wird Im Geistesblick die. Wahrheit sich ergeben. Wenn mit sich selbst die Schrift im Widerspruch, —! Die Lehrer ihn zu lösen müssen streben. Wer in der Sabdathnacht im Finstern säß' — Strafwürd'ge Sünde würbe der begehen. Doch nicht am Sabdath zünden Licht wir an, — Noch eh' er eintritt, ist'- beteitgeschehen. Wohl darf, waman am Werkelrag volldnngt, . , Am Sabdath dlelben wirksam fortbestehe»; Und brannr am Sabdath ja die Flamm' auf dem Altar — kannst diese Frage Du umgehen? Drum öffne Deines Herzen- Augen — kehr' Zurück' bann wirst dawahre Licht Du sehen. —, Der Karait«: Ermüdend nur ist alle- »Wortgepräng': — 1^ Werth liegt in Gottes Wort, dem «ei-heir-reichen; . Vollkommen findet'-, «er Verstand besitzt, — Der Thor nur dichter an ihm Mängelzeichen. Der Lehrer Sprüche sind ein Wei-heit-danm, Deß Wurzeln tief in- Herz der Weisen -r-ichen. x Gleicht das Gesetz dem Tempelkeuchter, find Die Lebrer dessen Kelchen zu vergleichen. Ich weiß, wer ihre Weisung, Übertritt, , Deß Hoffnungsstrahlen werden bald erdlsichen. ' Doch meine Väter kannten da- Gesetz -j- Wke dürft' von ihrem Glaubenspfad ich 'üeichen? — Thät ich'- und nähme Deinen Glauben an — ES hieß', sie audem Luch der Frommen streichen. — Der Rabdanite: __ j '■ Weil Deine Väter sich geirrt im Handeln, Willst Du wie sie auf falschem Pfade wandeln? — ,.. gag Dich von ihnen los und laß sie fahren, * efreie deine Bahn von den Gefahren! Kehr' um, und woll' auch Gotte- Satzung lieben, Die, wahrlich! nicht zur Kurzweil ist geschrieben. Betracht nur da- Gebot vom Hüttenwohnen, Das der erwählten ward der Nationen. — Wer ohn' die Lehrer schafft« hier dir Licht? Wer kehrt, wann recht dl« Hütte, und wa»n nicht? Wer gäbe Aufschluß Über Läng und Breit'? Wie Über Höhe, Hell' und Dunkelheit? — Und ob sie schräg sein dürfte, ob nur grab« . Ob auch ein Eickel, oder blos Quadrat?*)-— Und was wäe' erst vom Sabdath gar zu sagen. — *) Was übrigen- 'eil dem siebzehnter» Jahrhundert auch dir Karaiteu — wenigstendie io Europa wohumkeo. lhuu. *) Der Dichter hat hier zur speziellen Lerauschaulichung der j Unzulänglichkeit des karaitischeu Prinzipeioea Gegenstand gewühlt, dessen nähere Bestimmungen dem gewissenhaften «an»- ittn durchaus nicht gleichgültig sei» können, — der ihn daher von der Nojhweydigkeit der traditionellen Easuistil volUv«««» überzeugen mußte. «

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