Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 43 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur Belehrung und Unterhaltung aus jüdischem g^Kiele. HerauSgegtben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsoll in Bonn. flto. 4». 1865.] Ben tiefer * *}«itt<fcrift cricbrint iscftentltft eint dtummer. Prell de« 3»dr« gattg« 1 Lb>r. Bientljabri« 7 V Ngr. BUt. Buldbanvlnugen. Postämrer nnd Aeitu»s»erpebiriv»en nebnien BeKellnngen an. -■»- . f [12. Isilrg. |4. Quartal,] Der Glaubensstreit üou Chorist, übersetzt von Kämpf. Da« unsterbliche Gedicht Charisi'«, b,S neuhebräifchen Dichter« im maurischen Spanien auder ersten Hälfte de« 13t<n Jahrhundert«, Tachkemoni, hat zu einem großen Tbeile einen ausgezeichneten Bearbeiter in Vr. S. Kaempf zu Prag gefunden. *) Wir geben hier 'eine schöne Makame, den Streit zwischen Radbar niren und Karäeen behandelnd, wieder. Hem an, der Esrachire, spricht: Ich pflegt in meiner Jugend nach den Orten — der Weisen — hinzueilen — und an den Pforten — von Getehrteakrelfen — |u verweilen, — um zu sammeln ihr« Worte, die wie Perlen Helle, — und zu schöpfen au« ihrer GiansprLche Quelle, — um den Honig zu genießen, — der au« ihren Reden pflegt zu fließe«. — Gin»« Tage-, al« ich im Kreise der Weisen mich befand, — mit meinem Ohre ihren Worten zugewandt, — war in ihrer Mitte — Heber, deeKenile; — er, der Meister der Witze, - — an der Berufenen Spitze. — Die Menge, — um ihn machend ein Gedränge — und ihn nehmend scharf auf« Korn, — um zu schöpfen au« seiner Kennrniß Born, — fragte ihn über die Chuthäer, *) die schlechten, — und ihren Glauben, den unechten. Er sprach: Wisset, wa« die Amphibien in ber Thierwelt Regionen — da« sind die Chuthäer unter den Bekenner» der Religionen; — sie die Samaritaner — sind nicht Juden, nicht Christianer, noch auch Muhammedaner, — sondern eine Creatur — von eigener Structur. — Wie übel e« um sie bestellt, —. weiß alle Welt. — Und wa« fragt Ihr auf einen Verein, — der gemein, — und «ine Gesammlheit, — die in der Derbammtheit? — die wie ei« Zweig ohn' Saubgewind, — und ein Daum, an welchem kein« Wurzeln sind? — deren Prophet — Sandallar der Choronite,*) — und deren Majestät — der Sklave To» bijja, der Amomte?«) — Doch trotz diesem bösen Stern >) Die ersten Makamen au« dem Divan be« LharLfi von vr. S. Kämpf. Berti«, 184$. Nichtanbalufische Poesie onba< lustsä»er Dichter ff. von vr. S. Kämpf. Prag, 1888. *) Samaritaner: man nannte sie auch Ehulhaer, weil fie au« der affvrischen Provinz Ehutha nach Palästina eiogewaobert sind. Siehe 2 v. der Kön. 17, 24. •) und *} Siehe Rehem. 2, 10. — möchten sie gelten gern — al« Bekenn!» unsrer Lehre, — und erheben sich prahlerisch über unsre Ehre, — wie «in Knecht, der gegen seinen Herrn stolzierti— und freche Reden führt. — Sie stehen in Verdacht, — daß sie die Thora diebisch an sich gebracht, — und während da- Gestohlene liegt in ihrem Schooß, — thun! sie mit ihrer Ehrlichkeit groß. — Sie geben für, — daß sie wir wir in ber Thora erblicken ihr Heil; — und thun doch in Allem da- Gegentheil. — Unholden [ Trunkenbolden find fie zü vergleichen. — und denen die im Kinstern schleichen. — Ihre Satzung ist eine schlechte, — und ihr Glaub« nicht der rechte. — Damm ist tilp Verein — nür klein, —k nicht tausend Köpfe zählt ihre gemein! — Ähre Reihen sind gelichtet, — und übel zygerichtet, — gedrückt und otyu Muth, —und nicht gut. — Da sprachen die Hörer: Und wa« hältst du von den Karäern, — den Minlnn?1) — Die die Worte upferer Alten*) — für nicht maßgebend halten? — I Er sprach: Die Karäer — stehe;» ua« schon näher — al« Bekannte — und Verwandte; — nur daß pb an die mündlichen Lehren — sich nicht kehren. — Indessen obgleich sie sich zue Thora bekennen, — kann man sie doch nicht Israeliten nmnen; — denn ihrem Wahn ^—7 unterthan — haben eine falsche Richtung sie genommen — und sind vom rechten Pfade schnell adgekvmmen. —. Da sprachen die Hörer: Wie aber konnte ihnen die' Wahrheit mrgehen?,— wer Verstand hat, muß ja verstehen, — über den Unterschied sich zu verständigen — zwischen eine« Tobte« und einem Lebendigen? — Sie sollten doch wissen, daß die Dhorah ist wie ein Schloß, — vor dessen Eingang liegt eia Schloß, — und in dessen Gemächern find aufdewahrt — Edelsteine jeder Art? — und daß nur unsrer Weisen unterweisend Wort — aufzuschließen vermag den verflossenen Ort, — auf daß man kann walle« — in seine Hallen — und Besitz ergreifen von seinen Krystallen? —, Sollte aber der Schlüssel verlor«« gehen, —> wer würbe da« Schloß zu erschließen verstehen? — Er sprach: Da« Alle« sollten ein sie sehen, — doch wollten sie. nicht eingestehen — und sich lassen ermahnen. — baß ihre Ahnen — eine neue Satzung haben eingesetzt — M Minim, Minier: Seetirer. *) Die Tradition.