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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 42 (1865) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
42 (1865)
Date
1865-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ZLdischxs Bolksblatt. Zur Lelehrunli uni) Unterhaltung auf jüdischem fftSiete. HerauAgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig PhiliPPson in Bonn. Mo. 42. MS.^, «o» diese, ttfrtiai »McntttA ciq« Kumm«. P«i« de« V»hrrJ ft „ , . . . - «aug« l Zblt. VierreljSbri» 7 \ Ngr. Hlle Vvchhaadluage», Peftimt« 1 / jnhrn | 1 «JUSTlHl I nk äctnina»«?9e»itua«a «bm«, V«»«Au»,« u. LAÄ'* <3‘MU»,I Die Juden von Tetuau. Folgendeausführlich« Gemälde der Zustande und Sitten der Juden in Tetuan bietet zugleich eia Bitderselben in Marokko, ja im ganzen Orient. Die Ge» meinoe zu Tetuan, aus 7—8000 Seelen bestehend, ist die bedeutendste des ganzen marokkanischen Reiche-. Sie stammt von den alten spanischen Auswanderern ad und har alle Ueberlieftrungea der vergangenen Jahrhundert« bewahrt. Da zu einem richtigen Urtheile eine Keantuiß auch der andern Bewohner des Landenothwendig ist, so sind in der folgenden Schilderung di« Zzzüände der Araber mit denen der dortigen Juden verglichen, »»durch die Dinge erst ihr rechte- Licht empfangen. l. Oeffentlicher Unterricht. Die Araber besitzen «ine bedeutende Anzahl kleiner Schulen, wo übrigennur der Ktzfan und Arabisch, lesen gelehrt wird. Die Zöglinge sitzen dort All« auf der Erde, mit geschorenem Kopfe, gekreuzten Beinen, Jeder eine Holzrafel in der Hand, auf welcher einige Stellen audem Koran eingeschrieben sind: während de- Unterrichts machen sie beständige Bewegungen , wie dih europäischen Juden während de- Talmudstudium-. Sie sprechen Alle ganz laut, so daß ein großer Lärm entsteht. Man muß an» nehmen, daß d,s Lehrer, der inmitten seiner Zöglinge auf der Erde sitzt, durch die Gewohaheil von diesem betäuben» den Lärm nicht allzusehr gestört wird. Alle ihre Schulen befinden fich im untersten Stock» merk, ihre Fenster gehen nicht auf die Straße, auch stad sie düster, schmutzig und in einem traurigen Zustand». Uedri» genläßt man keinen Europäer herein, keinen Kapher (Ungläubigen), keinen Naareni (Nazarener oder Christen.) Ader wabesonderauffallend, ist, daß de« Kindern der armen Araber gar -ein Unterricht ertheilt wird; auch findet man wenig Araber, die lest» und schreiben können: der . gewöhnlichste Elementarunterricht ist da- Vorrecht der reiche« Kamillen. Dadie Juden betrifft, so sind ihre Chadarim (Schu. len) sehr zahlreich: dort fitzen die Kinder «denfallauf der Erb«, mit gekreuzten Deinen, bedecktem Kopfe, jedes.in der Hand eia Buch hallend. Man lehrt dort Hedräisch» lesen und den Pentateuch in- Spanische, ihre Mutter» spräche, übersetzen. Sie lesen den Text und die Ueder» fetzuag, Ladino genannt, mit den Neginolh (biblischen Ac« centeo). An den Freitagen studirt man die Haphtarah graphen (die Mater die Psalm« mim (biblischen Die weiter Schulchaa araki der Woche mir den Neginoth und die hebräisch« Schrift, die unter dem Namen Raschischnft bekannt ist. Im Sommer nimmt man u. A. di« Pirk« akoth durch, vom Osterfest« dizu Pfmgsten. Am Samstag Morgen fingt einer der Zöglinge nach dem Gottesdienste den Docheaadschmtt; daist fteilich eine Ehr«, di« sein Vater hezahleu muß, wie die Haphtarah, oder wie die Nitawotd in Europa, von . Pfingsten, bi- Rosch»hafcha«a »erbt« die Hagio» Sprüchwöeter, Daniel, Jdb) gelehrt; im oi, immer mir den Negineth ober Taa- Accenten). vorgeschrittenen Zögling« lernen auch den und Chok le-jisratl: daist eine Lamm» luag, die sehr verschiedene Gegenstände enthält und mit Noten deberühmten Rahbjl Azuüi, dessen Gedächtniß unter de» marokkanischen Jude» sehr, geehrt wirb, versehe» ist. Die Zöglinge lernen auch den Sohar (da- Hauptbuch der Kada^ lab), besonders die Stücke, weich« sich in »tm-Chok le.jisrael befinden. Endlich lernen die meisten vorgeschrittenen auch den Talmud, pber! selten werde» die Paopheten studirt. Die Schulen find übrigens düster und schmutzig wie die der Arader. Aber besonderhervorzutzedea ist, daß di« armen Kinder auf Kosten der Gemeinde unterrichtet tarn» den; auch köanpn alle Juden lese« UN» schreiben. . ' Die Juden! von Tetuan haben unter Andern zehn bis zwölf Lotte Midraschim oder Raddiuerfeminare, die durch Vermächtnisse freigebiger Israeliten au- Livorno, Gibral» tar und andern Städten erhalten werden. Drei zeichnen sich besonder« durch die Zahl der Sludirraden aus. Sie tragen deu^Lamea ihrer Stifter, wie Benvttel au- Gib» raltar, Xwräarkam aus Livorno, und I. Levy au- Tetuan, welcher jüngst in Khiffa, in Palästina, gestorben ist. Ewerden dort junge Leute ausgenommen, welche schon hinreichende Studie» gemacht habe», um im Stande zu feiu, diese ohne Hülfe eines Lehrerweit« fortzusetzea, sich in ihnen zu vervollksmmnen und endlich in die rabbiuifcheu Funktionen eiazulreten. Sie empfangen aus dep Fonddes Seminareine Unterstützung von 20 Fr«, moa-tlich für ihren Unterhalt. In jedem Srminnr girdt es einen Hosch jescbibah (einen Haupllehrer), welcher den jungen Leuten in ihreü Studie» Hilst und welcher monatlich ein Honorar vo» IBO — 80 Fes erhält. Die vier Raddinen in der Stadt funktionieen gleichzeitig als Rosch jeschibhh in den Semknarm. Ich nenne besonder- Rabbi Zsaac den Ualid, einen Greis von ungefähr neunzig Jahren, die Ehre und der Stolzvon Tetuan, und selbst »o» den Arabern sehr geehrt; er hat den Titel des Rabbi von--

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