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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 40 (1865) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
40 (1865)
Date
1865-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt. \ Zur Belehrung unö Anterhafluag auf jüdischem $e6iele. Herau-gegrben von Rabbiner Or. Ludwig Philippsou in Bonq. äl\ «n/»PT »en feitier 3ril**rifi erldxint »NitaUi* «in« Siumwer. Prci« fcH Oo|»* r I X , . m 40. 1865J 1 ggÄ'ÄSJaiuS- 4. Quartal] -J-L-L-- [ - ich uns» Boot! selbst^ da die geringste Unvorsichtigkeit unfehlbar unseren Untergang herdeigeführt hätte. Rach diesem Experiment war ich jedoch über die Seetüchtigkeit de« Schiffeberuhigt. Bon dort auhatte» wir schönes Welter und bqkamsn am 32. Tage unserer Reise die Insel Fernando j Norunha 4° südlicher Breite, 32° west» licher Lange in Sicht. Di, genannte Insel hat ungefähr 10 engl. Meilen lim Umfang und gehört der drasitianischen Regierung, welche daselbst eine Derbrecherkolonie etablirt hat. Sie ist schon von weitem durch «inen sonderbaren schornsteinförmigtu Felsen von 3200 Fuß Höhe sichtbar, und de» finden sich auf! der Insel noch drei Krater au-gebrannter Vulkane. Sie drobucirt alle möglichen tropischen Frücht« im Uederfluß. Her Gouverneur war sehr zuvorkommend und versah unfür ein Dutzend präfervirte Milch-Boxe- und Pickte« mit fünf Schaafsn, Bananen. Ananas und anderen Früchten. Zch besuchte mis.ihm da- Dorf, wo die Verbrecher woh» »ea. Di« gante Bevölkerung besteht auungefähr 700 Seelen, nämlich 000 Derbrechern beiderlei Geschlecht- und 100 Soldaten.! Eine gelindere Straf« hätte diesen Men» scheu kaum weiden können, denn Allewächst ihnen im Uederfluß wie in die Hand. Am 14. November »erließen wir keroooäo Njrunha; drei Wochen lang hatte« wir prachtvolle- Wetter, diwir in die Nähe des Ri» de la Plata ge, langten. Don >dort aubizum Kap ^Virgin, welches den Eingang z^r Magellan-straße bildet, harren wir fort» während stürmische- Wetter. Im ungefähr 42° südl. Br. bekamen tpir ein französisches Schiff in Sicht und sigaalisirtea ihm, daß wir von Rewpork kämen; der Franz» mann wollte es kaum glauben. Am 14. Decemder, Nachts zwei Wr, liefen wir in die Mageliansstraße ein. Es war dies vier interessanteste Lheil meiner Fahrt, und ist einer so schwachen Feber wie die meinige zu befchreidea unmöglich. Dl« Magellan-straße ist 208 engl. Meilen lang und 4—- Meilen breit. Hohe zackige Kelsen mit prachtvollen Gletscher» gekrönt schließen sie von beiden Seiten ein —| ein großartiger erhabener Anblick; bisweilen sieht man in Klüfte, von zwei Meilen Breite, ganz mit Eigefüllt himia^ Da wir jetzt Sommer hotten, so war 22 Stunden Tagl 2 Stunden Dämmerung und gar keine Noch ein Brief des jungen jüdischen Schiffskapitains. Unser« Leser, besonder-, wie wir wissen, unsere freund» lichen Leserinnen haben unserm jungen Schiff-kapitaln eia so liebevolle- Interesse zugewendet, daß sie gern noch einen Brief desselben lesen, und Theilnahme an der Person des Glauden-genossen und Deutschen auch auf di« Sache über» tragen werden, wenn dies« auch nicht zu dem Gebiete ge» hört, auf welchem diese- Blatt sich bewegt. Der Brief ist datirt au- Hong-Kong 24. Juni 1865, und beschreibt zunächst jene kühne und muthvolle Fahrt um die Süd, spitze von Amerika, deren wir zuerst in Nr. 26. erwähnten. Unser Seemann hat das aordamerikanische Kapitalnexamen gemacht, und befehligt nun das für San Francisco bestimmte newyorker Lootsenboot „Ilie Petrel“ (der Sturmvogel). Dieses Schiff war von nur 50 Ton«, 50 Fuß lang, 18 Fuß breit, hatte 9 Fuß Tiefgang und nur 8 V» Fuß über Wasser. Dagegegen war eauf dastärkste und dauerhafteste gebaut und mit allem möglichen Comfort versehen und führte zwei Opfünbige Kanonen und 8 Mannschaft. Mir wurde, schreibt er nun, von vielen Seiten ad» gerathen, diese, eine der längsten Reisen (17,500 englisch« Meilen) ln. einem so kleinen Fahrzeuge zu machen. Ader gerade diereizte mich um so mehr, und ich wollte den Amerikanern zeigen, daß auch ein Jude und «in Deutscher ein kühner Seefahrer sein kann, und segelte am 2. Octo» ber unter 12 Salutschüssen und Tausenden von Zuschauern von Newyork ab. So klein auch unser Schiff war, so prachtvoll war e« im Innern eingerichtet und fast in verschwenderischster Weise mit allen möglichen Delicatessen versehen. Nicht ohne Besorgniß war ich in See ge, gangen, da ich nicht wußte, wie sich unsere Nußschale im Sturm betragen würde. Ich wurde jedoch bald darüber beruhigt; denn nachdem wir sieben Tag« mit schönem Wetter und günstigem Winde gesegelt, bekamen wir ln der Nähe der Lermudasinfeln einen der schwersten Stürme, welche ich je erlebt habe. Achtzehn Stunden trieben wir vor Top und Takel, keinen Zoll Segel gesetzt, mit der Schnelligkeit von 8 engl. Meilen in der Stunde. Unser Schifflein benahm sich wundervoll. Auf und nieder, Bergan, Thalab, schwamm es so gratlöS wie eia Wasser, vogel, und ln keinem Schiffe hart« ich jemals bei so schwerem Wetter rin so trockenes Deck. Es sah allerdings gefäbrlich genug aus, da die Wellen weit Über die Hohen unsrer Mast» reichten. Während der ganzen Zeit steuert« Rächt. Diese raße (zwischen ber Südfpitze des amerikanischen Fest lande« und der Feuerlandsinsel) bietet eine sehr gefährlich« Schifffahrt, theils wegen der heftigen Wir, belwiade, die i^oni den Bergen Herabkommen, theils wegen der starken unregelmäßigen Strömungen und der Ebbe und Fluth und endlich durch die Anfälle ber Indianer, welche kleine Sch ff«, die jede Rächt ankern müssen. Über,

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