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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 39 (1865) · p. Seite 156

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
39 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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156 unvorbereitete vor. Aber dein ist nicht so. Sei genaumt Erforschung begegnen wir Aeußerungen dieses selben Geistes auch schon auder vorhergegangenen Zeit, d e uns erweisen , daß er bereits seit längerer Zeit wieksari war, bevor er überall an bas Licht des Tages dran;. Hier ein' Beispiel. Im Jahre 1728 gründete Benjamin Funklin., nach! dem er auS London nach -Philadelphia zurü kgekehrt war, «in 22 jähriger Mann, einen Verein, den er „I mca" nannte. Jedem, der in diesen Verein einlreien wollte, wurden folgend« vier Fragen vorgelegt: 1) der an cesenden Mitglieder rinzuwendenV-' 2) „Hast Du irgend etwas Ehrenrührigei gegen Eines a, daß Du den Menschen im Allgemeinen liebst, wel-bem Stande „Kannst Du in allem Ernst erklär und w 3) lcher Religion er auch angehöre?" Glaubst Du, daß Jemand .wegen einer :nncrn Ueberze igungen oder feiner'äußern Religion sübongen an seinem Leide, seiner Ehre, seinem Eigenrhun^ verletzt weiden dürfe?" 4)'„Liebst Du die Wahrheit um der We hrheit willen, und willst Du Dich bestreben, sie rücksichtSl)s selbst aufzufinden, aufzunehmen und Andern mitzutheilen?' Mit der Verneinung der ersten und dr um, der Bejahung der zweiten und vierten Frag§ war der Neuling in die Gesellschaft ausgenommen. (Benjan in Franklin. Ein Lebensbild von I. Venedey, Freiburg S. 35) Leuten daS Wort: Die Menschen sehen nicht, was ich in, wohl aber waS ich auf dem Leibe habe. „Der letzte Dieb wird zuerst gehängt." (Koh. Rab. 76, 2-X^Unser Sprüchworl: Kleine Diebe hängt man, große läßt man laufen. „Oie Verleumdung tobtet drei Personen:" den Verleumder, den der fie annimmt und den Verleumdeten (Erach. 15, 2.). _ „Wer die Speise gekostet, kennt ihren Geschmack"! (Mibr. rad.). Die Erfahrung allein verleihet ein richtiges Urtbeil. „Was unter Deinem Kopfe sich befindet, das gehört Dir." (Jalkut.). Allgemein genommen beißt dies: Nur das besitzen wir sicher, was wir wirklich in Händen haben. Im befondern Sinne aber heißt eS: Alle übrigen Besitzthümer sind schwankend, aber was wir an Geisteskräften und Kenntnissen erworben, bleibt uns sicher. „Ist dein Sied verstopft, klopfe darauf." (Ber. rab.). Was man mit Güte nicht durchsetzt, muk mit Streng«, ja Gewalt betrieben werden. ' Anekdote. Die kleine Gemeinde N. im Großherzo zthurn Posen bewilligte ihrem Dorbeter als Zuschuß zu einem kargen Gebälk« die Erlaubnis, eine kleine Kunstreise i ach auswärts zu machen, d. h. die Wohlthätigkeit der G aubensbruder in andern Städten so viel wie möglich auszubeuten. Allein der Radbi des Ortes nabm vermöge seines Amtes den Vorrang auch auf diesem Gebiete in Ans »rück, machte die Rundreise und kehrte nicht ohne Erfolg .urück. Jetzt machte, sich der Cbasan auf den Weg. An «inem One erhob »er Vorsteher den Einwand: ,,Dor Kl rzem war ja erst Eur Raaw hier." — „Das glaube ich wohl, lautete die Antwort, denn wenn unter Parnes nur Stiefel hält', wär er auch schon da gewesen." „Don ber Zunge kömmt Gutes, von der Zunge kömmt Schlimmes; ist es Gutes, giebt'S nichts besseres, ist es schlimmes, giebt's nichts schlimmeres" (Vajikr. rab.). Die Wirkungen der guten und bösen Rebe. Lchrergehalte. Ewig die traurige Klag': nicht reicht das Gehalk uns ■< zum Leben; Ewig das traurige Wort: Größ'res vermögen wir nicht. Nun, wir wissen es wohl: in sich trägt jegliches Lehren. Das mit Treue geübt, süßesten, herrlichsten Lohn; Doch das Eine bedenke der Mann, der Alles bedenket: Was die Sorge benagt, nimmer das fröhlich gedeiht. Was dem Lehrer ihr gebt, ihr schenkc's dem eignen Geschlechle, Was dem Lehrer ihr nehmt, raubt ihr dem eignen Geschlecht. Talmudischc Weisheit „Nach deinem Vermögen bestelle dein« verwende auf deine Kleidung und das Me Wohnung." Eine Klugheirsregel, die ihren B> d baß di« Menschen am meisten nach dem Sch i und die gesellschaftliche Stellung, ja auch " und unsre Wirksamkeit von der Meinung üher uns abhängr. Zm Volke hört mm Kost, mehr ste auf deine en darin hat, ine urrheilen, unser Erwerb der Menschen von klugen Allgemeine Zeitung des Judenthums. No. 38. 186.'». Inhalt: Leitende Artikel: Haben wirklich die Jude» Jesum gekreuzigt- — Der Bereiu für-allgemeine Angelegenheiten des Judenthums. — Zeitun g Snachrichten: Deutsch l and: Malchow. Preußens Berlin. OesterreichischerKaiserstaat: Wien, Präg, Au« Südungarn, Prag. Rußland: Moskau. Großbritannien: London. Amerika: Zew«Z)ork. Orient: Aus den orientalischen Lander. Lorrespondenz: Briefe aus Rußland. U. — rtC Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % THaler. Berank vortlicher Redakteur: Vr. H. Lotze. Verlag von B au mgürt »er'« «llckbaudlunc ta Sei»»ig. — Druck von S. tkredli ug i» keivUa

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