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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 38 (1865) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
38 (1865)
Date
1865-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1 Jüdisches Volksblatt. Zur Keiehrung und Unterhaltung aus jüdischem Gebiete. Herau-gegebcn von Rabbiner Or. Llkdwig PbiliPPsov in Bonn. sNo. 38. 18K5.H Bo» dieser Zeitikbrist erscbrinl wocheutUck» ein« -i»m«er. Prei« bei I«hr» ,»»,« l Zbit. BierreljSbri« 7 V R>r. vlle B»Lb»»dt«»-r«. Potzämrer ,»d >i«i»»g»«r»«di»o«e» »eb«e» BeKrÜnnge» »n. ^>2. IüKrg. 3. «JuartalJ Zum Rosch-Haschauah-Fest. Eine Betrachtung. (Schluß.) ll. Und du sollst fvrtfahren: „ich habe nichtdavon verzehrt im Unreinen und nichtverwendet davon auf das Tobte." — „Ich habe nichtverwendet auf da» Todte," auch dleS kann wohl ein Zeder sagen. Wer beschäftigt sich denn viel mit dem Tode, verwendet viel auf Tobt«? Wirb «S doch schon schwer in der Gemeinde solch» zu finden, bi« die letzten Liede-pflichlen üben an Dahingeschie» denen, und prächtige Bestattungen und marmorn» Grad» säulen, all der Tand mit den Tobten, womit die -ebenden prahlen, ist noch selten in Z-rael. Doch halt—dahat Mofcheh nicht gemeint: „ich habe nichtverwendet auf da- Todte und nichtverzehrt in Unreinheit/' heißt oder bedeuten die Worte, und daklingt ganz anderin den Ohren dessen, der sie hört und versteht. Wie? erwägen wir, — waS verwenden wir auf da-Tobte und wafür da- Lebendige? was verwenden wir an Ge(dauf den Tand und den fluchtigen Genuß, an Kraft auf da- Eitele, an Zeit auf da- Nichtige? und wavon allem Dem auf da- Le» den in Euch, dawahrhafte -eben, dableibend«, die geistigen, sittlichen und religiösen Zwecke- . . . Seher, daist da- Zweite, womit wir vor Gott heute treten sollen — ob wir in Reinheit oder Unreinheit, für Todte- oder Lebendiges leben. Ja, Du arbeitest und mühest Dich redlich ad, nicht de- Tage- Hitze scheuest Du, nicht die Nächte durchzu, fahren, nicht der wechselnden Zahre-zeiten Drückendezu ertragen — aber warum? um Tobte- oder Lebendige-? Um zu erwerben, antwortest Du. Gut. Meinst Du. um Reichthümer zu erwerben — Du Dich um T-dreS, denn wie sie gekommen, sthwinde« sie, und wenn Du sie behältst, an der Pforte de- Todenimmt der Tod sie Dir auf immer, denn sie gehören ihm. Meinst Do, um Brod für Dich und di« Deinen — nun daist noth» wendig zum Leben, daist Leben, aber nur wenn Ihr lebet, um zu leben, nicht um zu sterben, wenn Eure Stunde gekommen, die ja Jedem kommt, d. h. wenn Ihr lebet, um geistige, sittliche, religiöse Zwecke mit Eurem Leben zu verbinden, in Eurem Leben zu erstrebet^ Da» rum beißt eS: „ich habe nicht» verzehrt in Unreinem und nichtverwendet auf da- Todte." Du thuest da- Un» rechte, hältst Dein« Hand von Unrechtem Gut» nicht fern, hast falsche- Maßund Gewicht, gkebst unechtfürecht au-, drückest den Bedrängten — Du bist unrein. Du hegest Haß und Rache, stiftest Hader und Streit, Zank ist in Deinem'Hause und Du kränkest, wo Du trösten, verwundest, wo Du heilen solltest. Du verleumdest und scheltest und beschimpfst — Du bist unrein. Du lebest > dem Vergnügen, opferst der Wollust, Trunk und Spiel ist Dein Genuß — Du bist unrein. So frage Dich: H!ast Du nichtverzehrt in all solcher Unreinheit? . . . Und nach diesem: y>i« umgiebst Du Dich mit Tand, wi!e umflattern Dich di« Eitelkeiten, wie strebst Du nach Pracht und -upu- — das ist LÜVteS; nur da- Aeußerlichel erfüllt Dich, nur genießen und älän, zen willst Du und Anderen evoranthun, das ist Tobte-. Aber sprich: wahältst Du davon, Deinen Geist zulem, wickeln und zu «rieben. Dein Herz zu veredeln, Deme Kenntnisse zu vermehren. Deine Begriffe zu klären! da- Wahre mehr zu erkennen, da- Schöne und Edle )mrhr zu begreifen — sedtt, daist Leben. Wahältst Du davon, dem allgemeinen Nutzen auch etwazuzuwend'n, in' der Gemeinde für Synagoge, Schule und wohlträtkge Anstalten eifrig gewissenhaft zu streben, so Männer wie Frauen, in iÄtabj und Staat ein eifriger P itrier, «in guter Bürger,! ein Vertreter deallgemeinen Rechts und der gemeinsamen Freiheit zu sein, . und mitzu» wirken für alle- Heilsame und Forrfchrelteude- — sehtt, da» ist Leben. Wa». hältst Du davon, «in J-raelit -u sein im vollen und ganten Sinne : jenem Berufe anzuämgen, den Gott un« aufrrleg^, die Gotte-erkenntniß zu predigen, dem Götzenrhum und Heidenrhum entgegenzutrrten mir ganzer Kraft, Reinheit und Heiligung zu fördern mir Anstrengung — nicht! ein Jude zu sein bloß dem stkamen nach, bloß ein Nicht-Heide, Nicht»Türke und RichttEhrlst, pber darum noch kesn Jude, in jener Schlaffheit u^tkNich» rigkeit, die jederzeit vom Abfall nur um eine Gelegenheit und «inen Schritt! entfernt ist, baß für Gotke-lehre und Gottseligkeit kein Winkel in dem kalten Herzen lst — sehet, jeneist Lehen j dies da- Todte. Und uizn fraget Ihr Euch: waverwendet Ihr für da§ Leben und wa< für da- Todte? Wie viel habt Ihr geloht für da- Leben und wie viel für bas Tobte? „Siehe, ich lege Dir heute vor Leben und To!d — wähle da- Leben!" Ja, Geliebte, wählet da- Leben? Eist kein Tag und keine Stunde, wo Leben und Tod nicht vor unlägen, wo wir nicht wählen könnten — eist aber heute de» sonderder Tag und die Stunde, wo wir, wawir bihlerher gewählt oder doch.! vorzug-weise festgehalken, von unweifen, hiawegwerfen, von unab»und hinunter» schleudern, und wählen könnten da- Reine und da- Lebend«

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