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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 35 (1865) · p. Seite 140

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
35 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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140 zu betrachte« sind, müssen zur Beförderung der C mmercii «ine größere Rücksicht und einige Ausnahmen von der allgemeinen Regel zu statten kommen, da sie, wian man sie hier dem schlechtesten Zudengesinde gleich Hallen und die Vorzüge ihnen benehmen wollte, deren sie n Triest genießen, ganz gewiß den Platz Triest zum all>emeinen Rachstrnd de» Eommercii verlassen würden. Was die christlichen Dienstboten anbetrifft, 4o dürfen solche, wie di« Regierung selbst erwähnt, in Judmhausern nicht übernachten. Ganz können sie ihnen so wenig al« die Bedienung christlicher Handwerker versagt weiden, und wenn daS wirtlich möglich wäre, so würbe entchr räthlich sein, denn da oben in der obangezogenen Iudenorb» nung den Juden dir Anzahl der jüdischen Bedienten beiderlei GesLlechtS vorgeschrieben ist, die sie Haltes dürfen, so würde man ihnen, wenn eS auch möglich wäre, ihnen di« christlichen Dienstboten ganz zu verbieten^ alSdann desto mehr jüdische Bedient« gestatten, und alsolgegen die allerd. Gesinnung mehr Juden dahier geduld« werden müßten, als ihrer dermalen wirklich hier sind. Man glaubte also bei so geschaffenen Umständen, daß E. M. eS bei dem, waS die Hofkanzelei unten» 7. Kedr. d. I. auf obangebogenen RegierungSbericht all^chon verordnet hat um so mehr bewenden lasse« konnte' >, alS andurch allem Unfug gesteuert und wenn die 8 Verordnung vom 5 May 1764 genau gehalten wird, alles das, was der Cardinal Erzbischof zu wünschen scheint, >o weit eS rduolich, schon erfüllt ist." SS dauerte nicht lange und alle diese Frozen hatten ihre praktisch« Bedeutung verloren. Josef U. hob bekanntlich * 1782 alle diese Beschränkungen auf. Die Juden durften nun mir einem Haarzopf umhergehen, nch kleiden, wie eS ihnen beliebte, und sogar einen Degen tragen. Der selige Herr I. L. Edl. v. HofmannSthal war im Jahre 1780 einer jener Ausschüsse, welche an dar Triumphvforte RamenS der Kaufmannschaft Kaiser »eopold bei Riemand lohnt es Einem. Doch wirb auch diese Warnung bei Vielen umsonst sein, weil sie sich gar zu gern wichtig machen und al» Vermittler und Menschenfreunde gelten wollen. ' Im Midrasch heißt ,S: „Wankt da» Schloß, heißt e» immer noch ein Schloß; erhebt sich der Düngerhaufe, so heißt er dennoch ein Düngerhaufe." Da» Edle wie das Gemeine hängt nicht von der äußern Höhe ab, auf der es steht; da» Erster« bleibt edel auch in der Verarmung, daS Andere gemein, auch wenn «S noch so doch steigt. „Wenn sich zwei mit einander zanken, so ist der, welcher zuerst aufhört, von besserer Abkunft" (und Erziehung). Kibusch. 71, 2. „Hat der Mensch eine Sünde zweimal begangen, so erscheint sie ihm erlaubt." Die Gewohnheit stumpft ihn ad, daß er zwischen Recht und Unrecht nicht mehr unterscheidet. „3« größer Einer ist, desto größer ist seine Leidenfchaft." (Succ. 52, 1.) Odschon dieser Ausspruch von einzelnen Weisen thatsächlich widerlegt wurde, so liegt ihm doch «ine riefe Wahrheit zu Grunde. Die geistige Größe eines Menschen beruht auf einer kiefern Erreg- ' barkeir seiner Geisteskräfte. Seine Phantasie muß schwung- I reich, seine Fassungskraft scharf, sein Gefühl reizbar und [ tief fein, um Höhere» erfassen und vollführen zu können, j Seine Motiv« müssen stark und ausdauernd und in seiner | GeisteSwelt eine Energie vorhanden fein, die ihn Hindernisse überwinden und Angriffe abwehren läßt. Einem solchen Eeelenzustande liegt die Leidenschaft nahe. der Thronbesteigung mit dem Degen an der warteten. Talmudische Weisheit. „Wer ein einzige- Wort nicht ertragen kann, der wird gar manche» hören müssen." Denn, i^dem er gegen diese» erste Wort sich erhebt und streikt, wird der Gegner veranlaßt, zur Erhärtung seine» Tadels Alle» „Wer die Stunde drangt, dm drängt die Stund, Sette auf» zurück, wer der Stund« nachgiedt, dem steht sie bei." (Berach. 44.) Es kommt im Leben darauf an, den Verhältnissen Rechnung zu tragen und nicht gewaltsam seinen Willen durchsetzen zu wollen. Sind zur Zeit die Umstände eine« Unternehmen nicht günstig, so muß man eS einst- ' weilen aufgeben, um den rechten Zeitpunkt abzuwarten: dann kommt dieser und da» Werk gelingt. Im andern Falle reibt man seine Kräfte vergeben» auf und zerstört die Aussichten für die Zukunft. heranzubringen, waS er weiß, und waS er hatte, wenn-er nicht herausgefordert worden. verschwiegen ..Möge der Herr de» Weinberge» seine Domen selbst auSrottm!" (Bad. Nez. 83, 2.) Wer geschkidt ist. ruft die» dem zu, der ihn verleiten will, sich in j remde ärgerlich, Dinge zu mischen, oder zu thun, w iS man im Deutschen nennt, für einen Andern die Koben auS dem Feuer holen. Man verbrennt sich die Fing t dabei und Allgemeine Zeitung de» Juden,bum». No. 34. 1865. Inhalt: Leitende Artikel: Wa» ist von dem Grundsatz: „Friede vor Allem!" zu halten? — Die israelitische Bibelanstall. --- Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland- AuS Franken. Preußen: Berlin, Breslau. Oesterreichischrr Kaiser, staat: Wien/Wien. Rußland: Au» Kurland, Petersburg. Dänemark: Kopenhagen:-Orient. Lmyrna. Großbrikan» nren: London. London. Eorrespoudenz: Ein nordamerikanischer Badeort. — Briefe aus Rußland II. — WST Zu beziehen durch jede» Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich & Thal er. Ser sa vertag von v«»»g«rt,er's «»örtlicher Redaeteor: vr. H. Lotze. ruchhasdlana in Seiptt«. — Druck von ftrcftfing in Leipzi»

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