Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 32 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur •JSelpfirunfl unfi lliitprönftuni] mif jüi)tfcf)p,m ^pfitpie HcrLU-gegevc» von Rabbiner Or. Vuvwig Philippsou in Bonn. J Ort iOl»» i »en Meter ädtlÄiift «Weint »tecmlkb dnt Mum*«. Prell de» Jade. . . .. T"* . . "l6. 06. loOOJ »«fi* l «li. Äcrtelwlm* JK »»« vuchbantlunftcns. PvKämier ^>2. •$ £)u&rt&l.l *J und Aeininaeerrekirirnm nebmcn veftellunaen «d . L**’* « ^unnoi.j Die Wiener Universität unü die Juden. (Aus „Studien" von Dr. Ä. Wolf.) 1 (Fonsetzung.) Ln gleicher Weise bat die^llniversität im Jahre 1419 die Juden vor den Angriffen der Studenten — die Bursen warm in der Nähe der Wohnungen der Juden, de- „Elends^ und des Judenplahe-, und stellten sich öfters die Bettelstudenten «in, welche manchmal gewaltsamer. Weise gegen die Juden vorgingen, um sich deren Eigenthum anzueignen — geschützt. In Folge einer Aufforderung de^ Rector» am 22. März wurde der Deean beauftragt, den Studenten derartig« Vorgänge zu ver, dieten. Im Jahre 1420 nahm die theologische Kacultät in ihren Seenonscaralog die hebräische Sprache auf. Im Jahre 1421 fand die furchtbar« Judenverfolgung in Wien statt. Schon am 10. Siwan (24. Mai 1420) wurden die Huden in den Städten Oesterreichergriffe», in- GefängNiß geworfen. Man sperrte di« Frauen und die Kinder besonderein, zwang sie »«erlaubte Speisen zu effen und quält« sie, um sie von ihrem Glaube» abwendig zu machen. Am 12. März verkündete man vom Rathha«se den herz-glichen Ruf: „Ale Jükuschait in feinem Sandte zu Handren zu nehmen, »nd zu richten mit dem Prandt"; und wirklich wurden die Juden, welche die Laufe nicht annehmen wollten, verbrannt. Die Häuser der Juden wurden verschenkt, und die Steine der Synagoge zumBaue der Universilstt verwendet. In solcher Weise trugen die Juden zur Errichtung brr Universität bei. Selber müssen wir eau-sprechin, daß die theologische Facullät jener Zeit diese Vorgänge mir verschuldet, oder wir möchten sage», sie hervorg,rufen hat. Di« Seiden» schäften, welche den Pöbel beherrschte», wurden geradezu von der theologischen Facullät angefachr und genährt. Wir heben diese- Moment hervor, weil eunsere- Wissenbisher noch nicht in vollem Maß» geltend gemacht wurde. Audem Buche der Acten der theologischen Facullät (»et. facultatis Iheologiae) eaknehmen wir folgend« Notiz: In der Sitzung der theologischen Facullät vom 10. Juni 1419 — also zwei Jahre vor der Katastrophe — wurde der Verbindung der Juden mit den Waldenser» und Hussitea gedacht, eben so der Menge der Juden, ibrer üppigen Leben-weise, Ihrer vermaledeiten Bücher, welch« sie besitzen, ln welchen der Schöpfer geschmähet, alle- Heilige verspottet und dar Christenthum in schmählicher Weise angegriffen wird.*) Den Vorwurf, baß die Juden mir den Hussilen und Waldensern sich vereinigt hQten, finden wir hier zum ersten Male, sind gestehen wir aufrichtig, es gehört ge, wiffermaßen Phantasie dazu, um diese Eonföderarion für möglich zu hätten. Es ist uns auch nicht bekannt, daß die Hussilen und Waldenser sich besonders freundlich gegen die Juden zeigten. _ Wir Haders bereits bemerkt, haß die Juden im Mittelalter, welche sich mit profane» Wissenschaften beschäftigten, zumeist da- Studium der Medici» betrieben. Auder Zuschrift au d»n Decan Heinecke wegen Promotion protestantischer Recht-börer an der Wiener Universität und der Vorstellung des Universität- -Consistoriumgeht auf-Doentschiedenste hervor, baß jüdische Aerzte an der Wiener Universität prokiovirt wurden. Daß öfters der Bromeid gegen jüdisch« Aerzte rege wurde, ist nicht zu verwundern. Hot Doch sogar noch im . Jahre 1842 der verstorbene Professor Rosasich veranlaßt gesehen, gegen die jüdische» Aerzte aufzu» trnen. Die. meditkaische Facullät gab diesem Gefühl« de- Haffeim Jjrhre 1010 Ausdruck. I» einer Eingabe vom 20. Fedr^ behauptet sie, daß die Jude» durch «in Gesetz vechunbien feien, je§eu zehnten Christen durch ihre Arzneien aus oem Leben zu schaffen. Wir glauben, wir würde» un- -ege» de» gesunden Sinn unserer Leser versündige», wollte» wir auch nur daran gehen, diese krasse Beschuldigung I zu widerlege». Nicht einmal -0ieje«ige» Organe, die je»t am heftigstm gegen die Juden wüthen, wagen es, eine derärtize Beschuldigung au-zusprecheu Es beweist sedoch, auf welcher niederen Stuf« der Bildung di« Herren damals standen, wen» sie Derartigetmsfprache». Anderseits zeigt es daß die Bewohner der Residenz an solche «o vir» *) Die bete colt. tkeol. F»C etHuuitorum de delicftta bilibas, quo# pbeiaiam omni christianonua troram ab send rum et doanini e sende Stelle lautet r-1418, 10. Ian. congr. Fai;ta fuit mencio de confederacione Iudeorum W&ldensium, item de maltitadine iadeorum, ipsorum et de quibasdam libris execrau m oasu de hoc. (La babent in contumeliam creatoris et blasim «aoctorom et maximam.iniuriam omnium (|ue tarnen materia propter qaorundam magis- »n fuit tuspensa usqae aa aduentum ipso priori« de Grein nicia qni «tilis potest esse, jret faoultati aliauid loqui donuno priocipi act. fac. theol. f. W ) nlacsret iiD. I act