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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 28 (1865) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
28 (1865)
Date
1865-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Polksblatt. Zur Ae^ehrung und AnterhaNung aus jüdischem ZeSiLt^. Herau-gcgeben von Rabbiner vr. Lidwig Philip-sou in Bonn. [9lo. 2L 1865.] «va biefet ers«d«tsl »Scheatllch eia« Nummer. Preis bt* 2dhrgang« l Zblr. Bicneljährrg 7 \t Rgr. Slle Vuchbaadluugeu. Potzätzner und Zrikungsrrpedinvuru aebmea Beftellunge» au. > ^12. AsKrg. 3. chusi'tsl.^ Eine dreimalige Trauung.! (Wahr.) Zn «ir er deutschen Stadt hatte sich die jüdische Ge, meinde in zwei Parteien gesondert, die eine, die zahlreichere Mutlergen einde, neigte sich der Reform zu, während die kleinere de. Orthodoxen sich alS eine besonder« constituirte. ES verstell sich, baß beide ihre desondern Rabbinen und Cultu-beanten hatten. Es versteht sich ebenso, daß unter diesen eine große Rivalität herrschte, und daß der ganze Zwiespalt nicht bloS die einzelnen Familien, sondern oft auch die Glieder einer und derselben Familie feindlich auseinander hielt. Zndeß daS Leben gleicht solche Zwistig, keiten am Ende doch immer wieder auS, namentlich wenn daS erst« Heuer verraucht ist, ynd die Leute sehen, daß der Himmel st h weder für die eine, noch für die andere Partei entschieden erklärt, keine Blitzt auf die Gegner heradsend^t, sie aüch n cht in Form von besonderen Mißgeschicken, chie Siechthum, VeimögenSverlust u- (. w. verfolgt. Es kann daher auch nicht Wunder nehmen, daß, als sich in zwei Familien dieser Stadt ein heirathSlustiger Jüngling und eine heirathSffähige Jungfrau fanden, die sich gegenseitig nicht abgeneigt waren und deren beiderseitige BermögenSverhältniss/ zu einander paßten, obgleich die beiden Familien den gegenüberstehenben Gemeinden angehörlen, die Heirath zu Stande kam und der Bund über di« religiös« Differenzen hinweg geschloffen werden sollt,. Als vier Hochzeitstag herannahte, hätte man zwar, hinsichtlich der vom Staatsgesetze vorgeschriebenen Civiltrauung krir^e, aber hinsichtlich der religiösen Trauung eine Wahl zu treffen, und mit der Wahl die Qual. Die Familie des Bräutigamwollte von dem Rabbiner der großen Gemeinde nichtwissen und di« Braut, welche von dieses unterrichte^ und confirmirt worden war, wollte und konnte sich wiederum nicht von dem orthodoxen Rabbiner trauen lassen. WaS nun zu thun? Es wird da- Jahr über sehr viel über die Einheit deS deutschen Vaterlandes geschrieben und gesprochen; aber daß in demselben so uüd so viele Staaten und Sraatchen existiren, har doch auch sein Gute!. Denn wer und was in dem «inen nicht sein darf, findet in allen übrigen seine Zuflucht. Diewar auch' unserm Paärchen ln seiner Noth eine AüShülfe. Einige Stunden von dev Stadt lief die Grmze debenachbarten deutschen Lande-, und wieder einige Stunden weiter lag eine hübsche Stadt diese- Lande-, in w«lch-r sich auch eine kleine jüdische Gemeinde befand. In diesem Nachbarstaate gab eeinen regierenden Landesrabbiner, der allein!daS Recht hatte, die Trauungen zu vollziehen. Man fähr also nach diesem Städtchem, verhandelte mit dem dort befindlichen jüdischen Restaurateur über die Herstellung de- HochzeirmahleS. man schrieb an jenen LandeSrabbiner^ an dem und dem Tage die Trauung in diesem Stäbchen zu vollziehen, übergab den Brief einem Beten, dieser warf ihn in den Postkasten, und die Sach« war geordnet. Der bestimmt« Tag nabet«. Am Tage zuvor wurde nach dem Landesgesetze die erste Trauung, d. i. die bürgerliche vorgenommen; am Abend war Polterabend in aller dräuchlichen Form; am andern Morgen begab man sich nach dem ged. Städtchen, fand hier allebestenvorbereitet und die eingeladenen Gäste von nah uni fern stellten sich ein. Man nahm — mir Ausnahme de- Brautpaares, dadas gesetzliche Fasten hielt — ein «xcel, lenteS Frühstück eist, und harrike nun des Rab> inen. In einem Saale, »»hi» man sich nun begab, war Alleaufs schönste vorbereitet; die Ebuppah stand da mir Blu, menguirlanden umwänden, die silbernen Becher mir Hsscherwein, ,£>« Vorderer der Gemeinde tot seinem Ornat; da- Brautpaar war da, die Unterführer und UnlersAhreriauen, die Zeugen, di« Verwandten, die Gäste — nur nicht der Rabbiner. Stunde puf Stunde verging, man wurde ungeduldig, unruhigman, umringte die Braut und tröstete s «'und brachte sie dadurch erst recht zur Betrübniß. Erblich entschloß man sich, nach der Landeshauptstadt zu te egraphiren und erhielt — es war bereit- 5 Uhr Nachm ttagS — die Antwort, bei dem Rabbinen wäre kein Bri, von dort eingelasifen, und, ohne etwavon ihrer Bestellung ^U wissen, sei er vor einigen Tagen in die Provinz < «reist und käme erst in einer Woche zurück. Da.gerieth man fast in Verzweiflung. Bidahin war dieser unbe« uemr Zustand lediglich dem Wirthe zugefallen, der seine Braten verbrennen und sein« Gemüse verkochen sah. Jetzt aber geriethen Alle dahin. Man bestürmt« den Vorderedie Trauung zu vollziehen, aber der gute Mann blieb taub bei allen Vorstellungen, weil daS Landesgesetz «S verbiete und er riskire, von seiner Stelle gejagt zu werden. Endlich trat einer der Gäste auf, der eia ziemlicher K nner de- Ritualgesetzes war, und erbot sich-* die Trauung zu vollziehen; der füorbeter verstand sich endlich azu, einen Traubrtef zu! schreiben, und die Sache gim im letzten Augenblicke, tßo eS nach dem Gesetze noch gefaltet war, vor sich. Daß'darauf folgende Mahl wurde nöglichst abgekürzt, und nur daS Gefühl, doch nun über die Hindernisse gesiegt zu haben, verhinderte die v »Uigr Verstimmung. — Ader man irrte sich, wenn mav di«

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