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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 26 (1865) · p. Seite 104

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
26 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 104 (sequence 4)
Language
German
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104 erst ihren Goldglanz, dann ihren Rosenschi nmer breitet. Vor unsern Blicken liegt eme große, weiter Zucht. die von zwei mäßigen Höhenzügen, welche in schroff abfallende; Vorgebirge enden, eingeschloffen ist. Dutch die breite! Lepnung, welche die Vorgebirge zwischem sich laffen, schweift der Blick frei über den Ocean hinaus, und sieht , von ferne her die Schiffe sich nahen, welch«! dem Eingang . der Bucht zueilen. Sieh da, die Menschen auf dem. Cuöö von San Francrsko bleiben stehen! schaaren sich, zusammen, weisen einander auf einen schwarzeriPunkt auf dem I Meere bin. Es kommt naher und näher.! Jetzt erkennt man es genau. Was ist das? Einer Mß chale gleich j nähert sich ein feines, kleines Fahrzeug! es hat das ' Sternenbanner aufgchißt-, es ist einZoükutler der Regie- | rung. Woher kommt er? Direkt von Nno-Aork, und bat die grausige Fahrt um das Kap Hoorn gemacht. Welch ein verwegener Mann muß der lZührer dieses Schiffleins sein, und wie von Gewandtleit und Glück, begünstigt. Unter zehn solcher Kutter gelangt kaum einer hierher, die andern werden ein Rautz der Fluthen. eine Beute, der Stürme, zerschellen an den Klippen oder die Mannschaft unterliegt dem Frost unodem Hunger.; Der kleine Kutter kommt näher. Aller Blicke sind auf. ihn gerichtet. Von den Forts donnern ihm Salutschüffe ' entgegen, und seine Karronade antwortet fröhlich. Nach einiger Zeit landet der Capitain und wird von aller Welt umringt und beglückwünscht. Es nst ein junger kräftiger Mann-, aus deffen Antlitz Gutmüthigkeit und, Energie zugleich leuchten. Endlich macht [man ihm Platz. Zugleich fährt eine elegante Kutsche vorüber, in welcher eine junge Dame sitzt. Bei dem Anblick des Kapirains läßt sie halten. Auch er hat sie gewahrt und blickt ihr staunend ins Gesicht. Sie habnr sich erkannt, und mit freudiger Rührung begrüßt. Warum sollten sie es auch nicht? Jahre sind vergangen, seitdem sie sich zum letzten Male gesehen. neitdem sie in derselben Stunde, vor derselben heiligen Lade, in die Hand deffelben geistlichen Lehrers das Gcköbniß auf das Bekenntniß ihrer Väter abgelegt, und dieser stand ihnen beiden in Verwandtschaft nahe. Der Knabe ging, einer innern Stimme folgend, bald darauf als Schiffsjunge aus die See, und machte seinen Weg, bis er jetzt für die nordamerikanische Regierung einen nwren Kutter nach 1 S an Francisko gebracht. Das Mädchen lwuchs und war vor.einem Jahre die Frau eines biedern und tüchtigen Mannes geworden, der in dieser Stadt nn wohlbegründetes Geschäftshaus besitzt. So unveriwuthet hatten sie ' sich getroffen, und die junge Frau konnte Idem, seit langer Zeit schon von der Heimath entfernten kapitain die erfreulichsten Nachrichten über seine Ettern! und Verwandten am Elb- und am Rheinstrom geben, die sie, neun Monate früher., persönlich zum Abschiede gesehen. Es verstand sich von selbst-, daß der wackere Capitam im Hause seiner Landsmännin ein willkommener Gast war, bis ihm. deffen Ruf durch, die glückliche Fahrt um die Südspitze Amerikas begründet worden, durch ihren Mann der Antrag eines Rheders ward, die Führung eines großen Chinafahrers zu übernehmen, ein Antrag, der ihn zwar auf mehrere Jahre verpflichtete, ihm aber auch einen reichlichen Lohn verhieß. Der junge Mann schlug freudig ein,und ist jetzt schon nach Shanghai unter Segel. Was könnte er auch anstehen, der in den zehn Jahren seines Scelebens schon so außerordentliche Gefahren durchgemacht, vom Wallfischfahrer in der Südsee bis zum. Gelben-Fieberbospital auf Cuba, von der Ostküste Afrikas bis zu den' Wüsten im Innern Australiens?- Die Bilder, die wir dem Leser hier vorgeführt, beruhen sämmtlich auf Thatsachen, die Figuren, die wir gezeichnet, sind aus dem Leben; der tapfere Capitain ist der Reffe des Schreibers dieses. Alle diese Personen greifen in das unermeßliche Getriebe des menschheitlichen Lebens ein. so weit es an ihnen ist; aber zurückgekehrt zu ihren Wohnstätten treten sie immer wieder in die Reihen ihrer Glaubensgenoffenschaft zurück und gehören dieser in ihrem religiösen und sittlichen Dasein an. Die Vorsehung hat die Bekenner dieser Religion über den ganzen Erdball ausgebreitet, 'und wir können fragen: wo sind sie nicht? Curiosum. Die „Didaskalia" schreibt: Dem Kaufmann Sigmund Fehr von Geisenheim zu Havre '— einem Israeliten — ist von dem König von Portugal der Militär-Orden „unsres Herrn Jcsu-Christi" verliehen -und von dem Herzog von Naffau die Annahme und das Tragen deffelben gestattet worden. (Die „Didaskalia" schreibt als Titel über diese Mittheilung ,Lur Glaubenseinheit^ — wir möchten es überschreiben: „Zur Glaubenslosigkeit" — und zwar aus beide, auf Verleiher und Empfänger bezogen. Und warum einen, Kaufmann einen militairischen Orden?) Allgemeine Zerrung de« IudentbumS. No. 25. 1865. Inhalt: Leitende Artikel: Ein Blick auf die Gegenwart. — Zerstreute Bemerkungen. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt a. M. Hannover. Oesterreichischer Kanerstaal: Graz. Wien. Frankreich: Paris. Rußland: Warschau. IRC Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich 'A Thaler Verlag von Ba»«glivr» Verantwortlicher Redacreur: vr. H. Lotze. r'S vachhauriunz in Leipzig. — Druck von <9. »rr»si ng in Leipzig

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