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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 24 (1865) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
24 (1865)
Date
1865-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksmatt. Zur Kelehrnnq und Anterhattung auf.jüdischem stebiete HerauSgegcden von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson rn Bonn. rn, a . * an r Boa diNer Zeillchnkt rrsLeiot wScheatttch ri»e Stummer. Preis de« Ja it* fji» . , cv w , , -> I rltü. 24 löOO. saus« 1 Thlr. vierreljähri« 7% Ngr. Alle »n*bantlun»tn. Postämier \ \2' Sakra. Z. ©Uaftm. L^IV. öl. iUUU‘J und LeHAugserpebMone» nehmen «estevuuge» a«. <S—"Ä' Ein Genrebild aus Berlin- Von Leopold Jaroby. (Aus dem „Hebiew.") « Es ist ein naßkalter, nebliger Januar-Abend. Durch den.Nebel dadurch erkennt man kaum den flimmernden Schein der Gaslaternen und wir sind jedeSmal froh, wenn wir glücklich d. h. ohne mit einem der ewig vorüber rollenden Omnivusse, Droschken und Equipagen in eine zu nahe Berührung gekommen;u fein, die Straßenübergänge überschritten haben und ünS auf dem sicheren Trottoir befinden. Eden sinl^ wir dem Börsengebäude vorbei, in die neue FriedrichSgass« eingebogen und wenden jetzt unsere Schritte der Rosenstraße zu, einer Straße, die wahrscheinlich einer ähnlichen Abstammung ihren Namen verdankt, wie lucu» - non lucendo, denn sie duftet nach allem anderen eher, als nach Rofn. Einige Häuser vor der Ecke der Papen, straße wenden wir uns rechts, steigen die Stufen einer kleinen Trepp! hinab und befinden uns am Ziel unserer Wanderung. ES ist ein längliches Zimmer, dessen beide Fenster mit dem Straßenpflaster in einer Ebene liegen, mit Tischen, sänken und einem steinalten und ebenso harren Ledersophn wohlbesetzr. Nachdem wir unsere Augen an den dichten TabackSrauch ein wenig gewöhnt haben, vermögen wir! erst die Einzelnheiten näher zu unterscheiden. Der Wirth, Welcher hinter der, im Hintergründe befindlichen Bar seinen Ehrenplatz einnimmt, war früher in einer anderen Straße der Inhaber eines jener Kaffeekeller gewesen, in welchen den durstigen Dienstmännern und Droschkenkutschern, sowie allen sonstigen Chambregarnisten Berlins, Verein Kasse höhere Ansprüche nicht wobl zu befriedigen verchag, für einen Sildergroschen Morgens und Abends der «ichorienduftende Mokka entgegengereicht wird; halte sich hiei^ aber zu einem Schenk- und Gastwirrh aufge, schwungen, der bei seinen Gästen ganz dl« patriarchalisch gemürhliche Stellung eines Herbergsvaters in einer kleinen Stadt «lnnahm. Er selbst ist Christ; da er aber fast ausschließlich i mit jüdischen Einkehrern zu thun hat, so versteht e^ vollkommen auch daS verworrenste mixtum compositum einet jüdisch-deutschen Aussprache, wie sie nur je ein jüdischer Kleinstädter auS dem tief hintersten Polen oder Rußland nach Berlin und in seine Gaststube mitgebracht hat, jfowie er denn auch mit allen jüdischen Gebräuchen aufs beste vertraut ist. Sehen wir uns nun etwas näher im Zimmer um. Die hervorragendste Per- Le aö deu tlich ai> sönlichkeir des Lokals, ein kleines Männchen z bequem gemacht har. herrscht, tragt er eine seine Beine, von den dergeschlagen, - eine C in Händen, wie im fortwährend beschäftigt) der sich allmählich un Tone seine Erlebnisse baß sich für sie ein Der Mann ist m in Rußland gewesen, angesehen, und ist, ihm der Frost auf leichter gemacht, zurü Frankreich hindurchg umfpaziert, bis ihn en nach Berlin nahm,, sten Verhältnissen, 8cksumsr labauker v und Schwänke, weiß besitzt namentlich eine Fähigkeiten, die erstaunt res ungewöhnlich sind Unter den musikaili drämten Haldftanzoser Fertigkeit auf einem in der ganzen musikst kann. Es ist dies Künstler als Unterstützt n der bei den musikalische bogenS einnimmt, die Funktion einer üben müssen. Durch dieses Stockes über Drucke entsteht ein sonders ald instrumen Liederversen des kung ist. Ein nicht minder ment zu diesem musihl tuosen zu gleicher Ze bracht, welche den allerlei lustigen Melodie wenn man die Augey man höre im Walde wenn auch nicht am Körper, scheint sein, das es sich auf dem Sopha Trotz der Hitze, die in dem Zimmer hohe Pelzmütze auf dem Kopf, und n das eine Stelzfuß ist, üdereinan« garre von dunklem Ursprung mehr Munde haltend (denn letzterer ist , erzählt er dem aufhorchenden Kreise, ihn gebildet hat, in halb singendem md Abenteuer, die wohl werth sind, rewiger fände, e Napoleons Heer im Zahre 1812 hat den Brand von Moskau 'mit er um ein halbes Bein ^.welches Schneefeldern Rußlands ampuurre, «ikehrt«, Durch Deutschland und ganz ei'umpelr! ist sogar in Spanien herein mitleidiger Verwandter zu sich er nun, zwar unter den bescheidener doch sorgenlos fein« alten Tage erlebt. Er ist stets voller Schnurren jüdische Anekdoten in Unmasse und Menge musikalischer Fertigkeiten und -ich und im wahren Sinne des Wor- Vorir ischen Virtuositäten unseres pelzvernimmr den ersten Rang «in eine Streichinstrument, das wohl einfacher ltschen Welt nicht gedacht werden mäßig dicker Stock (sonst vorigem gscollege zu seiner Krücke gebraucht), n Vorträgen die Stelle eine» Kidelend die fünf Finger der linken Hand it Saiten bespannten Viosine auSein Hinüber- und Herüderstuichen I je Finger mit beliebig verändertem mmenver, summender Ton, der de- Schlußrefrain zu den gesungenen sagenden von hoch komischer Wirwähc n brr tnler bewunderungswürdiges Accompagne- 'ischea Genüsse wird von dem Virmit Hülfe seiner Lippen hervorge- Sion einer Trompete so tauschend in ' n nachzuahmen verstehen, daß mau, schließt, zuweilen glauben möchte. I^as Zaadhorn blasen, oder di« Alarm-

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