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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 22 (1865) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
22 (1865)
Date
1865-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblitt. Zur- Belehrung unk) Unterhattu^g aus j^ikiischem HeKiete. Herausgrgeken von Rabbiner vr. Ludwig Philip-sou in Bp in Mo. 22. 1865.] »en biHei SrttfÄtift erWeint »MottliA ein« »ummtt. Preil det 3afcr. r.n LV , c% itT- «aoS« 1 Tdtr. «trrtrljShrig R-r. «Oe Bu»ha»dl«»g«st. Poiämirr k ]/ 330111, Z. ©1131131, ant gotaaslemtmcnca atimta »efttEuBg«i -L. I LM** J Skizzen ans dem Leben eines jüdischen Künstlers. Mitgkkhrilr von Ottilie Rosevmeyer, Musttrhauptschullehrerin in S. a. Ujhely. ,,Meine Jugendjahre waren wenig verschieden von denen eines anderen Knaben Oderungarns. Ich besuchte täglich spät und früh, mir meinem Var,r Jakob, welcher Melamed in Ujhely war, die ClauS der Chassidem. Meine Mutter Rachel liebte mich sehr und obwohl es unS nicht an Nahrungssorgen fehlte, lebten wir dessen ungeachtet sehr heiter und glücklich. Im Cheder erzogen, schnitzte ich meinen Kameraden manches Trenderle und war die von mir gearbeitete Jad netter und kunstvoller geschnitzt, als die silberne, welche abwechselnd mir der meinigen beim Verlesen der heiligen Thora in der Synagoge als Zeiger diente. Mehr noch al» Alle überrascht« ich die kleine Sarah mit meinen Kunstwerke», da war bald ein Kirfchkernlein, welchekunstvoll zu einem Ohrgehänge für meine kleine Schö»e hergerichtet wurde, bald ein Stück Elfenbein aus dem das Bild meiner Särah ähnlich, nurJugenbgefpielin geformt ward. Meine Mutter und die Nachbarsfrauen bewunderten meine Talente und fanden das Bild dem meinerSarahähnlich,nurmir, obwohl damals noch keine 13 Jahre schien das Original unvergleichlich schöner und das Lächeln meiner Gespielin lieblicher, als der Anbruch des heiteren Morgens an einem Frühlingstage. Eref Pefach grub ich in den zinnern Teller/ das einzige Kleinod meiner Eltern, die zehn Plagen der Aegyptsr, um fo wenigstenmit etwaam Seder« abend meinen Vater zu überraschen. Am Chalhamoed zir» kulirte in der Gemeinde mein Teller von Hauzu Hau-, Jedermann bewunderte mein T-lent, hielt mich für einen Künstler und zum Lohne wurde ,,dem Josef de- Melamed," denn so wurde ich in der Gemeinde allgemein genannt, vom frommen Rabbi Moscheh ein HodeS zu schnitzen. Nach ich meine .Schritte nach jUnghtvir, einer nahe Lelegeaen Jeschidah, um den Vorlesungen und Disputationen dedortigen Rabbi zu lauschen. Mit Thränen in den Augen bat mich ifieiw Mutter ja meine Zeit nicht mit Schnitzen zu vergeuden, dem Studium meine ganz« Aufmerksamkeit zu widmen und nicht zu weichen von den Gesetzen und als der Wagen zu rollen anfing, flehet« sie betend den Segen des Gottes Israel über mich herab. Meine Verwandte, Freunde und sonstige Bekannte meine- Vater-, der große Zadik in Ujhely nicht ausgenommen, bestimmten mich nach zweijährigem Aufenthalte in Unghvär in die Je, Teitelbaum der Auftrag meiner Barmizweh lenkte fchidab nach Preßt» >rg zu wandern, um durchEanhaltende- Srubium lm/Thclmud meinem Bocherthum die Krone aufzusetzen. Doch sollten meine Talente wohlwollenden Menschenfreunden nicht verborgen bleiben und schon nach zweijährigem Aufenthalte in Preßdurg war eS mir möglich Mich nach Wien zu begeben, woselbst ich die Akademie der bildenden Künste besuchte. Eo war denn allmählich audem einfachen ans »ruchlosen Thalmudjünger ein Künstler geworben, der nact Ruhm schmachtete, dessen Heimat für seine vorgestreckte iaufdahn ihm zu eng ward und der seinen inNern Ip!er h nur zu. sehr fühlfe. Meine Gönner entdeckten in k^ir g ößere Anlagen alsie anfangs glaubten und ertheilten mjr den Rath mich zur Fortsetzung meiner Studien nach-dem classischen Italien zu begeben. Ich schicklelMrm n Eltern ln Ujhely den letzten AdfchiebSkuß, doch kalt empfing i^h anstatt eine-Grußeden BibelverS; (3 B. 2)j. 19, 4) rrsös vieren be< Jiäsn dib > Ich lang» m.Rom an. Ich hörte die unversiegbare Quelle rauschtp, welche m inen brennenden Durst löschen n Vorhallen meine- Paradieses, in sich birgt. Mit zittemder die Thüre blieb geschlossen, sollte, ich fühlte mich in b« welchemein ganze- Glück Hand ergriff ich die Klinke war ich ja J-raelit und für einen solchen bleibt in Rom nichtander-übrig, aldie beschämendeZurückweisung, ich dar, ich flehet«! es war alleumsonst. Meine Empfehlung-, briefe, die ich vvW befreundeter Hand auder Heimat mitgebracht, wurden'Attchr einmal einrS Blickegewürdigt, man behandelte »ich, meiner Religion wegen, mit Gleichgiltigkeit und gab mir zu verstehen, daß man hier zu Lande mit Kindern deau-erwählten Volkenicht gern verkehre, konnte ich doch nicht einmal, weil ich Jude, Bedauem erregen. Meine Freunde redeten mir zu, ich möge vor einigen Tropfen Wasser keine Scheu hegen, da daganzes, eine bloße Formalität sei, die man morgen ebenso rasch hergessen könne \ Ander« bei denen ich Abhilfe suchte, bemerkten gleichgiltlg, daß sie mir nicht helfen können, doch wenn ich Christ würde, werde man nicht bloß alle mene Bitten erfüllen, sondern mir verschiedene Auszeichnung m zu Theil werden lassen. Ich gedachte der letzten Start* meiner Eltern, wiederholte nochmalall die Versuche. Umsonst, überall dieselbe Antwort. Ich, wußte, daß meine Ahnen unter ähnlichen Verhältnissen ganz ander- Htbandelt hätten, für mich war die Sonne de- RuhmemnN^höchste- Glück und im Eden der Kunst zu wandeln mein innigste- Verlangen. Hast Du da-Bild eine- Wanderer«- in der Wüste in dich ausgenommen, wie er

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