Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 21 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
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die man ohne zu übertreiben auf fünfzehn Tausend schätzen kann. Man bemerkte unret Denen, die von Außen ge» kommen waren, um dem verehrten Seelsorger die letzte Ehre zu erweisen: die Herren S. Levy Kroßrabbiner von Bordeaux, Weinberg, Großeaddiner von Lyon, Liebermann, Großraddiner von Nancy. - (Schluß folgt.) Jubelfeier in Dresden. Dresden, I.Mai. Die„D. A. Z."schctibk: „Heule Abend 7 Uhr beging die hiesige israelitische. Gemeinde die fünfundzwanzigiahrige Jubelfeier ^ihrer Synagoge. DaS im würdigsten Stile erbaute Gotteshaus, für das heutige Fest sinnig mit Blumen geschmückt, faßte kaum die große Zahl der Tbeilnehmer, welche sich zu dieser Feier» lichkeit eingefunden hatten und unter denen wir, neben andern hohem Staatsbeamten, auch den Herrn Culrusminister v. Falkenstein erblickten. Der Grundstein dieseS GebaudeS wurde in einer Zeit gelegt, wo das Glaubensbekenntniß hinreichle, «ine Klasse von Menschen von allen staatsbürgerlichen, bürgerlichen und gewerblichen Rechten auszuschließen; zu einer Zeit, wo dm Israeliten der Aufenthalt in Dresden und Leipzig unter der ausdrücklichen Bestimmung erlaubt'war, yzet Ein Grundstück besitzen zu dürfen. Unter Leitung des früheren OberrabdinerS Dr. Frankel, jetzigen Seminarvireclors in LZreSlau, begann die innere Organisation der Gemeinde sowie der Bau der Synagoge. Freiwillige Beitrage und Actirn schafften das nöthige Kapital. Die heutige fünfundzwanzigjahrige Jubelfeier des Bestehenihres Gotteshauses feierte die iSralitische Gemeinde in erhebender Weise. Ein liturgischer Gesang, mit Musikbegleitung in so künstlerisch gerundeter Form vorgetragen, daß selbst das Ohr eines Kritikers erbaut werben«^mußte, «eröffnet« die Feier. Ihm folgte ein Choral und sodann begann der Oderrabbiner Dr. Landau die Festrede über Jesaias 0: „DaS Volk, so im Finstern wandelt." Nachdem er begründet, daß ein Zeitabschnitt von 25 Jahren, der nicht nach seiner Lange, sondern nach dem Inhalt feiner Ereignisse bemessen, oft mehr bedeute als Hunderte von Jahren, führte er auS, daß die Israeliten binnen dieser Zeit bei unS durch die staatliche Anerkennung ihres Glaubens, ihrer Rechte und durch di« ihnen bewiesene Liebe ihrer Mitbürger auS der Finsterniß zum Licht gelangt seien. Mit besonderer Toleranz betonte der Redner, daß jede Confrssion ihre Berechtigung habe; die Wege gingen zwar auseinander, aber am Ziele träfen sie alle zusammen und dieses Ziel sei der Glaube an Gott. Möchte jede Confrssion ihr« höchste Ehre barm suchen, durch Innigkeit des Glaubens, durch Milde und Duldung den Strahlenkranz der göttlichen Religion zu verherrlichen. Der trefflichen Rede folgte ein Gebet für den König und die königliche Familie. Ganz der Festpredigt entsprechend war der darauf folgende Cboral, und nach dem Gesänge des 117. Psalm schloß die Feier mir einem Adendgottesdienste." Anekdote. Hausierer. (Ruft) NicdlS zu handeln? Hausbesitzer. Kummen's eink-, hob' wos zu verkäsen und zwor i möchr' gern mei Wechsel- Haufierer. O, solche Waare kaufe ich am liebsten.— HauSbes. Ader lossen'S doch a Menschen ausreden; 1 will Ihnen mein Wechselfieber billig um 10 Neukreuzer hingeben. Haus.H Das Geschäft ist geschlossen, hier haben Sie 2 Kreuzes alS Draufgeld, und Sie behalten e-, bis ich komme und hol' es ab. I. Spatz in Papa. Curiosum. Aus Prag schreibt man der „N. Fr.Pr.": „Unterdem Prvtectorate eines hiesigen Papier- und Samenhändlers lebte hier den ganzen Winter hindurch «in englischer Prediger, ich glaube er heißt Rev. van Andel, dessen längerer Aufenthalt ihm von der Missions-Gesellschaft in London gestattet wurde, damit er unter den hiesigen zahlreichen Juden Proselyten mache. Bis heute ist noch nicht em einziger Fall bekannt geworden, von dem dieser Missionär die Früchte seines Wirkens seiner Missions-Gesellschaft hätte zur Kenntniß bringen können. Er motivirte fein Ansuchen um längecn Aufenthalt in. Prag damit, daß Aussicht auf einen vorzüglichen Erfolg seiner Mission vorhanden sei, weil zu einer seiner englischen Predigten, welche er vor. längerer Zeit in der hiesigen evangelischen Kirche gehalten, sich viele Juden eingefunden. Wenn dies Motiv genügend, so wird er gewiß seinen Prager Aufenthalt abermals verlängert bekommen. Morgen Nachmittags predigt er wieder »n der evangelischen Kirche, und er kann sicher sein, daß sich abermals sehr viele Juden, welche Englisch verstehen oder im Begriffe find es zu erlernen, bei dieser Predigt einfinden werden; diesen praktischen Leuten ist eS aber um nichts Anders alS um eine Lection im Englischen zu rhun, die sie auf solche Weise gratis erhalten.,. Allgemein/« Zerrung des Judenthums. No. 20. 1865. Inhalt- Leitende Artikel: Der Geist des JndentbumS in feinen Gebeten nach den verschiedenen Zeitaltern. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt, Gießen, Oldenburg, Aus dem Rasiauischen, Hannover. Preußen: Berlin, LandeShut. Frankreich: Paris, Paris. Rußland: Et. Petersburg, Odeffa. Marokko: Tewan. Eo rrespo ndenz: Jüdische Briefe von Albert Lohn 2ÜII u. XIV. SS* Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich */A Dhaler. Lcranlwortlicher Redactenr: Dr. A. Nager. Lttlas von ©aamgärtart'« Bnchhandtnng in Leirug. — Druck von G Sit»f> na in Leipzig