Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 20 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksmatt. Zur. ^eleCtriinq unt) Unterfjaftung aus jüdischem Heöiete. 1 Herausgegeben von Rabbiner Or. Ludwig Philippson in Bonn. Mo. 20. 1865.] von dieser Zeiilürrikt erickewt »Äbentlich eine Stummer. Preis deS 3 &rgan-S l Thlr. Bierreljährig 7 '4 Ngr. Alle Luchhaortunge», Pcstäipier und ZeimnsServediriönen nebmen Bestellungen an. [12. IsKrg. 2. Quartal] Die Friedhjife tm jüdischem Standpunkte. (Schluß.) III und IV. Die Gräber! sind in jedem Eultus Orte der Samm, lung und des (i)ebetes. Darf nun der Gemeinderakh der Mehrheit der Einwohner verbieten wollen, Kreuze und Kruzifixe aus die Gräber ihrer Verstorbenen zu pflanzen? Und wenn drelö sicher nicht die Absicht des Gemeinde» rathes ist, will!ec die Juden zwingen , an der Seite des Kruzifixes zu dsten? . Das Kruzifix erinnert zunächst die Juden an eine, .viele Jahrhunderte anwährende Anklage, die wir niemals verdient zu hab^n glauben. Nein, es waren keine Juden, welche Jesus Kreuzigen ließen. Diese Todesstrafe war römisch und har bei unfern Vorfahren niemals Eingang gefunden. (Der Verf.j diese- Aufsatzes, Herr Rabbiner Dr. S. Hirsch in Luxemburg geht hier nun ausführlich auf eine Kritik der Vorgänge bei dem Tode de- Stifters der christlichen Religion über, und weist, namentlich auder Geschichte der damaligen jüdischen Sekten und aus dem jüdischen Rechtsverfahren nach, daß die Berichte über jene durchaus unrichtig und nicht einmal von Männern her» rühren könnten, welche eine wirkliche Kenntniß vom Juden» thume hatten. Wir übergehen dies hier als nicht zur eigentlichen Aufgabe r es Artikelgehörig. Er fährt dann fort: Können wi: also uns sammeln und beten an der * Seite des Area eS, welcheuns diese tausendjährig« Beschuldigung, die ungerecht gegen unS gerichtet und noch nicht zurückgenommen ist, stetvor Augen stellt? Können wir uns solmmeln an der Seite diese- Symbole-, daunan alle Befolgungen erinnert, denen wir seit fünfzehn Jahrhunbirten gerade wegen dieser falschen Anklage au-gesetzt waren? Ich fehe nic^t ein, wie man, ohne da-Gewissen der Meisten, die vor dem Kreuze beten wollten, zu verletzen, verbieten kann, auf den Gräbern diese- Symbol dechristlichen Glaubens zu errichten. Aber ich begreife auch nicht, daß man die Juden zwingen will, ihre Tobten zur Seite der Syckbole zu beerdigen, welche sie an die unglücklichen . Anklagen erinnern, deren Folgen so verhängnißvoll gewor» den find.*) *) Herr Dr. Hirsch hebt hierbei ein Moment nicht genug hervor, dagerade da-Wichtigste zu sein scheint Tr bezeichnet« DieJuben werde :i keineswegs dagegen opponiren, wenn der Gemeinderath einen allgemeinen Kirchhof für die Anhänger aller Cullen Anrichten wollte. Aber so lange der Gemeinderath keine Mittel findet die Armen, — indem er vielleicht eine angefinssene Steuer bezahlt mit denselben Vorrechten, welche die Reichen genießen, zuzulaffen d. h. die Gebeine untker der Erde ruhen zu lassen, und wenn er gleichzeitig ksin Mittel findet, den- Gefühlen der Majorität und "Minorität betreffs der Symbole des christlichen Glaubens Rechnung zu tragen, werden die Juden es vorziehen von der Freigebigkeit,.-die ihnen von dem Gemeinderath bewilligt Hst, keinen Gebrauch zu machen; sondern sie werden immer einen Friedhof für sich haben wol- 5en, indem sie pch, dajs ist immer selbstverständlich, den von der Polizei vorgeschriebesicn G,sundheitsmaßregeln unterwerfen- Der Professor Ollendorsf. jetzi; Wer von der nen Sprachen erlernt Methode und Lehrbüch Jude und ist vor ein Freund de- Dersth en Generation, der ein« der moderier, gedenkt nicht der Ollendorff'fchen §r? Der Urheber derselben war ein m gestorben. Professor S. Munk, denen, zieht in den Arch. isr. eine selbst da- Kreuz als da« solches sehen wir Inder Das Kreuz ist dennoch die gegen uns gerichtet« ynibol des christlichen Glaubens. Als es auch an, und müssen eso anseden. ür un»' nicht bloS eine Erinnerung an Anschuldigung , sondern stellt vielmehr die ganze christliche Glau bevslehre vor, die-unsrevReligion durchaus widerspricht. Und lich macht, neben jenem nigen seine Andacht zu die» ist b», was dem Juden nicht mog- Symbole auf dem Grabe eine» der Seiverrichten und seinen Gefühlen sich hinzugeben. Die Gruft' eifie« theuren Wesens ist gerade der Platz, wo der Mensch ganz n> gestört, zurükgezogen von allen Aeußer» lichkeiten, ganz sich selbst seinem Schmerz, seiner Erhebung, seiuen Erinnerungen leben will. Sie ist ihm ein Heiligthum, ja das höchste Heiligthum auf Lrden, da» nicht« berühren soll, wa» davon abzieht »nd was il m widerspricht. Fürwahr er kann bei dieser Frage von feine« Feindseligkeit, von keiner Semrerschaft, von keiner Abschließuug die Rede sein. ES ist hier lediglich die einfache Thatfache, daß das Judenthum und das Ehristentbum in ihren Glaubenslehre l unvereinbar sind, und die natürliche Folge dieser Thvtsache. Die verschiedenen christlichen Kirchen vereinigen fich immer wie! er um dieselben Glaubenslehren und um diesäbm Symbole. Zr ischen Loritzentbum und Jadenthum aber besteht hi-erin eine Kluft, dit von der Geburt bis zum Tode reicht, obschon sie in Pflicht Und Recht,' in Menschenliebe und Menschenachtung durchaus keine,Scheidung bewirkt und bewirken darf. Die Redaktion.