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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 19 (1865) · p. Seite 76

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
19 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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„Eine possierliche Mortarageschicht« wird ans dem Ober» innthal (Tirol) erzählt. Ein LLjähriger Knabe kam tiefer Tage ja bas £orf PiamS und klagte hier den Leuten ein Lange- und Breiteüber seine traurige Lage. Seine Aeltern habe er deide-an einem Tage verloren und nun gehr eihm recht schlecht, und er werde auch seine- Glaubenwegen immer verfolgt, so daß eihm schon sauer falle, Jude zu bleiben. Di« Bauer-teure unterstützten den Zungen und brachten ihn' endlich, seinem Drängen nachgebend, zu einem Deficienten-Prkester, welcher ihn in Unterricht nahm, und ihn zum Uebertritt in die katholische Kirche vorbereitete. Der Knabe zeigte so große Talente für alle-, daß eaußerordentlich auffiel. Aler. aber gar in acht Tagen das Lesen vollständig erlernt hatte, schüttelte man di« Köpfe. Eineschönen Tageaber nahm ein Mitglid der Gemeinde den Jungen bei den Ohren und rief: „Ich lass' dich nicht mehr loß, bevor du nicht sagst, wiedu heißest und woher du bist." — /,LoS lasten" schrie der Knabe, „I hoaß Seppel »Ad bin von Motz" (Dorf in der Nähe). „Wer ist dein Barer?" „Z Han nur a Mueker." Diesmal Harle der Knabe die Wahrheit gesagt. Er war also gar kein Jude. Durch die Verstellung Halle er gehofft, für die nächste Zeit eine gute Unterkunft, und durch di« zu gewärtigende Tauf« ein schöne- Taufgeschenk zu erhallen. Mit alldem war eS nun freilich vorbei." Misccllcn. Vor einiger Zeit machte der Engländer Alexander Michia einen Zug von Peking nach Kiachta durch die große tartarifche Steppe. Er lagt darin: „Wir hatten uns ganz mit den wandernden Tartaren ibentificirt und ließen uns da- Leben in der Wüste ebenso gefallen wie die umhrrziehenden Z-raeliten, denen «ine dunkle Vorstellung von einem gelobten Lande vorschwebte, die auf ihr tägliche- Leben wenig Einfluß hakte. Ihre regelmäßige Portion Manna war ihnen lieber als die glänzende Zu»' kunft, welch« ihre Führer im Auge hatten. —. In dem Wüstenleden liegt ein Reiz, der für einen Europäer nach den Mühsalen unaufhörlicher Arbeiten großen Werth hat. Man istvoc telegraphischen Depeschen sicher, braucht sich nach keinem Bahnzuge, keinem Dampfer zu richten und liest nicht täglich in den Zeitungen von dem Unrecht«, besten die Erde voll ist. Ze länger man in einer solchen ruhigen Einöde lebt, um so unabhängiger von der großen, sich admühenden Welt draußen fühlt man sich. Es ist eine wahre Erholung, dieser Welt auf einige Zeit den.Rücken zu kehren und sich zu den Kindern der Natur zu gesellen, denen freilich die Genüsse, aber auch viele der Leiden und manche der Verbrechen der Civilisation fehlen." Ist es denn wahr, fragt Schulze, daß die Juden überall unter die Revolutionäre gehen, wie es di« Kreuzzeitung predigt? Ei ja freilich, antwortet Müller, als sie aus Egypten zogen, waren ft« ja schon Mazin istenk Anekdoten. In Berlin sollte vor mehreren Jahren von Seiten der Regierung eine Visitation der jüdischen Schulen stattfinben. Der berühmte Bellermann bekam das Commistariat. UnterAndkrem kam er-zu Ferndach, der damals eine Winkelschule hielt. Nachdem B. dem Lehrer seinen Auftrag mitgetheilt und dieser ihm sagte (auf Befragen), daß er eben Religionsunterricht «rtheile, ersuchte ihn Lellermann den Kindern in dieser Branche einige Fragen vorzulegen. Fernbach: „Ja wie viel Tagen hat Gott die Welt geschaffen V' Kinder: „In sechs!" F. „Richtig. Warum hat er sie nicht in einem Tage geschaffen?" Kinder: Keine Antwort. Fernbach fragt noch einmal, — kerne Antwort. Dellermann spricht leis« zu Fernbach: „das ist eine schwierig« Frage, Herr Fernbach. Ich gestehe, ich würde sie äuch nicht beantworten können. Kerndach, auffahrend und laut: „Aber die dummen Jungenmüssen ewissen, ich habe es ihnen zehnmal gesagt. Gott hat deshalb die Welt nicht in Einem Tage, geschaffen, weil diedie Welt nicht hätte aushalten können!" Ein junger Mann welcher Talmud stubirte und ein moderner Rabiner werden wollte, wendete seinem Ziele den Rücken, und wählte den ärztlich,rt B/ruf und zwar besonders für Augenheilkunde; bald aber gefiel ihm auch dieser Stand nicht, er studirt« Jus, und ward Doctor der Rechte. Nun sü»ritd ihm sein früherer Lehrer: Mein Freund du wolltest früher ein D'-voe, *vno werden, dann ein fiten O'birt bann ein npio und nachher bist du endlich ein geworden sei doch wenigstens auch ein anifit C'P*ix. Curiosum. In den Theatern wird jetzt eine komische Oper „die Seufzerdrücke" aufgrfüdrt, der Text ist von Hector Erb» mieux und Luddovic Haleoy, die Musik von Offenbach — alle drei Juden.. Allgemeine Zeitung des Judenthum-. No. 18. 1865. Inhalt: Leitende Artikel: Judenthum und Deutschtum. — (Schluß.) Zerstreute Bemerkungen. — Luearischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hannover. Augsburg, Au« der Pfalz. Preußen: Berlin, Berlin. Berlin, Landsberg. Lüstrin Oester reichis cher ft aife r flaat: Lu» Oberungarn, Pest, Wien, Prag. fy Zu beziehen durch jete-Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich VA Thaler. Berantwortlicher Redakteur: Dr. A. Nager. CU tloj »ca SeiraglctBtr’# ButfcHnHutS in — Druck von S» JtreQHng i>

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