Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 18 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 4)
- Language
- German
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72 langen Zeiten her viele Juden, dir jttzt in einer abgesonderten Gasse wohnen. Die Evur-Trierische Residenz Coblenz hat deren auch eine groß« Menge. DaS Herzogrhum Zweybrücken har keine Juden, duldet auch keine, vermöge einer testamentlichen Verordnung des Herzog» Wolfgang; allein Herzog Ludwig har je in die Aemter Mechenheim, Landsberg,Lichtenberg, Bergzabern und Neu-Cassel ausgenommen, daher denn jetzo wirklich in Meisenheim, Odernheim, Obermoscheln^Becgzabe'rn, Stadecken, Essenheimrc. noch sehr viele Juden sind. So weil Ulrich. -Kayserling. Anekdote von S. K. Im Hause eines berühmten Rabbiners von altem Schlage ging von dem kleinsten Kinde ein Slrümpfchen verloren, da» arme Kind mußte eine längere Zeit mit einem entblößten Fuße «inhergehen. Nun machte er endlich seinem Weibe den Borwurf über ihre Nachlässigkeit in der Wirthschafk. Sorg nicht, mein lieber Mann, allekommt schon heraus, war ihre Erwiderung. Am Sabbath, als man sich «den über da-Zerschneiden der Schaletkugel machen wollte, entdeckte man ein weißes Zipfelchen. Die Rabbiner rin machte sich hurtig an- Werk und zog hier tciumphirend davermißte Slrümpfchen heraus mit den Worten, nun seh't ihr, ich Hab' euch gleich gesagt, da- Strümpscheu ist nicht verloren gegangen. — Der Mönch und der jüdische Baron. In kem Journal Opinioo nationale erschien am 2. April ein Feuilleton mit Namen: ,^<r Jude undder Mönch". ES ist ein Dialog, scharfsinnig und wahrheitsgetreu, wie Alles, was auS Edmond Adout'S Feder herrührt, zwischen einem israelitischen Baron und dem Repräsentanten eines religiösen Ordens, der um die .Gunst nachsucht, bei einer Anleihe betheiligt zu werden. Es heißt da unter Aoberm: „Im Mittelalter, mein Lieber," so redet der Baron, „lebten die Mönche und die Juden gleicher Weise außer-- kalb der Gesellschaft, die Mönche aus freier Wahl, die Juden durch Gewalt. Nur beherrschtet ihr dieselbe, und unS trat sie nieder. Trotzdem, daß euch die öffentliche Meinung zu hoch und unS zu niedrig stellte, wurden wir regelmäßig alle beide geplündert. Wenn es einem Könige an Geld fehlte, so war die Frage nur die, sollte er die Juden oder die Mönche plündern. Es giebt keine Sicher- "heit außerhalb des allgemeinen Gesetzeder allgemeinen Anschauung und b«S allgemeinen BaterlandrS. Diehaben wir vor euch erkannt und haben uns wohl dabei besimden. Der Jude hat heroische Anstrengungen gemacht, um in die französische Gesellschaft einzurreten, wahrend der Mönch darauf beharrt, aus ihr herauSzutrelen. Wir haben es dahin gebracht Bürger zu fein, wir sind dieser Eroberung froh und strengen unS an, uns ihrer würdig zu zeigen. Wir zahlen mehr Steuern, wir bringm mehr Kinder hervor (?), wir feisten mehr öffentliche Dienste, als die meisten Ehristrn; in der Industrie, dem Handel, den Künsten, in den öffentlichen Aemtern und selbstaufden Schlachtfeldern wetteifern wir an Thätigkeit, Ergebenheit und Muth mit denen, deren Vater vor uns Bürger waren. Deshalb sind unsere Personen und.Güter mehr in Sicherheit, als die eurigen. Niemand wäre so stark, um die Vertreibung der Juden zu fordern, wahrend heute die Christen um die eurige petitioniren. Kein Fürst würbe, ohne em Verbrechen zu begehen. die Millionen sich aneignen, d» ich in Gemäßheit des allgemeinen Gesetz,- durch meine Arbeit erworben habe. Wenn ihr dieselbe Sicherheit erlangen wollt, so verdientste. Curiosum. Elbing, 14. März. Am Sonntag, dem 12. d. M., Äieldet der „Elb. An;.", feierte ein achtbarer und wohl der älteste Bürger Elbing-, Herr Abraham Leb recht, Baker des Kaufmann« W. A. Ledrecht, dagewiß seltene Fest seines hundertsten Geburtstages. Eine Deputation des Magistrat- (Herr Oberbürgermeister Burfcher und Herr Stadtrath Krause), die Aeltesten der hiesigen israelischen Gemeinde und mehrere Freunde, brachten an dem denkwürdigen Tage dem Greisenpaare ihre Glückwünsche. — In Danzig unter polnischer Herrschaft geboren, hat Herr Ledrecht bei dem Einzuge Friedrichs des Großen daselbst diesen Monarchen noch von Angesicht zu Angesicht gesehen und erinnert sich dieses Momentnoch mit voller Lebhaftigkeit. Auch die Schrecken der Belagerung Danzig- und dann die Einnahme durch die Preußen hat derselbe dort erfahren und gesehen. Später zog er nach Liebstadt und kam dann hierher nach Elbing, woselbst er seit einer Reihe von Jahren in friedlicher Ruhe seine Tage mit seiner nun achtzigjährigen Gattin verlebt. — Herr Ledrecht erfreut sich eine-, von den meisten Beschwerden des hohen Alterbeinahe freien Wohlsein-, insbesondere aber einer ungetrübten Regsamkeit de- Geisteeines ungeschwächten Gedächtnisses und nimmt dabei lebhaften Antheil an den Ereignissen des Tage-, selbst an den politischen. Allgemeine Zeitung des Judenthums. No. 17. 1865. Inhalt: Leitende Artikel: Judentbum und Deutsch, thum. — Zeitungsnachrichten: Preußen: Berlin. Hannover. Lesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Lemberg. Frankreich: Paris, Graz. Rußland: Thorn. Holland: Maastricht. A.merika: Savannah. Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich yA Thaler, i Zerantwortlicher Redacteur: vr. A. Nager. Berlaz vou Lnumga, tntt't S*Af«ntlnng tu LeipUs — Druck vou <9. Srevti ng in Leipzig