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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 17 (1865) · p. Seite 68

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
17 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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68 „Et pur $e muore.“ „Und sie bewegt sich doch" (Gallilei). Ist das Wort auch langst verklungen DaS mir Macht emporgerungen Sich auS edler Denkerbrust Die der Wahrheit sich bewußt. — Doch im Herzen lebt es noch DaS Wort „und sie bewegt sich Koch." Wenn des Wahnes Truggebilde Wenn der Glaubenshaß, der wilde, Eifernd kämpfet mit dem Licht Ruht die Macht der Wahrheit nicht. Steht nicht still auf ihren Wegen Denn „sie muß sich doch bewegen". Laßt sie Drachrnzahn« streuen Last den Geist der Zeit der neuen Sie bekämpfen durch das Wort Licht es schreitet immer fort Lichtberolde rufen noch „Mulh," „denn sie bewegt sich doch." / Geister lassen sich nicht bannen In die kurzen engen Spannen Die der eitle Wahn qrsann Wahrheit löst mir!Gort den Bann Wahrheit heischt ein freies Regen „Und sie muß sich doch bewegen." Unsre Lehre gottentstammet Von deS Sinais Glut entflammet Macht zur Feindin Ihr des Lichrs? Drängt sie in deS Stillstands Nichts? Nimmer ruht die Forschung noch Glanbend „ sie bewegt sich doch." Forschen und nach Wahrheit ringen Muß der Jude, sollS selrngen. — Lernend forschen immerfort Heißt unS selbst daS Gotteswort Wyllt ihr drob in B^nn unS legen? Eei'S, „sie muß sich dochXbewegen." Um der Wahrheit S<^ab>z^'heben So in Lehre wie ich Lebens Muß de^ frei« Menschengeist. Aiehn wohin die ihVweist — Hemmt, ihr heut den Zeitgeksr noch? Nein, denn „sie bewegt sich doch." Dr. Ehrentheil * Rabbiner in Horic. Curiosum. (Braunschweig, 8. März.) (Belohnte Ehrlichkeit.^ Vor Kurzem fand ein Soldat der 3. Compagnie deS Jnfanterie-RegimentS in der Nähe des BruchthoreS eine Brieftasche und nahm dieselbe einstweilen an sich, ohne ihren Inhalt zu besichtigen. Kaum war er indeß eine Strecke gegangen, alS.rr einen nach Etwas suchenden Bedienten erblickte, von welchem er alSbald gefragt wurde, od er nichts gefunden habe. Sofort antwortete der Solrat, daß er allerdings eine Brieftasche gefunden, und erhielt darauf von dem Bedienten die Eröffnung,, daß diese Brieftasche feinem Herrn gehöre, welcher sich auf dem Bahnhofe befinde, um weiter zu reisen und ihn beauftragt habe, die nöthigen Schritte zur Wiedererlangung des Verlorenen zu thun. Der Soldat erklärte, er würde diesem Herrn daS Gefunden» zurückgeden, wenn ihn der Bediente zu demselben führen wolle. Beide begaben sich nun auf den Bahnhof und trafen daselbst auch einen elegant gekleideten Reisenden, welcher äußerst erfreut war, als ihm die Brieftasche eingehändigt wurde. Er durchflog den Inhalt, nahm die Brieftasche zu sich, zog feine Börse und gab dem ehrlichen Finder 5 Thaler mit der Frage, od er mit dieser Belohnung zufrieden fei. ,,£) ja", erwiderte dieser schmunzelnd, „wenn Sie mir aber noch eine Kleinigkeit zulegen wollen, so habe ich auch nichts dagegen." Der Herr lachte, fragte den Soldaten nach seinen Namen und nvtirte sich denselben; eS läutere zur Abfahrt, Herr und Bediente flogen mir dem Zuge davon, und der Soldat verfügte sich, vergnügt über das ihm widerfahrene Glück, in die Kaserne. Vor einigen Tagen aber erhält der Soldat eine gerichtliche Vorladung und wandert, gespannt darauf, was solches zu bedeuten habe, dem Gerichte zu. Wer möchte aber das Erstaunen, wer überhaupt den Zustand des Dorgeladenen schildern, als ihm eröffnet wird, daß er cktirt worden fei, um 2060 Thaler in Empfang j zu nehmen, welche ihm Baron Rothschild auS Lon- 1 Ocn für die ehrliche Ablieferung der gefundenen Brief-! lasche übersende. Dieser hatte die Brieftasche bei seiner Durchreise nach Wien auf einem Gange in die Stadt verloren und belohnte die Ehrlichkeit auf solche Weise. Der * Vorfall ist tharsächlich und auch der Name des Soldaten! ist uns bekannt. Al lg e meine Zeitung des Jude nt h ums. No. 16. 1865 j Inhalt: Leitende Artikel: Polemisches. — Der gegen« wattige Zustand der Juden in Persien. — Lileattscher Wochenbericht. — Zeitung Snachrichren: Deutschland: Berlin. Oester« reichlicher Kaiserstaat: LapoSvar. Rußland: Petersburg. Mexiko: Großbrilauien: Bonn. Frankreich. Algier. X3ST Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich X Thaler. Beranrwottlicher Redacteur: vr. A. Nager. Verlag vo» Laumgärturr'» Buchhandlung in Leipzig. — Druck von G. Kreysi ng i» Leipzig. Hierzu eine Beilage Toussaint-Langenscheidt betreffend.

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