Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 17 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur Belehrung uisd Unterhaltung aus jüdischem HeKiele. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Kntzwig Philippson ln Bonn. Mo. 17. 1865.] Sen tiefet Aeitfchtifr crfAdnt »MemtlMI eine Rümmer. Stet* M Intzr« gang« 1 Ttztr. Sienetfäfcrig 7 % Rgt. SBe Buchhandbong», Postämrer nnb geitsng«er9<titienes nehmen Scftclnngen i [12. ZMz. 1. Quartal.] Die Vorgänge zu Damaskus ün Jahre 1840. (Schluß.) UcbcniU, in Marseille wie in Livorno, waren unsere Glauden-genossrn in großer Aufregung, um die edlen Pilger nach Verdienst zu empfangen und ihnen Beweise von der aufrichtigsten und tiefsten Sympathie zu geben. Die Briefe meine- Freunde- Munk sind dadeutlichste Zeugniß dafür, obwohl sie bald die schmerzliche Gewißheit au- Alexandrien dringen, baß Mehemet-Ali, beeinflußt durch die Weisungen au-Pari-, niemal-di« Revision de-Prozessegestatten würde. Die französische Partei gab in Alexandrien di« Anklage wegen de-Geheauche-von Blut znmOsterfest« auf und wollte mix die Anschuldigung^«« Mordes aufrecht erhalte«; aber ohne den ersten Theil der Anklage fiel daganze Gerüst in Trümmer; man hatte bald di« Ueberzeugung, daß man nur unbestimmt« Versprechen von dem Vizekönig erhalten würbe, dessen ganze Macht in Folge de- Julivertragein Frage gestellt zu werden begann. Persönlich zeigten sich Herr Eaheler, der französische Generalkonsul, sowie dessen Kanzler, Herr Doulou, sehr human und verähnlich; ihre Worte verriethen selbst ihre Ansicht, baß die armen Angeklagten unschuldig wären; aber offiziels hatten sie Befehl, Herrn Rattimenton und die Wendung, welche sein traurige- Verfahren genommen hatte, nicht zu verlassen. Herr Munk kaufte unterdessen für die Haadschriftenfammlung der Bibliothek den Kommentar der Maimonidezu Rofch-ha, Schanah und arabische Deraschoth von seinem Enkel R. David. Die Herrn Crömieux und Montefrore hatten bald die Ueberzeugung, daß man von Mehemet-Ali nie die Erlaubniß zu einer Revision des so genanten Prozessevon Dama-tuerhalten würde. Dafranzösische Ministerium war für de« Dizetönig die einzige Stütze gegen die Mächte de- Juliverkrage-, und die Befehle au- Pariwaren zu streng, um den geringsten Zweifel über die schrecklichen bei dieser Gelegenheit begangenen Tharen zu lassen. Tiefe- Dunkel sollte die ganze Angelegenheit bedecken, und da man in Folge dieser Hindernisse nicht dizum Ursprung dieser traurigen unb| unglücklichen Prozedur vor, dringen konnte, so mußte man versuchen, wenigstendie fünf armen überlebenden Israeliten auden Klauen der Meuchelmörderhorde zu retten, .welche die jüdische Bevölkerung rerr-risirte. Bier Unglückliche waren nach^ einander den Schlägen und Qualen erlegen; aber jener Akt der Menschlichkeit und Gerechtigkeit war nicht leicht zu erhalten. Der folgend« Auszug audem Briefe meine- Freunde- Munk vom 4L September au- Alexandrien, zeigt undeutlich die L^ige, in der sich die i-kaelitischen Repräsentanten brr Sache der Menschlichkeit und Gerechtigkeit befanden. „Nachdenf wir die Ueberzeugung erlangt hatten, daß wir unter den gegenwärtigen Umständen niemaldi« Erlaobniß zu einer Revision de- Prozesseerlangen würden (denn kein Urtheil war gefällt worden), beschloß man, durch die Konsul« eine Bitte an den Pascha unlerzeichnen zu lassen, um rwn ihm die sofortige Befreiung der überlebenden Gefangenen zu erhatten; aber bä sich dies« Sache in Folge einiger Rathschläge in di« Länge zog, so entschlossen wir un-, Hejcr und Frau Erömieux und ich, dies« unfreiwillige Wnßes zu verwenden, um Eair» zn Ersuchen. Dir »erließen Alepandrlen am Freitag Morgen, dem 28 August; aber wir waren kaum eine halbe Stunde auf dem Kanal Mahmublä gefahren, der Alexandrien mit dem Nil verbindet, alun- «in Wagen mit Elat Bey und Guetani Bey, den depen Aerzten de- Bizekönig-, uneinholte, um uns bi« Nachricht zu dringen, vaß der Pascha sich für die augendlialiche Befreiung unserer unschuldigen Glaubensgenossen entschieden hätte. Herr Cremkeux benachrichtigt« Herrn Montffiore davon, und wir begaben unzum Pascha, um ihm zu danken, der Stimme der Gerechtigkeit Gehör geschenkt zu ^haben. Alich mich zum Serail begab, um die Kopie vor Ordre zu, erhalten, welche ScherifrPascha zugesandt werde^ sollte, zeigte ich meinem Kollegen, Herrn Löwe, daß r^tr nicht dat Wort afer, welche- „Gnade" bedeutet, ftrhr, lassm dürften (die Unglücklichen hatten keine Gnade erhalten, wir nicht um sie gebeten). Herr Cre« mieux begab: sich zum Pascha und nach einer Unterredung von einer Slnnde ersetzte da- Wort alak „Befreiung", jeneungerechte Brzoichnung. Ohne Alleerhalten zu haben, was wir ein Rrwt zu fordern hätten, ist der Aufenthalt der i-raelirifchenj Mission nicht im Geringsten unnütz geblieben, da-Leben von fünf Unglücklichen ist verschvnt worben, und di« orientalische Welt hat die Ueberzeugung gewonnen, daß ähnliche Gräuelthaten sich nicht mehr erneue,n könnten, ohne in Earopa die Sympathie alledessen, waein menschliche- Herz hat, zu erwecken". — Ohne d! i Denyickeluag der politischen Verhältnisse hätte man sich n ich Dama-kubegeben können, um im Detail die Fäden z i prüfen, die dort mit eben so vieler Grausam, feit wie G schicklichkeit gesponnen worden. In den Gesprächen mi: Mehemet-Ali gewann die Mission Ueberzeugung, dqß er selbst die Juden für unschuldig hielt, daß