Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 15 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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lassen. Der Jammer der darüber in der Judenstadt erilslanben, ist nicht zu beschreiben, und sie gerielhen dadurch in die äußerste Armulh. Dazu kam einige Zeit hernach ein noch größere- Unglück. Bei Untersuchung der Umstände, die sich bei der letzten Belagerung und preußischen Eroberung zugerragen, wurttz den Juden Verschiedenes zur Last gelegt. Man beschuldigte sie, gewiß mir Unrecht, als ob sie den Feinden ihro königl. Maj. allen Vorschub gechan hätten, und die Königin in Ungarn und Böhmen ließ gegen die sämmtlichen Prager 1 Juden ein starkekönigl. Edikt ergehen, vermöge dessen der ganzen Jubenschaft in Prag die Emigration aufeclegt wurde. Ob nun schon die Judenschaft sich äußerst bemühte, b« der Königin «ine gnädige Aendecung au-juwirken, so mußte es doch dabei sein Bewenden haben, und alle Prager Juden, nur die Kranken und Kindbellerinnen nebst einigen Aeltefien ausgenommen, welche noch auf eine kurze Zeit darin gelassen wurden, den 2lren Februar und 3ten Marz des Jahres 1.745 wirklich au« Prag ziehen und das Elend zu bauen anfangen müssen, indem sie fast aller Mittel entblößt, hin und wieder im Königreich zerstreut gelegen und sonderlich viele Kälte ausgestanden haben.(') Ärz- Böhmen kommen wir auf die entfernten L ev a n - tischet Inseln. In den mehrsten derselben sind viele Juden anzulcesfen. ES gibt Juden nuf der Insel Scio, auf der Insel Rhodus, auf der JnLl NegropoNte; auf der Insel PacraS haben si'e^f»st^den dritten Theil der -Stadt und 4 Synagogen, so sind auch in Morea und Griechenland Juden, das einzige Athen ausgenommen; in Lepanro halten sich ebenfalls Juden auf, welche 3 Synagogen haben, nicht weniger auf der Insel Ea n d i ä. Von Italien gehen wir nach Holland. In vielen Städten dieser Provinz sonderlich zu Amsterdam, Ro lterdam und im Haag sinder man Juden in Menge. Sie haben hier ganz außerordentliche Freiheit. Was lhul der Holländer nicht um de- Commercii willen? Don der großen Zahl der Juden an benannten Orlen kann man daraus schließen, weil an einem Sabbarh die Börse mehr als die Hälfte leer ist, was ich mehr als einmal mir meinen eigenen Augen gesehen habe. Ostfriesland har viele Juden, sonderlich die freie Stadt Emden. In der hochfürstlichen Residenzstadt Äurichund auf dem Lande giebr's ebenfalls eine ziemliche Menge, welche sich mir Käsemachen nähren. In Westfriesland sinder man auch Juden, aber in geringer Anzahl. Vgl. hierzu Abraham Tevirsch, Koroth-lia-Ittim. S. 15; Ztg. t. Judenlh. 1850, -S. vu9. — Der Auszug der Juten aus Prag, stellt ein Bild vor, welches 1745 in Nürnberg bei Fricdr. Wilh. Bever's Wcw. erschienen ist und die Ueberschrifl sühne: „Wahrhafter Abrieß von den Auszug der sämmtlichen Juden« schasl aus der Stadl Prag in »Lnigreich Böhmen, welche durch königliche Verordnung aus einer geheimen Ursache halben un« der vielen Weinen und Schienen, dan ungefähr 70000 (?) Seelen in größter »eilte mir allen Möbel, bis auf »ranke und Kind» betberin bin weg begeben mießen, den 21. Feb: bis den 3. Statt: A. 1745. In Leuwarden hingegen werden keine geduldet so auch in Franeken. Wir kommen nunmehr nach Deutschland und zwar zuerst nach Schwaben. Ulm, Augsburg, Nörvlingen, Eßlingen, Memmingen, Kaufbeuern,Heilbronn und andere Städte dieses Kreises wissen Dato von keinem Juden. (Fortsetzung folgt.) Curiosa. lDiehische Rohheit.) Ueber einen Mord und j Mordversuch in Pawlowitz (bei Ausspitz) schreibt der Wic- | ner „Fr. Presse" ein Herr Benedikt: Donnerstag ven 2. i März Vormittags erschien in meiner Abwesenheit der 26- ' jährige Bauerndursche Melichar, der Sohn wohlhabender! Eltern, in meiner Wohnung, ließ sich ein Gläschen Brannr-; wein einschenken unb verweilte über zwei Stunden im Alm-! mer. Gegen 11 Uhr überfiel derselbe plötzlich von rückwärts meinen am Schreibtisch beschäftigten Hausfreund > Hoffcld, versetzte demselben rücklings mit einer aus seinem j Pelze hecvorgeholten Hacke mehrere tövtliche Streiche, wel- I chen der Arme auch erlag. , Melichar versetzte hierauf mei- : ner Höffeid zu Hülfe eilenden älteren Tochter mehrere - lebensgefährliche, meiner jüngeren Tochter und meiner I Gattin aber mehrere minder gefährliche Hiebe. Das wahre j Motiv dieser gräßlichen Thar wird die strafrechtliche Unrerj suchung Herausstellen. Ein Rache-Act kann es nicht ge- 1 wesen sein, da ich weder mit dem Mörder noch mit dessen j Daker in irgend welche Berührung getreten war. Dem ' Vernehmen nach soll der Mörder sich bel seiner Festnehmung geäußert had.n, tx habe sich seit längerer Zeit vorgenommen, einen Juden todlzuschlagen. (Doppelgänger.j In Groß-Kanizsa führen zwei { Individuen, ohne mit einander verwandt zu sein, den gleichlautenden Namen Moritz GrünSbecger. Beide sind ver- : heiratet und ihre Gattinnen gebaren an einem und demselben Tage Mädchen, welche spater an einem und demselben Tage starven -und zu gleicher Zeit begraben wurden. Als Curiosum theilt nun der Pesti Hirnök mit, baß die gedachten zwei Frauen wieder an einem unb demselben Tage, und zwar diesmal beide von Knaben, entbunden worden feien. Allgemeine Zeitung des Judenthums. No. 14. 1805. Inhalt: Leilende Artikel: Rom und die Juten. —; Isaak Nca Mannheimer. — Literarischer äitzochenberichl. — > Zeitungsnachrichten: Deutschland: Tauberbischcssheim. ^.Preußen: .AuS Westfalen. Oesterreichischer Kaiser. > ftaat: Aus Böhmen, Aus dem Tokayergebirge. Frankreich: j Paris. Italien: AuS Oberiralien. Dä nemark: Kopenhagen, j Amerika: Brüssel. Correspondenz: Jüdische Briefe von Albert Lohn. VII—IX. JCy Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich Thaler. Verantwortlicher Redakteur: Or. A. Nager. Verlag von Baumgartner'« Buchhandlung in Leipzig. — Druck von G ffiebfi ng in Leipzig.